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30. 12. 2014

Klassiker: Half-Life

Ein misslungenes Experiment in einem unterirdischen Labor stellt die Grundlage für den Ego-Shooter Half-Life (1998) dar. Auch wenn das Spiel kein neues Genre begründete, so setzte es dennoch neue Maßstäbe in punkto Handlung, Erzählweise und Perfektionismus.

In dem von Science Fiction und Horror-Elementen geprägten Titel übernimmt der Spieler die Rolle von Gordon Freeman, einem promovierten Physiker, der nach Durchführung eines gründlich aus dem Ruder laufenden Experiments unfreiwillig zwischen die Fronten gerät. Denn anders als zunächst vermutet werden die Wissenschaftler nicht nur von Aliens, die durch das Experiment aus einer Parallelwelt in das Labor eindringen konnten, bedroht, sondern auch vom Militär, das anders als zunächst vermutet alles andere als ein Retter in der Not ist.

Die nicht ganz triviale Story und insbesondere die Existenz mehrerer Parteien mit nicht ganz eindeutiger Rollenverteilung machen den besonderen Reiz des Spiels aus. Die Präsentation der Story wird durch die Tatsache, dass Half-Life als eines der ersten Spiele auf Scripted Sequences, also in Spielgrafik vorgetragener Zwischensequenzen, während derer sich der Spieler frei bewegen kann, setzte verbessert. Eine weitere Besonderheit von Half-Life stellt der für einen Ego-Shooter relativ hohe Anteil an Rätsel- und Geschicklichkeitsaufgaben dar.

Ein weiterer Grund für den Erfolg des Spiels ist das Vorhandensein zahlreicher Modifikationen. Bereits kurz nach der Veröffentlichung erschienen zahlreiche Single- und Multiplayer-Modifikationen, in denen sich die eingesetzten Grafiken und das Spielprinzip teilweise stark vom Ursprungsspiel unterschieden. Im Rahmen eines offiziellen Patches wurde dem Spiel die Modifikation Team Fortress Classic hinzugefügt, die auf der Quake-Modifikation Team Fortress basierte. Die überaus populäre Modifikation Counter-Strike wurde nach Übernahme durch Valve Software ebenfalls zu einer offiziellen Modifikation und teilweise auch als einzelnes Spiel vertrieben. Die Modifikation Gunman Chronicles wurde bereits vor ihrem Erscheinen von Valve Software übernommen und erschien ebenfalls als eigenständiges Spiel, hatte aber nur mäßigen Erfolg.

Es existieren zwei offizielle Add-Ons, die die Geschichte von Half-Life fortschreiben. Sowohl Opposing Force als auch Blue Shift zeichnen sich dabei dadurch aus, dass sie parallel zur Handlung des Originals ablaufen und der Spieler teilweise Szenen aus dem ursprünglichen Spiel aus der Ferne betrachten kann. Während der Spieler in Opposing Force die Rolle eines Soldaten übernimmt, der nach dem fehlgeschlagenen Experiment mit seiner Einheit in das Untergrundlabor Black Mesa beordert wird, steht in Blue Shift einer der in blau gekleideten Sicherheitsleute des Labors im Mittelpunkt.

2004 erschien mit Half-Life 2 der viel erwartete Nachfolger von Half-Life, der Kritiker und Spieler gleichermaßen überzeugen konnte. Zwar wurde die Handlung in in völlig anderes Setting verlegt, die Inszenierung selbiger und die liebevolle Gestaltung der Spielwelt stand dem Vorgänger aber in nichts nach. Technisch bot Half-Life 2 nicht nur zeitgemäße Grafiken, sondern vor allen Dingen auch eine akzeptable Performance auf weniger leistungsstarken Rechnern und einen weder durch Bugs oder Fehler gestörten Spielgenuss.

Schauplatz von Half-Life 2 ist die fiktive Stadt City 17, eine von mehreren Städten in denen die Menschen nach der Unterwerfung durch die Combines von diesen gehalten werden. Zusammen mit alten Bekannten und neuen Verbündeten ist es die Aufgabe des Spielers in Gestalt von Gordon Freeman die Unterdrückung der Menschheit zu beenden. Die Handlung ist etwas tiefgründiger als im ersten Teil. Genau wie im Vorgänger wird ein Großteil der Handlungsstränge mittels Scripted Sequences erzählt.

Zeitgleich mit der Veröffentlichung von Half-Life 2 veröffentlichte Valve auch seinen Online-Dienst Steam, dessen Nutzung zur Verwendung von Half-Life 2 obligatorisch ist. Spiele, die on- oder offline erworben wurden lassen sich mit einem Steam-Account verknüpfen. Sie lassen sich in diesem Fall nicht mehr einzeln verkaufen, stehen dem Account-Nutzer aber in jedem Steam-Client unabhängig von etwaigen optischen Medien zur Verfügung.

Half-Life 2 basiert auf einer eigens für das Spiel entwickelten Grafik-Engine, der sogenannten Source Engine. Bereits zum Release-Termin veröffentlichte Valve eine ganze Reihe von Portierungen bekannter Half-Life Modifikationen für die Source Engine. Neben Day of Defeat Source und Counter Strike Source wurde auch das ursprüngliche Half-Life in einer auf der Source Engine basierenden Version veröffentlicht (Half-Life Source). Die Möglichkeiten der Engine werden insbesondere im Bonus-Level Lost Coast verdeutlicht, dass ursprünglich im Originalspiel auftauchen sollte, allerdings erst später veröffentlicht wurde.

Weitere auf der Source Engine basierende Valve Spiele sind der Nachfolger der beliebten Half-Life Modifikation Team Fortress Classic (Team Fortress 2) sowie die als Episoden veröffentlichten Add-Ons zu Half-Life 2. Von den ursprünglich geplanten drei Episoden sind bisher nur die ersten beiden erschienen. Sie zeichnen sich nur geringfügig durch Änderungen am Spielprinzip aus, sondern führen vor allen Dingen die Handlung fort. Auch die beiden Puzzle-Spiele Portal und Portal 2 basieren auf der Source Engine und machen intensiven Gebrauch von den in der Engine integrierten Physik-Effekten. Aufgrund des Erfolgs erschien 2011 mit Portal 2 ein Nachfolger.

Im Rahmen der Veröffentlichung von SteamOS, einer Linux Distribution, die einen integrierten Steam-Client enthält wurden 2013 nach und nach alle Teile der Half-Life Reihe für Linux freigeschaltet.

Links:
  • Black Mesa Source - Kostenlose Neuauflauge des Original Half-Life, das auf der Source Engine basiert und von Fans entwickelt wurde

Screenshots:

Black Mesa Forschungszentrum (Half-Life)Das geheime Experiment findet in einem Hochsicherheitsbereich statt, der durch Sicherheitspersonal bewacht wird (Half-Life).

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