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08. 03. 2010

Vorschau: Future Wars

Wofür mag wohl der Name RadonLabs stehen? Nun, zuletzt wurde die deutsche Spieleschmiede durch das Rollenspiel Drakensang bekannt, welches nach etlichen Jahren die „Das Schwarze Auge“-Lizenz zurück in die Welt der Spiele brachte. Das letzte Spiel, welches auf eben diese mächtige Lizenz setzte, das war Schatten über Riva – vor über zehn Jahren. Neben dem Prequel werkelte die Schmiede zusätzlich noch an einem weiteren Projekt. Und zwar für Publisher HeadUp Games. Der Name des neuen Spiels: Future Wars.

Screenshot: Future WarsBei Future Wars handelt es sich allerdings nicht um ein Rollenspiel. Mit dem neuen Projekt wollten die Entwickler neue Wege beschreiten. Oder besser gesagt: Alte Wege neu ergründen, denn Future Wars wird ein Spiel im Retrostil werden. Rundenstrategie ist angesagt. Oder soll wieder angesagt werden, wenn man es genau nimmt. Nicht gerade ein Genre, an das sich jedes Entwicklerstudio heranwagt, da die Zielgruppe doch relativ klein geworden ist über die Jahre. Das Risiko ist sicherlich hoch, doch die selbstgesteckten Ziele sind sogar noch höher.

Ziel war es, zum Schere-Stein-Papier-Prinzip zurückzukehren. Und in einer fast fertiggestellten Vorschaufassung funktionierte das Prinzip soweit auch ganz gut. Zwei Parteien standen sich hier auf dem Felde gegenüber. Das Besondere: Es ist nicht erforderlich, dass beide Spieler gerade im Spiel sind. Das ist sogar gar nicht möglich. Die Entwickler haben ein gänzlich anderes System aufgebaut: Nachdem der eigene Zug beendet worden ist, kann man das Spiel wieder beenden, da Future Wars dann eine Datei erstellt hat, welche die verschlüsselten Daten des Zuges beinhaltet. Diese Datei wird dann an den anderen Mitspieler übermittelt, woraufhin dieser selber seinen Zug machen kann.

Screenshot: Future WarsUnd so geht es immer weiter, bis einer der beiden Kontrahenten schließlich den Sieg davon getragen hat. Ein handelsüblicher LAN-Modus oder ein direkter Onlinemodus sind also nicht eingebaut worden. Das ist auf der einen Seite durchaus schade, doch sollte man das Ganze vielleicht aus einem anderen Blickwinkel betrachten: Müsste man Runde für Runde abwarten, was geschieht, so käme doch recht schnell Langeweile auf. So aber steht es dem Spieler frei, was er nebenher noch so alles tut. Da die erstellte Datei gerade einmal wenige Kilobyte groß ist, kann man sie bequem per ICQ oder andere Messenger, alternativ natürlich per Mail oder auch USB-Stick hin und her reichen. Im Praxistest erwies sich das System als äußerst komfortabel, sobald man sich darauf eingelassen hatte.

Das Szenario ist, wie es der Name schon vermuten lässt, in der Zukunft angesiedelt. Dies bedeutet natürlich auch, dass der Spieler futuristisch anmutende Panzer und Truppen zu Gesicht bekommt. Die Einheiten unterscheiden sich natürlich stark voneinander. Da ist Artillerie dabei, die auf hohe Entfernung natürlich sehr zuverlässig agiert, im Nahkampf gegen einen Panzer, der darauf spezialisiert ist, jedoch gnadenlos versagt. Das Balancing stimmte soweit wir das feststellen konnten, wobei in unserer Fassung noch Flugeinheiten fehlten, welche laut Entwickler- und Publisheraussage das gesamte Spielerlebnis umkrempeln können.

Screenshot: Future WarsDas, was Future Wars aber aus der Masse der Spiele hervorheben soll, das ist die Modifizierbarkeit des Spiels. Und die ist wahrlich simpel ausgefallen. So simpel, dass es uns möglich war, binnen von einer Minute einen Instagib-Mod zu schreiben. Für jene, denen das jetzt nicht sagt: Als Instagib bezeichnet man einen Modus, bei dem ein einziger Treffer zum Exitus des Gegners führt. Und das war nur eine leichte Veränderung des Spiels, die ganz einfach zu erreichen war. Auch komplexere Sachverhalte und Spielmechaniken lassen sich innerhalb von kurzer Zeit ohne größere Schwierigkeiten bearbeiten und erstellen. Und genau das ist auch der Grund, warum nicht nur Indie-Fans den Titel im Auge behalten sollten. Gerade in Zeiten, in denen die „Modbarkeit“ von Spielen immer weiter verdrängt wird, könnte so ein Spiel von Interesse sein.

Auch vorbildlich: Future Wars wird einen Modus besitzen, bei dem sich zwei Spieler an einem einzigen PC Gefechte liefern können. Interessant, einmal mehr mit dem Blick auf die Modifizierbarkeit gerichtet, dürfte auch jener Spielmodus sein, welcher die künstliche Intelligenz gegen sich selbst antreten lässt. Dann braucht der Spieler nur noch das wilde Treiben auf dem Monitor verfolgen und kann seine Einstellungen direkt nachvollziehen und miterleben.

Screenshot: Future WarsTechnisch zählt Future Wars dagegen schon fast zum alten Eisen. Die Grafik ist weit davon entfernt, als schön gelten zu können. Das Terrain kommt nicht gerade detailreich daher und auch die verschiedenen Gebäude, in denen sich zum Beispiel neue Einheiten nachproduzieren lassen, wurden nicht unbedingt mit viel Aufwand gestaltet. Einzig das Design der Einheiten kann hier noch ein wenig hervorstechen, doch selbst dieses ist eher zweckmäßig gehalten. Bei der Vertonung sieht es derweil vergleichbar aus. Die Musik könnte man noch mit dem Wort „Retro“ beschreiben während die Effekte eher von der Marke Blech abstammen. Allzu tragisch ist das durchwachsene Technikgerüst aber nicht, da der Fokus hier eindeutig auf die Spielbarkeit gelegt wurde.

Fazit:

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Solopart spielen wird. Versprochen ist eine umfangreiche Kampagne, die auch so manche Wendung bereithalten soll. Auch wird es interessant sein zu sehen, wie die Lufteinheiten den Spielablauf verändern können. Klar ist aber schon jetzt, dass Future Wars einige richtig nette Ideen mitbringt. Zumal diese neuen Ideen auch noch ohne weitere Probleme funktionieren. Sei es das Spielen gegen einen Spieler, der seinen Zug vielleicht erst am nächsten Tag machen möchte (Quasi wie beim Fernschach) oder aber die Tatsache, dass sämtliche Spieldateien offen liegen und verändert werden können: Wenn der Titel von den Spielern eine Chance bekommt, so stehen uns hier in nächster Zeit sicherlich einige interessante Ideen bevor. Bleibt nur zu hoffen, dass genau das auch geschehen wird, denn das bisher gezeigte konnte schon jetzt überzeugen. Ebenfalls nett: Publisher und Entwickler verzichten ganz auf einen Kopierschutz und vertrauen auf die ehrlichen Käufer, ohne diesen Hindernisse in den Weg zu legen. Michael Hoss

Anmerkung: Die Screenshots zeigen Szenen aus der Entwicklung des Spiels, und repräsentieren nicht die endgültige grafische oder spielerische Qualität des Titels.

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