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05. 11. 2009

Testbericht: Cities XL

Sim City war gestern: Mit Cities XL möchte Monte Cristo dem Genre der Städtebau-Simulation zu neuem Glanz verhelfen. Innovative Spielelemente und ein umfangreicher Online-Modus sollen zum Gelingen dieses Plans beitragen. Haben es die Entwickler geschafft, ihr ehrgeiziges Ziel in die Tat umzusetzen oder schafft es das Spiel nicht, für neue Impulse zu sorgen? Unser ausführlicher Testbericht liefert Antworten auf diese und weitere Fragen.

Auch wenn der Online-Modus bei Cities XL ganz klar im Vordergrund steht müssen Fans von Sim City dennoch nicht traurig sein: Cities XL bietet neben dem "Planeten-Modus" getauften Internet-Modus auch einen reinen Solospieler-Part, in dem das Spiel zu einer klassischen Städtebau-Simulation wird. In dieser dürft ihr auf Landkarten mit unterschiedlichem Terrain und Schwierigkeitsgrad eine Stadt von Grund auf neu planen und bauen. Erlernen lassen sich das Gameplay und die grundlegende Steuerung am schnellsten anhand mehrerer kurzer Tutorials, die mit mehr oder weniger witzigen Dialogen unterlegt sind.

Screenshot: Cities XLParallelen zum Genre-Urgestein Sim City sind bei Cities XL natürlich nicht zu übersehen, dürfen aber auch in keinem Spiel dieser Art fehlen: Auf der Landkarte müssen Wohngebiete, Gewerbegebiete und Einkaufsmeilen platziert und über ein Straßennetz verbunden werden. Auch die wirtschaftlichen Zusammenhänge, die zwischen den einzelnen Vierteln bestehen sind größtenteils bekannt: Einwohner brauchen beispielsweise einen Arbeitsplatz während die lokalen Unternehmen gleichzeitig fähiges Personal benötigen. Beziehungen wie diese gibt es zuhauf in der Wirtschaftswelt von Cities XL, bei der die Entwickler sogar für eine Unterscheidung zwischen Makro- und Mikrowelt gesorgt haben: Es stehen nicht nur allgemeine und jeweils regional aufgespaltene Statistiken zur Verfügung, sondern konkrete Missstände lassen sich auch direkt an einzelnen Gebäuden erkennen. Fehlen der Stadt beispielsweise qualifizierte Arbeitskräfte, wird dies nich nur in den Statistiken angezeigt, sondern es werden auch konkret die Unternehmen farblich hervorgehoben, die über Personalmangel klagen.

Screenshot: Cities XLNatürlich fehlen auch spezielle Gebäude wie Polizeistationen, Krankenhäuser oder Sportplätze nicht, die neben einem Arbeitsplatz zu den Grundbedürfnissen eurer Bewohner gehören. Das Geld für den Bau und Betrieb der Stadt wird durch Steuern eingenommen, die von den Einwohnern, aber auch den ansässigen Unternehmen gezahlt werden. So simpel dieser Wirtschaftskreislauf ist, so intuitiv spielt sich auch Cities XL: Zwar gibt es wie bereits erwähnt eine ganze Reihe detaillierter Statistiken, die über ein bei Bedarf auch deaktivierbares Menü am rechten Bildschirmrand aufgerufen werden können und die regionale Verteilung bestimmter Daten wie beispielsweise Informationen zur Umweltverschmutzung zeigen, letzten Endes ist der Einfluss dieser Informationen aber beschränkt. Um Cities XL erfolgreich zu meistern genügen eigentlich nur drei Menüs, die vom oberen Bildschirm aus ausgeklappt werden können und Informationen zu den Finanzen, der Bevölkerung und den Resourcen liefern.

Screenshot: Cities XLAnhand dieser Informationen lässt sich direkt erschließen, welche Gebäude der Stadt fehlen und was möglicherweise besser abgerissen werden sollte. Hapert es an der Stromzufuhr, sollte dementsprechend ein Kraftwerk gebaut werden. Besteht in der Stadt eine hohe Nachfrage nach Schwerindustrie, sollten Bauplätze geschaffen werden, an denen sich eben solche Betriebe ansiedeln können. Vereinfacht wird das ganze noch dadurch, dass einem die gröbsten Missstände über einen separaten Status-Bildschirm sogar mitgeteilt werden, ohne dass man eine der Statistiken öffnen muss. Immerhin etwas Abwechslung erhält das Ganze durch die Tatsache, dass sich die Bevölkerung in vier verschiedene Gruppen wie Ungelernte, qualifizierte Arbeiter oder Führungskräfte unterteilt. Diese wohnen nicht nur in separaten Vierteln, sondern es gibt für jede Bevölkerungsschicht auch eine eigene Arbeitslosenstatistik. Da beispielsweise die Ansiedlung von High-Tech Industrie keine Arbeitsplätze für unqualifizierte Arbeiter schafft, wird es somit ein bisschen schwieriger, stets die Balance zwischen den einzelnen Industriebranchen und der Verteilung der einzelnen Bevölkerungsschichten eurer Stadt zu halten. Im Großen und ganzen ist Cities XL dann aber doch etwas zu einfach geraten, denn letztlich reicht es aus, wenn man auf die konkreten Missstände, die über die Statistiken mitgeteilt werden, reagiert und gleichzeitig dafür sorgt, dass die Bevölkerung stets wächst, damit auch die Einnahmen wachsen. Zwar bietet Cities XL darüber hinaus auch weitere Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Stadt, für den Spielverlauf sind diese aber nur bedingt relevant. Wer jedoch an Details seine Freude hat, dem dürften die zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten, die das Spiel bietet, gerade recht kommen. Vor allen Dingen der Verkehr kann bei Bedarf bis ins kleinste Detail geplant werden: Bei Straßen kann nicht nur die Fahrtrichtungen festgelegt werden sondern auch die Breite der Straße den Bedürfnissen der jeweiligen Stadt angepasst werden.

