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08. 02. 2010

Vorschau: Red Steel 2

Es gibt Spiele, die hätten eigentlich, wenn man es genau nehmen möchte, keinen Nachfolger verdient. Warum? Ganz einfach: Weil sie schlecht waren. Dabei spielt die Technik ja nicht einmal eine so große Rolle, denn auch ein hässliches Entlein kann zu einem wunderschönen Schwan werden, wenn denn das Gameplay stimmt. Das wurde nur allzu oft bewiesen. Bei Red Steel sah das damals aber ein wenig anders aus.

Screenshot: Red Steel 2Da stimmte nur wenig. Oder auch mal gar nichts. Angekündigt wurde es als Heilsbringer. Quasi als das Spiel, was zum Start der Nintendo Wii zeigen sollte, für was die kleine Konsole bestimmt sei. Nur gelingen wollte das Unterfangen nicht. Publisher Ubisoft brachte am Ende ein Spiel auf den Markt, welches an allen Ecke und Kanten unfertig und durchwachsen wirkte. Die Grafik war auf Realismus getrimmt, was schon vorab zum Scheitern verurteilt war. Vermatschte Texturen, ein einziges Grau in Grau, wohin das Auge auch blickte. Auf so etwas war die Wii einfach nicht ausgelegt. Dazu gesellte sich eine öde Story und eine kaum funktionierende Steuerung, welche dem Titel am Ende auch das Genick brach. Die Wii war für packende Schwertkämpfe nicht präzise genug und die Bewegungen wurden verzögert ausgeführt, sodass kein Spaß aufkommen wollte. Vielmehr war Frust eines der häufigsten Gefühle, die man beim Spielen von Red Steel empfand.

Und obwohl das Spiel nur so niedergemacht wurde, es verkaufte sich recht ordentlich. Kein Wunder, bedenkt man, dass die Wii noch halbwegs neue auf dem Markt war und die Spieler einfach packende Schwerkämpfe sehen wollten – die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und so reichten die Einnahmen am Ende aus, um einen zweiten Teil zu rechtfertigen. Und natürlich wurden große Versprechen gegeben: Man sei sich über die durchwachsene Qualität des ersten Teils bewusst, doch solle beim zweiten Versuch alles besser werden. Vom alten Stil des Spiels verabschiedeten sich die Entwickler und irgendwie hegte man Hoffnung (Noch ist sie nicht verstorben), dass am Ende doch alles gut werden würde.

Ubisoft stellte den zweiten Teil jetzt einem ausgewählten Publikum vor und so kam es, dass auch wir einen Blick auf eine fast fertige Fassung des Spiels werfen konnten. Auf zwei Bildschirmen wurde Red Steel 2 gezeigt und zwei Entwickler waren vor Ort, um die Spielmechanik zu demonstrieren und zu erklären. Im Anschluss durfte man dann auch selbst Hand anlegen. Also ließen wir den Lobgesang über uns ergehen, passten jedoch zugleich auf, dass wir keine grundlegenden Informationen verpassten und warteten, bis wir schließlich an der Reihe waren.

So viel schon mal vorab: Die Geduld sollte sich auszahlen und auch die Versprechen konnten eingehalten werden. Mehr oder weniger. Als wir endlich Wii-Mote und Nunchuck in den Händen hielten, war bereits klar, warum zumindest bei der Steuerung dieses Mal nichts schief gehen sollte: Wii Motion Plus kommt zum Einsatz. Das Anhängsel für den Controller sorgt für eine höhere Präzision und ohne das Gerät funktioniert Red Steel 2 erst gar nicht. Aber das war schon vorab bekannt, weshalb wir uns nicht weiter wunderten und mit dem Spielen begannen.

Screenshot: Red Steel 2Zu Beginn verfügt der Held noch über kein Schwert. Dafür bekommt er gleich das erste Schießeisen in die Hand gedrückt und wird mit der Steuerung vertraut gemacht. Sobald man verstanden hat, wie man hoch und runter sieht, ist alles in Butter. Natürlich will man die Pistole auch gleich ausprobieren. Also schießt man auf einige Flaschen und Kiste. Und siehe da, sie zerfallen in ihre Einzelteil und zum Vorschein kommt Geld, das man dann schön brav einsammeln kann. Logisch ist das nicht, aber wer Pilze und Sterne mit einem Klempner einsammelt, der wundert sich auch bei (In Flaschen verstecktem) Geld nicht mehr. Sogleich wird man auch mit dem ersten Rätsel konfrontiert: Eine Tür versperrt den Weg. Sie ist mit einigen Schlössern an der Seite gesichert, die man natürlich mit einer Kugel aushebeln kann.

Die Tür fällt um und liegt brach, der Weg ist frei. Hurra. Es geht weiter. Weiter zu den ersten Gegnern, die man mit der Schusswaffe relativ schnell außer Gefecht setzt. Natürlich steckt man einige Treffer ein, doch nach einem Kampf füllt sich die Lebensanzeige auch wieder auf. Problem gelöst. Das Zielen fällt dabei nicht schwer. Das Zielvisier erfasst die Gegner relativ automatisch und per Tastendruck kann man zwischen den Feinden hin und herwechseln. Dann muss man nur noch einen weißen Punkt innerhalb der Zielerfassung an der gewünschten Stelle platzieren und abdrücken. Schießt man in den Kopf, so ist das natürlich effektiv. Doch auch das Knie ist eine empfindliche Stelle welche die gegnerischen Kämpfer kurz humpeln lässt.

