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18. 06. 2010

Testbericht: Alpha Protocol

Mit Mass Effect 2 lieferte Bioware zu Beginn des Jahres einen absoluten must-have Titel für alle Rollenspieler ab. Nun versucht Obsidian Entertainment mit einem anderen Setting und einem ähnlichen Spielprinzip auf denselben Zug aufzuspringen und schickt deshalb den Geheimagenten Michael Thorton ins Rennen, um den Action-Rollenspielthron mit Alpha Protocol zu erobern.

Alpha ProtocolAm Anfang des Spiels wird euer Hauptcharakter Michael Thorton auf eine geheime Mission geschickt: Ein Passagierflugzeug wurde von einer Rakete abgeschossen. Um herauszufinden, wer dahinter steckt, wird der Agent von einer geheimen Organisation der amerikanischen Regierung angeheuert. Eigentlich ein Routineeinsatz für den jungen Geheimagenten, aber es kommt natürlich alles anders: Michael wird hintergangen und reist von dort an um die Welt, um die vermeintlichen Drahtzieher zu stellen. Auf seinen Reisen durch Rom, Moskau oder Taipeh deckt der junge Agent immer größere Verschwörungen auf. Alpha Protcol ist ein Spiel, das seinen Fokus klar auf eine gut erzählte Geschichte legt, auf die ihr als Spieler aktiv Einfluss nehmen könnt. In Gesprächen wählt ihr aus verschiedenen Antwortmöglichkeiten, die bestimmen, wie euer Gegenüber euch gesinnt ist. Die Konsequenzen können schwerwiegend sein, denn fast jede Antwort, die ihr in diesem sehr dialoglastigen Spiel gebt, hat Auswirkungen auf den Fortgang der Story. Mit gewissen Charakteren sollte man sich gut stellen, um Vorteile im Spiel zu erhalten, wie zum Beispiel Preisnachlässe im Waffenladen.

Alpha ProtocolIn jeder Stadt, in der sich Thorton befindet, hat er auch einen Unterschlupf. Hier können Waffen gekauft oder verbessert werden, ihr könnt eure virtuellen Emails abrufen und kriegt vor jeder Mission ein Briefing von einem eurer Auftraggeber. Wenn ihr voll ausgerüstet seid, sucht ihr eine Mission aus. Diese laufen meist nach demselben Prinzip ab: Ihr infiltriert feindliches Gebiet und versucht, möglichst unbeschadet durch die Levels zu gelangen. Hier gibt euch das Spiel die freie Wahl, wie ihr vorgehen möchtet: Entweder schleicht ihr euch wie Sam Fisher oder Solid Snake durch die Levels und bringt die Gegner lautlos zur Strecke oder ihr nehmt eine große Waffe und schießt auf alles, was sich bewegt. Hier kommen die Skill-Punkte ins Spiel: Typisch für ein Rollenspiel könnt ihr nämlich die gesammelten Erfahrungspunkte in insgesamt neun Fähigkeiten investieren.

Alpha ProtocolMan sollte sich gut überlegen, welche Skills man ausbaut, um Thorton dem eigenen Spielstil anzupassen. Will man Alpha Protocol wie einen Shooter spielen, sollte man die Skills „Maschinenpistolen“ und „Sturmgewehre“ ausbauen. Schleicht man lieber, sollte in die Fähigkeit „Tarnung“ investiert werden. Man muss übrigens zu Beginn des Spiels eine Spezialisierung auswählen, durch die verschiedene Fähigkeiten weiter ausgebaut werden können. Entscheidet man sich beispielsweise für die Rolle des Spions, lassen sich auf die Fähigkeiten „Tarnung“, „Pistolen“ und „Nahkampf“ insgesamt fünfzehn Punkte verteilen. Man sollte aber in jedem Fall vorsichtig sein, auf welche Skills man sich konzentriert, denn es ist nicht möglich, im Verlauf des Spiels jede der Fähigkeiten bis zum Maximum auszubauen und so einen Super-Agenten zu erschaffen.

Alpha ProtocolDas Gameplay des Action-Rollenspiels wirkt etwas unausgegoren: Die Deckungsmechanik ist störrisch und beim besten Willen nicht mit der aus Spielen wie beispielsweise Gears of War vergleichbar. Außerdem ist das Leveldesign teilweise sehr unübersichtlich und könnte vielen Spielern den Spaß am Erforschen der Levels nehmen. Die künstliche Intelligenz der Gegner ist nicht erwähnenswert: Sie laufen aus der Deckung und bleiben einfach stehen oder zeigen bei Beschuss keine Reaktion. Wäre Alpha Protocol ein reiner Action-Titel, würde er in fast jeder Hinsicht versagen. Allerdings macht es großen Spaß, seinen Charakter zu verbessern, denn mit jedem verteilten Skill-Punkt merkt man, wie sich die Fähigkeiten Thortons verbessern: So trifft er anfangs die Gegner nicht einmal, wenn er direkt vor ihnen steht, später können die Kontrahenten sogar auf weite Entfernung eliminiert werden.

Auf der technischen Seite ist Alpha Protocol eher ernüchternd: Die Texturen brauchen zum Teil viele Sekunden, bis sie geladen sind. Die Gesichtsanimationen der Charaktere sind steif, vor allem Thorton wirkt die meiste Zeit über etwas emotionslos. Hier zeigen Spiele wie Heavy Rain, wie Gefühle in modernen Spielen transportiert werden können. Die Vertonung ist dagegen weitestgehend gelungen und die Musik stimmungsvoll.

Fazit:

Obwohl Alpha Protocol einige Mängel hat, überzeugt es in vielen Bereichen. Das Dialogsystem ist für geduldige Spieler sicherlich eine Offenbarung: In keinem anderen Spiel müsst ihr euch so gut überlegen, wie ihr mit eurem Gegenüber umgeht. Wer es allerdings nicht gewohnt ist, stundenlang Dialogen zuzuhören, wird die Disc schnell aus dem Laufwerk nehmen. Abgesehen von den Dialogen ist Alpha Protocol nämlich eher Durchschnitt: Sowohl die Schleich- als auch die Shooter-Einlagen hat man in dutzenden anderen Spielen schon besser gesehen. Das Verteilen von Erfahrungspunkten wird euch zwar eine Weile bei der Stange halten, allerdings wird dies den meisten Spielern nicht genug sein. Insgesamt hätte Obsidian hier einen echten Hit abliefern können, wenn man sich mehr Zeit genommen hätte, um das Deckungssystem zu überarbeiten oder die künstliche Intelligenz zu verbessern. So ist Alpha Protocol zwar keine Katastrophe, aber auch bei Weitem nicht das, was man im Vorfeld von dem Titel erwartet hat. Benjamin Dross

Wertung: 6/10

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