Ein weiterer Aspekt von Cities XL ist neben dem reinen Städtebau der Handel. Städte, in denen ein Überschuss an bestimmten Waren oder Dienstleistungen produziert wird, generieren sogenannte Tokens, also Rohstoffmarken, die Sie mit ihren Nachbarstädten gegen Geld oder andere Tokens tauschen können. Letzteres ist zum Beispiel erforderlich, wenn eine Stadt auf gewisse Rohstoffe angewiesen ist, die in dem Terrain, auf dem sich die Stadt befindet aber nicht vorhanden sind. Im Solo-Modus beschränken sich die Handelsaktivitäten auf den Austausch von Tokens mit einer "Omnicorp" genannten Firma. Der Handel zwischen verschiedenen Städten echter Spieler ist damit einer der wirklichen Vorteile, die sich durch Nutzung des Online-Modus ergeben, denn anders als beim Handel mit "Omnicorp" können die Spieler die Preise bei Tauschgeschäften im Internet selbst festlegen, so dass meist beide Seiten stärker vom Handel profitieren, als im Offline-Modus.

Screenshot: Cities XLNeben dem Handel bietet der Online-Modus aber noch einige weitere Funktionen: Möchte man eine Stadt im Online-Modus errichten, muss man sich zunächst für einen Planeten entscheiden. Zur Zeit werden in Deutschland zwei solcher Server angeboten, auf denen theoretisch einige tausend Städte Platz haben. Nach der Auswahl eines Planeten müsst ihr euch auf eben diesem für ein passendes Gebiet entscheiden, das genügend Rohstoffe bietet und auf dem noch kein anderer Spieler eine Stadt errichtet hat. Die online erstellten Städte werden auf den Servern gespeichert, so dass andere Spieler sich jederzeit eure bis zu fünf verschiedenen Städte anschauen können. Auch ansonsten stehen reichlich Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung: Neben einer Chatfunktion bietet Cities XL auch eine Web-Schnittstelle, bei der es sich quasi um ein soziales Netzwerk handelt, in dem Spieler den Status ihrer Städte im Internet präsentieren und sich in Ranglisten messen können. Abgesehen vom Handel und den Mega-Bauwerken, bei denen es sich um riesige Gebäude handelt, deren Produktion so viel Ressourcen benötigt, dass diese nur durch Kooperation der Spieler errichtet werden können, bleibt der Online-Modus aber nicht mehr als ein netter Bonus, bei dem sich die Frage stellt, wodurch sich die monatlichen Kosten von bis zu 7,99€ rechtfertigen lassen.

Abzuwarten bleibt, wie sich die GEMs (Gameplay Extension Modules) getauften kostenpflichtigen Erweiterungen des Grundspiels bewähren. Hierbei handelt es sich um "Minispiele" wie beispielsweise einen Hotelmanager im Stil eines klassischen Tycoon-Spiels, die aber in die Spielumgebung von Cities XL eingebettet sind. Das Hotel, das der Spieler im GEM verwaltet, wird er also in seiner Stadt wiederfinden. Für die Zukunft haben die Entwickler die Veröffentlichung einer ganzen Reihe von GEMs geplant, die zu einem Preis von 5 bis 20 Euro erhältlich sein sollen.

Im Gegensatz zum Online-Modus kann die Optik von Cities XL durchaus überzeugen: Die Städte wirken nicht nur wegen der hochauflösenden Texturen, sondern auch wegen den zahlreichen Gestaltungsmöglichkeiten sehr organisch. So lassen sich beispielsweise für jede Bevölkerungsschicht Wohnviertel unterschiedlicher Einwohnerdichte erstellen, was der Stadt eine persönliche Note verleiht, die durch die zahlreichen Dekorationsobjekte noch stärker individualisiert werden kann. Werbetafeln sowie zahlreiche Bewohner, Verkehrsteilnehmer und bewegliche Objekte wie Windräder tun ihr übriges, um der schmucken 3D-Welt Leben ein zu hauchen.

Fazit

Cities XL erfindet das Genre nicht neu. Dennoch oder gerade deswegen kann man das Spiel aber allen Städtebau-Fans wärmstens empfehlen, denn die Zahl der Gebäude und die Möglichkeiten der Einflussnahme - insbesondere auf den Verkehr - machen Cities XL zusammen mit der einwandfreien optischen Präsentation zu einem soliden Genre-Vertreter. Einzig die Tatsache, dass viele der zahlreichen Details, die das Gameplay bietet zwar interessant, aber für den Spielverlauf nicht wirklich von Bedeutung sind, stört etwas: Wirklich herausfordernd wirkt Cities XL nur selten, denn Patentrezepte zum Lösen etwaiger Probleme sind schnell gefunden und anspruchsvolle Aufgaben wie beispielsweise vorgegebene Szenarien sucht man ebenfalls vergeblich. Auch der Online-Modus hält letzten Endes nicht das was er verspricht: Kommunikationsmöglichkeiten und ein zugegebenermaßen interessantes Handelssystem sind einfach zu wenig, um die erhobenen monatlichen Gebühren zu rechtfertigen. Dennoch: Wer an Sim City Spaß gefunden hat, wird auch mit Cities XL glücklich werden, nicht zuletzt aufgrund der fehlenden Alternative, aber auch wegen der soliden und gleichzeitig detailverliebten Umsetzung. Mario Siewert

Wertung: 7/10