Das kann man sich später dann auch zu Nutze machen. Sobald man ein Schwert hat. Dann ist das Humpeln quasi so etwas wie eine Vorlage zum direkten Torschuss beim Fussball, wo gerade kein Torhüter in Sicht ist: Ein todsicheres Unterfangen. Dann nämlich kann man zum finalen Schlag ausholen und den Verwundeten mit einem Streich außer Gefecht setzen. Doch dazu muss man natürlich auch den Schwertkampf beherrschen. Und das ist leichter gesagt, als getan. Klar: Hier ein wenig Schwingen, da ein wenig Stechen, das passt schon. Stimmt. Passen tut das, nur effektiv ist es nicht, weshalb man sich das Kampf-Tutorial von Red Steel 2 dringend ansehen sollte.

Screenshot: Red Steel 2Halt. Moment! Ansehen? Korrekt. Natürlich nimmt man im Kampf gegen die Strohpuppe aktiv teil, doch bekommt man Anweisungen, wie man den ungefährlichen Gegner aufs Korn nehmen soll. Und diese Anweisungen werden in Videoform präsentiert. Dann zeigt eine real existierende Frau in einem Videoschnipsel, was man zu tun hat: Ausholen, nach vorne preschen und dann richtig schön zustechen – Exitus für die Strohpuppe. Schlag von Links, Schlag von Rechts – ab über den Jordan mit der Puppe. Das System wirkt etwas befremdlich, da die Videos einen krassen Stilbruch zur restlichen Optik darstellen. Doch es funktioniert: Ohne Anweisungen und nur mit einem Text würde man viele Bewegungen nur teilweise oder gar nicht verstehen. Wohlgemerkt obwohl sie relativ einfach anzuwenden sind.

Das Faszinierende an der Sache: Faulheit zahlt sich nicht aus: Wer wie von anderen Titel gewohnt den Controller nur ein wenig hin und herbewegt, der wird schnell feststellen, dass seine Schläge keine Wirkung zeigen. Motion Plus sei Dank, muss man tatsächlich richtig ausholen und kräftig sein Ding schwingen. Dann trifft man auch mit ordentlicher Wucht und die gegnerischen Rüstungen können vernichtet werden. Das sieht von Außen sicherlich komisch aus, wie man da so rumhampelt, doch fühlt man sich schon bald wie Brad Pitt in Troja: Wild wütend wie ein heroischer Krieger, der sich durch die Gegnermassen schlachtet. Keine Rücksicht auf Verluste, keine Rücksicht auf die eigene Gesundheit. Bruce Lee ist zurück!

Keine Frage: Die Kämpfe machen Spaß, die Moves sind unglaublich cool und nach kurzer Zeit verwendet man die Schusswaffen gar nicht mehr. Mit dem Geld kauft man sich lieber neue Spezialattacken, die auf das Schwert ausgelegt sind, Upgrades kauft man ebenfalls nur für die Klinge. Zumindest war das bei uns der Fall. Natürlich kann man auch die Schießeisen verbessern.

Nach einigen Aufgaben mussten wir dann aber feststellen: Zwar sind die deutschen Synchronsprecher tatsächlich passend gewählt, doch liegt der Schwerpunkt von Red Steel 2 eindeutig auf der Action und nicht auf der Story. Schlimm ist das nicht, sofern man auf Dauer auch genügend Abwechslung bei den Kämpfen hat. Zumindest hier sind wir noch ein wenig skeptisch: Zufallskämpfe strecken den Titel ein wenig und insgesamt hegen wir die Befürchtung, dass die Kämpfe auf Dauer ein wenig repetitiv ausfallen könnten. Auch echte Rätsel konnten wir noch nicht entdecken – aber so weit kamen wir in der uns gegebenen Zeit nun auch wieder nicht.

Screenshot: Red Steel 2Aber was schon feststeht, das ist die Tatsache, dass die Kämpfe wesentlich besser ausgefallen sind, als beim Vorgänger. Doch wie steht es um die Technik? Dieses Mal haben sich die Macher für eine Comicgrafik entschieden. Und die ist auf der Wii einfach gut aufgehoben. Zwar bekomme man immer noch relativ matschige Texturen präsentiert, doch fällt es auf Grund des eigenwilligen Looks nicht mehr ganz so tragisch auf. Zumal auch die Gestaltung der Spielwelt äußerst facettenreich ist: Von asiatischen Westernstädten bis hin zu ausgedehnten Canyons wird so manch interessanter Abschnitt geboten. Um es anders auszudrücken: Für ein Wii-Spiel sieht Red Steel 2 richtig schick aus. Und laut den Entwicklern war es ein enormer Aufwand, das Spiel flüssig laufen zu lassen, was man gut und gerne glaubt.

Fazit

Auch wenn schon jetzt klar ist, dass die Story keinen Oscar gewinnen wird, so haben wir dennoch die Hoffnung, dass Red Steel 2 eines der besten Actionspiele für die Nintendo Wii werden könnte. Wenn die Kämpfe auf Dauer noch überraschen können, wenn die Moves noch cooler werden und wenn hier und da ein wenig Abwechslung geboten wird, dann haben wir keine Bedenken mehr, dass hier zwar unverdient ein Nachfolger auf die Beine gestellt worden ist, der aber am Ende genau das wird, was man sich noch vom missglückten Vorgänger versprach. Michael Hoss

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