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24. 08. 2011

Testbericht: Captain America - Super Soldier

Das Kinojahr 2011 ist wieder einmal von zahlreichen Blockbuster-Produktionen geprägt. Was für den Kinogänger positiv ist, wird für den Videospieler oft zur Qual. Entsprechende Versoftungen halten nämlich nur sehr selten ihre Versprechungen. Der Prototyp des amerikanischen Patrioten Captain America will seine Mission die Spielerschaft zu begeistern allerdings nicht unversucht lassen.

Screenshot: Captain America: Super SoldierSuperhelden sind stark, meist äußerst hübsch und erfreuen sich großer Beliebtheit. Daher ist es wohl kaum verwunderlich, dass entsprechende Comicvorlagen so häufig verfilmt werden. Ob nun die X-Men, Thor oder Green Lantern – bei der Masse an Kinostreifen, die dieses Jahr erschienen sind, sollte eigentlich für jeden etwas dabei sein. Nun kommt ein weiterer Held aus dem Marvel-Universum auf die Fangemeinde zu. Gemeint ist Captain America, der mit einem Debut in die Lichtspielhäuser rast und zudem auch in der virtuellen Welt für Begeisterung sorgen will.

Die Geschichte von Captain America geht dabei lange Zeit zurück. Hinter dem Kostüm verbirgt sich der Charakter Steve Rogers, der trotz seines schwachen Körpers in den Krieg ziehen wollte. Dank einem Experiment wurde er jedoch zum Superhelden, der über mehr Kraft und Ausdauer verfügt – eben der perfekte Mensch. Als Waffe nahezu unschlagbar, macht er sich für sein Heimatland auf, um die Schlachten für sich zu entscheiden. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde die Comicserie zu Propaganda-Zwecken verwendet. Kein Wunder also, dass Cap gegen Nazis und andere Bösewichte kämpft. Im Laufe der Zeit wurde die Reihe aber immer weiter ausgedehnt, sodass sie auch heute noch über eine Anhängerschaft verfügt.

Screenshot: Captain America: Super SoldierDas Videospiel Captain America: Super Soldier führt den Spieler abermals in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Cap macht sich auf, um eine fiese Terrororganisation zu zerschlagen. Diese verfügt über weiterentwickelte Technologien und will den Krieg mit Waffengewalt gewinnen. Dabei trifft man im Laufe des Spiels auf einige Figuren, die auch aus den Comics bekannt sein dürften. Von der Hintergrundgeschichte rund um Steve Rogers und sein Alter Ego Captain America erfährt man hingegen nicht sehr viel. Das ist aber nicht sonderlich schlimm, denn die Geschichte des Videospiels präsentiert sich ohnehin kaum interessant. Die Dialoge bleiben blass und die Charaktere kommen zu keiner Zeit in Fahrt. Die Synchronisation bleibt dabei auf einem soliden Niveau. Die Stimme des Protagonisten ist adäquat, wohingegen einige Feinde mit nervigen Sprüchen für Unwohlsein sorgen.

Ohne große Umschweife geht es nach einem kleinen Intro direkt ins Geschehen. Der erste Abschnitt dient als Tutorial und bringt dem Spieler die Steuerung bzw. die dazugehörigen Funktionen etwas näher. Zeitweise wirkt die Steuerung zwar ein wenig träge, doch zumindest die Verteilung der Tasten geht schnell in Fleisch und Blut über. Wirklich nervig gestaltet sich dagegen die störrische Kamera. Sie lässt sich zwar frei zu allen Seiten schwenken, in gewissen Spielsituationen wird jedoch eine feste Perspektive vorgegeben. Diese Ansicht ist dann leider oft suboptimal und sorgt für ein unübersichtliches Geschehen. Die Optik bleibt für ein Lizenzspiel auf einem soliden Level. Die Texturen sind annehmbar und die Animationen zeigen sich meist flüssig. Gerade die Kampfmomente sind sehr schön gestaltet worden und bieten damit auch etwas für das Auge. Negativ fallen im Bereich der Technik jedoch das Kantenflimmern sowie einige Ruckler auf, die den Spielfluss ein wenig behindern.

