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27. 07. 2010

Vorschau: Drakensang - Phileassons Geheimnis

Leider steht es dieser Tage nicht gut um die Marke „Das Schwarze Auge“. Drakensang-Entwickler Radon Labs stand vor der Pleite und wurde von Browserspielentwickler Bigpoint gekauft, wobei die Firma selbst stets nach Käufern sucht. Und der deutsche Publisher The Games Company hat auch Insolvenz angemeldet. Was aus Daemonicon wird ist unklar. So war es unsere Pflicht, vor der Veröffentlichung des womöglich vorerst letzten DSA-Titels einen Blick auf Selbigen zu werfen.

Die Erweiterung für Am Fluss der Zeit hört auf den klangvollen Namen Phileassons Geheimnis und bringt eine neue Welt zum Erkunden mit sich. Auch für Neulinge dürfte das Werk von großem Interesse sein, da es nicht nötig ist, das Hauptspiel komplett abgeschlossen zu haben. Das Gegenteil ist sogar der Fall: Die neue Welt, genannt Tie'Shianna und seit ewigen Zeiten von keinem Menschen aus Aventurien mehr betreten, wird über einen Sphärenriss in der Stadt Nadoret erreicht. Einer Stadt, die Spielern vom Fluss der Zeit ein Begriff sein sollte, ist sie doch eine der ersten größeren Ortschaften, die man im Spiel bereisen darf.

Am Spielprinzip selbst hat sich natürlich nichts verändert: Nach wie vor präsentiert sich die Drakensang-Reihe mit einer linearen Geschichte und linear ablaufenden Aufgaben, welche dafür aber umso dichter gestrickt sind. Eine offene Welt gibt es auch in der Erweiterung nicht. Wie zuvor reist man auch in Phileassons Geheimnis von einem Ort zum Anderen per Landkarte. Dafür sind die spielbaren Gebiete dieses Mal deutlich größer ausgefallen und bieten genügend Freiraum für abenteuerlustige Kundschafter. Sogar das ein oder andere knackige Rätsel, welches den Spielfluss ein wenig aufzulockern vermag, ist wieder mit an Bord.

Auch das Kampfsystem wurde beibehalten, was Rollenspiel-Fans natürlich aufhorchen lässt, gehört das im Hintergrund werkelnde Regelwerk doch zu den umfangreichsten und ausgefeiltesten seiner Art. Davon bekommt man selbst natürlich nur wenig mit. Während die Kämpfe auf den ersten Blick in Echtzeit ablaufen, wird im Hintergrund ordentlich gewürfelt und um Runde um Runde bestritten. Schade ist hierbei, dass auch an der künstlichen Intelligenz nichts verändert wurde. Ohne die Pausefunktion wäre das Geschehen auch diesmal ein heilloses Durcheinander.

Der Titelgebend Thorwaler-Held Phileasson taucht übrigens ebenfalls im Spiel aus, schließt sich im Verlauf sogar der eigenen Gruppe an und kommt mit astronomischen Werten im Schwerterschwingen daher. Fachkundige werden sich sicherlich freuen zu hören, dass der Charakter des Weltenbummlers, der Aventurien umreisen möchte, richtig gute eingefangen wurde.

Wenn so vieles identisch geblieben ist, was hat sich dann eigentlich verändert? Wie schon erwähnt führt die Erweiterung nach Tie'Shianna. Und das bedeutet für Kundige Fans: Schluss ist es mit den grünen Wäldern. Die Wüste hat die Spielwelt erreicht. Und mit ihr auch die dazugehörigen Ortschaften, welche an den Stil des alten Ägyptens erinnern. Natürlich wurden auch die Gegner angepasst, sodass man sich auch auf riesige Skarabäen freuen kann. Ebenfalls gibt es neue Rüstungen und Waffen, welche allesamt an die schöne neue Welt angepasst wurden.

Technisch präsentiert sich Drakensang – Phileassons Geheimnis von einer richtig soliden Seite. Natürlich ist die zu Grunde liegende Engine mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen, doch für malerische Sonnenuntergänge kann sich noch immer sorgen. Auch bei den Animationen kann man nicht meckern, schließlich sind sie allererste Sahne. Nur wirken manche Figuren ein wenig klobig, doch gleicht das die mit viel Liebe gestaltete Umgebung wieder locker aus. Auch beim Klang wird kaum ein Wunsch offen bleiben. Alles so, wie man es schon von den ersten beiden Spielen gewohnt ist.

Fazit:
Sollte Drakensang – Phileassons Geheimnis tatsächlich das letzte „Das Schwarze Auge“-Spiel der kommenden Jahre sein, so wäre das unglaublich traurig. Entwickler Radon Labs hat sich nämlich redlich Mühe gegeben, an allen Ecken und Enden das Beste herauszuholen und schon in unserer frühen Vorschaufassung gab es so gut wie keine Bugs und das Spiel lief in der Regel sehr stabil. Es wäre wie gesagt schade, sofern die Reihe jetzt ein solch jähes Ende finden müsste und doch wäre die Erweiterung ein würdiger Abschluss. So viel steht schon jetzt fest, denn die neue Welt fügt sich Nahtlos in die Spielgeschichte ein und bietet genügend Abwechslung für erfahrene Haudegen. Doch auch Neulinge werden mit dem Gesamtpaket voll und ganz auf ihre Kosten kommen.

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