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09. 11. 2010

Vorschau: Fate of the World

Bereits vor einiger Zeit konnten wir euch unser Interview mit den Entwicklern von Fate of the World. Die Weltsimulation befand sich zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Betaphase. Jetzt ist eben Diese gestartet und wir konnten selbst einen Blick auf das Spiel werfen, welches die ein oder andere Überraschung für uns bereithielt.

Kaum war das Spiel angeworfen, wählten wir die in der Beta zur Verfügung stehende Mission aus. In dieser galt es, eine Ölkrise abzuwenden, zu überstehen und dabei auch noch dafür zu sorgen, dass die Temperatur in den nächsten 100 Jahren um nicht mehr als 3° Celsius steigt. Im fertigen Spiel wird es noch weitere Missionen geben. So steht schon jetzt fest, dass es zum Beispiel auch den „Dr. Apokalypse“ Modus geben wird, welcher es dem Spieler erlauben wird, die Welt in den Backofen zu schieben, dort richtig garen zu lassen, um sie schließlich und endlich komplett vor die Hunde gehen zu lassen.

Doch wir widmeten uns erst einmal der Ölkrise. Bevor wir das tun konnten, mussten wir uns erst einmal eine Anrede aussuchen. Sir? My Lord? Mister? Klingt ja alles schön und gut, doch wir entschieden uns für den Dude. Wir wollten euer Dudeschaft genannt werden. Die Dudeschaft lies sich dann gleich erstmal im Chefsessel der GEO nieder. Diese Organisation ist nämlich der Dreh- und Angelpunkt von Fate of the World. Es ist eine Organisation, welche dafür sorgen soll, dass die Welt nicht komplett mit CO2 vollgepumpt wird. So zumindest die Theorie. Zu Beginn gilt es erst einmal, in verschiedenen Regionen der Welt, wie zum Beispiel Südafrika, Nordamerika, Europa oder im mittleren Osten – um nur Einige zu nennen -, Mitarbeiter einzustellen. Diese Mitarbeiter dienen dann im Spielverlauf als Aktionspunkte. Je nachdem, wie viele Mitarbeiter der Spieler in einem Land beschäftigt, so viele Aktionen darf er in dieser Region dann auch ausführen.

Aktionen? Ja, denn das Spiel läuft rundenbasiert ab. Der Gegner ist allein die Zeit. Aktionen werden in Form von Karten präsentiert. Spielkarten. Mit diesen werden Aktionen in die Wege geleitet. Eine Karte, um ein Beispiel zu nennen, sieht ein langjähriges Projekt vor, welches die Region, in der sie gespielt wird, dazu bringt, auf Elektroautos umzusteigen. Eine andere Karte wiederum sorgt für medizinische Versorgung. Es gibt unzählige verschiedene Aktionskarten. Und je nachdem welche der Spieler zum Einsatz bringt, stehen in den Folgerunden weiterführende Karten zur Verfügung. So kann man die Welt ganz den eigenen Wünschen anpassen.

Eigentlich sollte das zumindest so sein. Das Problem ist nur, dass die Welt auf die Maßnahmen reagiert. Und das nicht gerade zimperlich. Fate of the World bietet nämlich einen äußerst komplexen Unterbau. Will heißen: Wer in Afrika Privat-Investionen fördert, der dürfte sich zunächst einmal die Zähne ausbeißen. Militär zur Sicherung des Landes wäre angebrachter. Zur gleichen Zeit sind gestärkte Militärs in Europa vielleicht keine allzu gute Idee, doch wäre es hier vielleicht eine Überlegung wert, Offshore-Bohrungen zu unterbinden. Das Spiel reagiert auf jede Aktion mit einer Reaktion. Biobrennstoffe? Tolle Idee, das senkt den Ausstoß von CO2, sorgt auf der anderen Seite aber vielleicht im restlichen Ökosysteme für Probleme. Das Walross dankt's mit dem Aussterben.

Und nicht nur das: Während unserer Anspielzeit schafften wir es tatsächlich, dass sowohl Walross, Polarbär, Orang Utan und Koalabär aus den Geschichtsbüchern gestrichen werden konnten. Damit aber nicht genug: In zahlreichen Gebieten auf der Welt brachen Kriege aus, Hungersnöte rafften einen ordentlichen Teil der Bevölkerung dahin und die Temperatur stieg beharrlich weiter an. Schnell wurde unsere Organisation aus vielen Gebieten vertrieben, an einigen Orten wurden unsere Mitarbeiter sogar plötzlich als vermisst gemeldet und am Ende galt unser Vorhaben als gescheitert. Fate of the World macht dem Spieler schnell klar, dass das Retten der Welt, dass die Herrschaft als Solche, keine einfache Aufgabe darstellt. Wer nicht peinlichst genau darauf achtet, was er tut und wo er es tut, der steht schneller am Abgrund, als es ihm oder ihr lieb sein kann.

Und obwohl wir ein jedes Mal gescheiter sind, hatten wir unsern Spaß. Warum? Eine gute Frage, die sich so leicht nicht erklären lässt. Fate of the World mag auf den ersten Blick relativ trocken wirken. Mit all seinen Statistiken und Werten. Doch es fordert den Grips des Spielers heraus. Es lehrt ihn, was für Folgen sein Handeln auf globaler Ebene haben könnte. Schon nach wenigen Runden waren unser Allgemeinwissen so viel größer, dass wir es selbst kaum glauben konnten. Das Spiel schafft es durch seine gnadenlose Härte zu begeistern.

Dabei sieht es nicht einmal sonderlich hübsch aus. In der Regel bekommt der Spieler relativ normal gestaltete Menüs zu Gesicht, im Hintergrund ist stets der Erdball zu sehen. Wirklich berauschend ist die Optik nicht. Sie dient mehr dem Zweck. Bei der Musik hingegen war das integrierte Musikstück wirklich angenehm, passte zur allgemeinen Atmosphäre – und doch wünschten wir uns Abwechslung. Aber die wird kommen. Noch ist das Spiel ja in einer Betaphase und soll erst im Februar veröffentlicht werden. Vieles ist also noch nicht vervollständigt.

Ersteindruck:
Was da im Februar dann auf den Markt kommt, das ist ein Musterbeispiel eines Serious Games. Es ist bitterböse auf der einen Seite, weil es dem Spieler kaum eine Chance geben möchte. Es ist faszinierend auf der anderen Seite, denn es zeigt, was passieren könnte, wenn nicht bald etwas getan wird. Es ist ein Serious Game, welches Spaß bereitet. Das herausfordernd ist. Das man so noch nicht gesehen hat. Und allein das ist eine Meisterleistung. Denn: Wer hat schon einmal ein Spiel mit einem derart ernsten Hintergrund gesehen, das spielerisch überzeugen konnte? Und Fate of the World gelingt genau das schon jetzt. - Michael Hoss

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