Screenshot: Captain America: Super SoldierMit der Technik von Captain America: Super Soldier lässt es sich leben, letztlich kommt es aber wie immer auf das eigentliche Gameplay an und das zeigt sich von einer recht durchwachsenen Seite. Der Spieler läuft die meiste Zeit von A nach B, verprügelt dabei jede Menge Bösewichte und muss hier und da Türen öffnen oder Maschinen zerstören. Cap bewegt sich in größeren Arealen, deren Wege häufig mehrmals verwendet werden. Verläuft man sich einmal, genügt ein Blick auf die Karte, um die eigene Position und die des Ziels zu finden. Im Zweifelsfall lässt sich mit Hilfe des Steuerkreuzes eine spezielle Sicht aktivieren. Sie hebt besondere Objekte hervor und vereinfacht so das Absolvieren der Aufgaben, was zum Teil auch nötig ist, da das Leveldesign nicht immer optimal gestaltet wurde. Der Spieler kann sich zwar teilweise frei in den Umgebungen bewegen, leider bleiben die Strukturen meist linear.

Das Kampfsystem von Captain America: Super Soldier kommt ziemlich gelungen daher, wenngleich es auch einige Anleihen von anderen bekannten Titeln bietet. Hier kann an erster Stelle Batman: Arkham Asylum genannt werden. Der Spieler kann auf Knopfdruck greifen und schlagen. Angriffe von Feinden werden optisch angekündigt, sodass man rechtzeitig reagieren kann. Die Schlagtaste führt zahlreiche variationsreiche Angriffe aus, die ziemlich gut aussehen und für ein dynamisches Kampfgeschehen sorgen. Zudem verfügt der Spieler über mehrere Balken, die sich nach einiger Zeit aufladen. Damit kann eine besonders starke Attacke ausgeführt werden, die meistens in einer netten Zeitlupe dargestellt wird. Neben diesen Möglichkeiten lässt sich selbstverständlich auch das Schild von Cap einsetzen. Es sucht automatisch das Ziel der Gegner und kann auch wahlweise selbst ausgerichtet werden. Das ist in einigen Situationen notwendig, um zum Beispiel eine Leiter herunterzuschießen.

Screenshot: Captain America: Super SoldierAbgesehen von den Kampfeinlagen werden übrigens auch einige Sprungpassagen geboten. In solchen Abschnitten muss der Protagonist unter anderem über Balken hopsen oder sich von einer zur nächsten Stange schwingen. Das klingt auf dem Papier recht nett, an der Ausführung hapert es allerdings gewaltig. In den meisten Situationen muss nämlich nur eine einzige Taste zur rechten Zeit gedrückt werden. Von Spannung oder Anspruch ist hier keine Spur. Außerdem nervt an dieser Stelle oft die bereits erwähnte Kameraführung.

In den Umgebungen von Captain America: Super Soldier liegen viele Objekte herum, die zum Einsammeln einladen. Dadurch werden einige Extras wie beispielsweise kleinere Filme freigeschaltet. Das Finden der versteckten Akten ist hingegen mehr oder weniger von Nöten, denn nur so werden Punkte gesammelt, damit der Charakter seine Fähigkeiten aufwerten kann. Dazu stehen drei Bereiche zur Verfügung. So werden mit der Zeit mehr Feinde vom Schild getroffen und auch das Kontern kann verbessert werden. Hier hätte man sich jedoch mehr Upgrades gewünscht, denn das Maximum ist schnell erreicht.

Fazit:
Ich muss zugeben, Captain America: Super Soldier ist wirklich eine der etwas besseren Lizenz-Versoftungen. Die Kämpfe machen Spaß, die Technik ist solide und zumindest zu Beginn wird Abwechslung geboten. Das reicht allerdings nicht aus, um den Spieler bis zum Ende des Titels bei der Stange zu halten. Dazu wird das Dauergekloppe irgendwann zu eintönig, was in Verbindung mit der schwachen Story und dem linearen Spielablauf kaum noch für freudige Gemüter sorgt. Wer unbedingt in die Rolle seines Vorbilds schlüpfen will, bekommt zwar keinen Totalausfall vorgesetzt, bessere Spiele in diesem Genre lassen sich aber allemal finden. – Daniel Dyba


Wertung: 6 / 10

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