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07. 06. 2010

Testbericht: Blur

Drei, zwei, eins – Und da fällt der Startschuss, ein fliegender Start ist hier ganz normal. Vor Waffengebrauch schreckt keiner der Fahrer zurück. Im Gegenteil: Für jede leicht verbesserte Position werden auch die heftigsten Schäden und Unfälle in Kauf genommen. Fast fühlt man sich an Filme wie „Death Race“ erinnert. In diesem Sinne: Willkommen bei Blur, dem neusten Spiel der Mannen von Bizarre Creations.

BlurDas Spiel aus dem Hause Activision ist ein ganz offener Angriff auf Genrevertreter wie Mario Kart und ModNation Racers: Auch hier geht es darum, in einem Rennen erster zu werden. Auch hier gibt es überall auf der Strecke Waffen und PowerUps, welche zum Sieg verhelfen können. Nur einen wirklich großen Unterschied gibt es derweil: Statt bunter Comicfiguren warten in Blur reale Wagen und ein allgemein ernsteres Szenario auf den willigen Spieler. Rund 70 Autos haben die Entwickler lizenziert. Und die dürfen auf rund 30 Strecken zeigen, was sie unter der Motorhaube zu biete haben. Vom tiefer gelegten Renault über diverse Geländewagen bis hin zu super teuren Sportwagen, die sich kein Mensch leisten kann, ist alles vertreten. Und natürlich in Klassen unterteilt – sonst wäre das Balancing gleich hinüber.

Aber das ist es ja nicht. Ganz im Gegenteil: Alle Wagen haben in ihren Klassen Vor- und Nachteile, sodass ausgewogene Rennen durchaus die Regel sind. Schwere Autos sind vielleicht etwas langsamer, dafür aber auch kaum aufzuhalten. Da werden die kleinen Flitzer mal eben aus dem Weg geschoben, ohne dass auch nur eine Schramme zurückbleibt. Zudem gibt es, wie man es mittlerweile gewohnt ist, unterschiedliche Streckenabschnitte. Manche sind voll mit Wasser, manche bestehen aus Asphalt – jedes Auto ist auf anderem Untergrund auf seine eigene Weise fahrbar.

BlurAber es gibt noch weitere Dinge, neben dem Szenario, welche Blur von der Konkurrenz abheben. Der wohl wichtigste Aspekt ist hierbei die künstliche Intelligenz. Während bei vergleichbaren Spielen die KI immer wieder durch den berühmten Gummiband-Effekt aufholt oder aber zurückfällt, gehen die Rennen hier fair zu. Im Klartext heißt das aber auch: Wer einmal hinten liegt, der hat es schwer, den Anschluss nicht zu verlieren, denn Blur ist auf Hochgeschwindigkeit ausgelegt. Bremsen muss man nur in einigen Kurven – ansonsten ist Dauergas angesagt. Dafür sind die Waffen aber auf ein Umkippen des Rennverlaufs ausgelegt. Lenkraketen, Schüsse, welche die Kontrolle für eine kurze Zeit lahmlegen oder aber Plasmafelder, welche die Spitze des Feldes ein wenig abbremsen sind so zahlreich, dass eine wilde Materialschlacht in einem Rennen unumgänglich wird.

Bei den Spielmodi kommt der Titel eher klassisch daher: Für Solisten gibt es eine Karriere, in der sie neue Wagen und PowerUp-Verbesserungen freischalten können. Das geschieht über ein Fan-System. Wer gut fährt, PowerUps geschickt einsetzt und möglichst als Erster durch das Ziel kommt, der gewinnt Fans. Je mehr man davon hat, desto mehr Wagen schaltet man frei und desto eher kommt man an die „Endgegner“ heran. Für die muss man dann auch noch besondere Aufgaben erfüllen. Zum Beispiel eine bestimmte Strecke in einer vorgegebenen Zeit meistern oder aber Fanherausforderungen erfüllen. Das sind Aufgaben, die man während der Rennen erhalten kann. Dann gilt es, nur um ein weiteres Beispiel zu nennen, eine bestimmte Anzahl an Gegnern mit einer bestimmten Waffe zu treffen.

BlurDas Problem: Trotz diverser unterschiedlicher Aufgaben und einiger interessanter Spielweisen ist aus der Karriere die Luft schnell raus. Zu schnell werden die Aufgaben zu schwierig. Zu schnell möchte man einfach mehr haben. Gut, dass Blur einen umfangreichen Mehrspielermodus mitbringt. Und der hat es in sich. Auch hier müssen neue Wagen erst durch Fans freigeschaltet werden. Doch hier ist es nicht weiter tragisch, wenn einmal nicht der erste Platz belegt wird: Auch der letzte Fahrer im Felde bekommt noch Fans und schreitet so im Spielverlauf voran. Abbrechen kommt da schon fast nicht mehr in Frage, denn die Rennen machen auch dann noch Laune, wenn man gerade hinterher tuckert. Denn selbst dann kann man mit den Waffen noch das vordere Feld ein wenig Ärgern und Punkte absahnen. Zumal man hierbei das Gefühl hat, die Rennen nach eigenem Ermessen beeinflussen zu können – nicht so wie beim Genrekollegen Split/Second, wo das nur an bestimmten Stellen der Strecke möglich ist.

Wer nicht online spielen mag, der darf auch im Splitscreen gegen drei Freunde antreten – wer möchte, der kann auch hier mit weiteren künstlichen Fahrern auf die Piste gehen. Erlaubt ist, was Spaß macht. Wobei hier ein großer Bildschirm oder Fernseher zu empfehlen ist, denn Blur ist ein äußerst hektischer Titel, bei dem man viel Übersicht braucht, um die Kontrolle behalten zu können.

BlurDieser Umstand ist auf die Technik des Spiels zurückzuführen: Grafisch wird Einiges geboten. Zwar ist gerade die Streckenumgebung meist etwas trist und auch viele Texturen sind nicht unbedingt fein aufgelöst, doch die Wagen sind äußerst schick gestaltet und der düstere Stil passt wunderbar zu den wilden Rennen. Wo da die Hektik ist? Ganz einfach: Die kommt durch die knall bunten Effekte der Waffen zu Stande. Überall kracht und blinkt es, stets muss alles im Blick behalten werden. Das ist zwar äußerst schön, doch auch äußerst anstrengend. Was ganz und gar nicht anstrengend ist, das ist die Klangkulisse: Gerade der hochwertige und lizenzierte Elektrosoundtrack sorgt für die passende Stimmung. Auch die Effekte können sich hören lassen. Lediglich die Motorengeräusche sind ein wenig fad ausgefallen.

Fazit
Insgesamt ist Blur ein wirklich gutes Rennspiel. Man fühlt sich an die gute alte Zeit mit N.I.C.E. erinnert und versinkt geradezu in nostalgischen Gefühlen. Hinzu kommt eine schicke Technik, ein langfristig spaßiger Mehrspielermodus und eine Vielzahl an Boliden und Strecken, welche es zu erkunden gilt. Ganz klar: Bizarre Creations haben hier einen richtig tollen Titel abgeliefert, der aber auch einige störende Macken hat. So kann es durchaus sein, dass manchem Spieler das Geschehen zu hektisch vorkommt. Oder aber es stört der etwas triste Karrieremodus. Davon ab ist das Spiel aber dennoch jedem Rennspielfan zu empfehlen. Michael Hoss

Wertung: 8/10

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