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03. 07. 2010

Testbericht: All Points Bulletin

Die Welt der Onlinespiele ist durchsetzt mit Orks und Elfen. Da kommt ein Onlinetitel im Stil eines Grand Theft Auto doch theoretisch gerade zum rechten Zeitpunkt. Vor einigen Monaten versuchte bereits CrimeCraft genau diesen Schritt, ging jedoch gnadenlos auf Grund von spielerischen Problemen unter. Ob All Points Bulletin es wohl besser macht?

All Points BulletinAngesiedelt ist der Titel in der Stadt San Paro. Dort bekämpfen sich Verbrecher und Polizisten bis aufs Blut. Doch bevor man selbst am Kampf teilnehmen kann, gilt es erst einmal einen eigenen Charakter zu erstellen. Hierzu bietet da Spiel zahlreiche Möglichkeiten im Editor an, mit dem man wirklich jedes noch so kleine Detail frei einstellen kann. Hier setzt nur die eigene Kreativität die Grenzen. Ein Mr. T ist genauso denkbar, wie ein Superman-Verschnitt. An den Fähigkeiten ändert das natürlich nichts, doch sorgt es dafür, dass die Onlinestadt wild und kunterbunt bevölkert ist.

Hat man sich für eine Seite entschieden, geht es auch sogleich los mit der Action. Auf Seiten der bösen Buben muss man etwa Sabotagen durchführen, Banken ausrauben oder aber Feuer legen und für Unruhe sorgen. Klar, dass die „Guten“ das verhindern wollen. Mittendrin im Geschehen ist die bereits erwähnte Stadt, welche durch NPC-Passanten bevölkert ist. Diese sind dann auch die Leidtragenden der Auseinandersetzungen, denn sowohl Schurken als auch Vertreter des Gesetzes fahren die armen Leute gnadenlos über den Haufen. Da werden Autos geklaut, Passanten überrollt und erschossen. Kurz: Die Stadt versinkt im Chaos.

All Points BulletinSo unterschiedlich sich die Missionstypen auf den ersten Blick auch anhören, so ähnlich sind sie sich am Ende aber leider auch. Im Endeffekt dienen alle Missionen nur dazu, die Spieler zusammenzuführen. Das endet dann natürlich in wilden Schießereien und heftigen Verfolgungsjagden. Klar, dass das eine bestimmte Zeit lang für Spaß sorgt, doch auf lange Sicht gesehen mangelt es bei All Points Bulletin einfach ein wenig an Abwechslung. Ärgerlich, denn hier wäre definitiv mehr drin gewesen.

Dafür kommt aber zumindest in den ersten Tagen keine Abwechslung auf, denn das Spiel versorgt den Spieler rund um die Uhr mit Aufträgen. Wer einen ablehnt, der bekommt schon bald den nächsten präsentiert. Das Spiel generiert sie nämlich per Zufall. Das sorgt auf der einen Seite natürlich dafür, dass es immer viel zu tun gibt, auf der anderen Seite kann das System jedoch auch einige Probleme verursachen. So kann es sein, dass es einen Gegner auszuschalten gilt, der direkt vor einem steht. Oder aber es führt dazu, dass man zu spät zum Einsatzort kommt, weil eben dieser Ort viel zu weit von der eigenen Position entfernt ist. Hier müssen die Entwickler noch einmal Hand anlegen und die Werte des Zufallsgenerators überarbeiten.

Auch das Matchmaking an sich ist noch nicht perfekt. Bis zu 100 Leute passen in eine Onlinestadt. Durch erfolgreiche Aufträge steigt man selbst im Rang auf und bekommt immer wieder neue Waffen. Das Problem hierbei ist jedoch, dass es gerne auch mal vorkommt, dass man selbst einem Gegner gegenübersteht, welcher mit einem mächtigen Sturmgewehr ausgestattet ist, man selbst jedoch nur eine mickrige Pistole dabei hat. Chancen hat man dann natürlich nicht. Klappt aber einmal alles reibungslos, so garantiert All Points Bulletin Action ohne Ende. Wer einmal mit einigen Mitstreitern im Auto eine gegnerische Fraktion zu Klump geschossen hat, der wird diese Momente so schnell nicht vergessen.

All Points BulletinTechnisch bietet der Titel aus dem Hause Realtime Worlds einiges für die Augen, sofern die nötige Hardware vorhanden ist. Bei 32-Bit Systemen hapert es nämlich ordentlich beim Textur-Streaming. Ansonsten sind vielleicht noch die Animationen teilweise etwas unpassend. Dennoch: Die Effekte können sich sehen lassen und die Stadt ist zu großen Teilen mit viel Liebe gestaltet worden, auch wenn es hier und da einige arg triste Grau-Braun-Abschnitte gibt. Der Soundtrack entschädigt für genau diese Abschnitte und auch die Effekte haben ordentlich Wucht. Etwas ärgerlich ist die Steuerung, welche vom Gameplay beeinflusst wird. Eigentlich ist All Points Bulletin sehr zugänglich, doch unsäglich schlechte Hitboxen sorgen dafür, dass man sich erst einmal umgewöhnen muss und eben nicht mehr auf den Kopf des Gegners, sondern lieber auf den Rest zielt. Denn Kopfschüsse werden oft falsch oder gar nicht erkannt.

Fazit:
Besser als CrimeCaft ist das neue Online-Grand Theft Auto auf jeden Fall. Es macht viele Dinge richtig, doch hat es eben auch zahlreiche Macken, welche den Spielspaß gerade auf Dauer ein wenig trüben. Gerade die vielen Zufallsroutinen sorgen dafür, dass des Öfteren Frust aufkommt und der Spaß in den Hintergrund tritt. Auch die mangelnde Abwechslung ist so eine Sache für sich. Trotzdem kann sich All Points Bulletin sehen lassen. Es ist zwar nicht der erhoffte große Wurf geworden, doch hat es Potential sich noch zu entwickeln. Sofern dem Spiel genug Zeit dafür gegeben wird. Und genau hier könnte der Hund vergraben liegen: Das Bezahlsystem ist undurchsichtig. Mal kostet etwas Geld, mal nicht. Dann wieder wird per Tages und Wochenzeit Geld verlangt und mal wieder nicht. Da mag es nett sein, dass man sich Spielzeit auch mit Ingame-Währung erkaufen kann, die man für selbst erstellte Objekte erlangen kann. Das Problem als Solches beseitigt das nicht. Es bleibt zu hoffen, dass das Geschäftsmodell noch einmal überarbeitet wird, denn so ist es denkbar, dass viele Spieler verschreckt werden und es San Paro bald an Spielern mangelt. Michael Hoss

Wertung: 7 / 10

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