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22. 11. 2010

Testbericht: Civilization V

Nur wenige Strategie-Titel konnten Spieler auf der ganzen Welt für einen so langen Zeitraum in den Bann ziehen wie die Spiele der Sid Meier's Civilization Serie. Nach Auskopplungen unter dem Call to Power Franchise und einem ebenfalls sehr erfolgreichen vierten Teil steht nun mit Civilization V die neueste Version aus dem Hause 2K Games in den Läden.

Screenshot: Civilization VErwartungsgemäß hat sich am bekannten Civilization-Spielprinzip nichts geändert - warum sollte man hier auch ein Risiko eingehen. Erneut geht es darum die Geschicke einer Zivilisation während ihrer Entstehung oder entlang einiger Etappen ihrer Geschichte zu lenken. Dabei spielen militärische Konflikte mit anderen Zivilisationen eine ebenso große Rolle wie erfolgreiches Wirtschaften und das Zufriedenstellen der Bedürfnisse des eigenen Volkes. Im Mittelpunkt der Zivilisationen stehenwie aus den Vorgängern bekannt die Städte, die Rohstoffe abbauen, Gebäude und Einheiten produzieren und deren Wachstum gleichbedeutend mit der Expansion der jeweiligen Zivilisation ist. Ganz im Stil der Serie spielt sich das alles auch im fünften Teil (zählt man die Call to Power-Titel mit sind es wie gesagt eigentlich mehr Spiele) rundenbasiert ab. Dies ist mithin der größte Unterschied zu den noch am naheliegendsten Vergleichs-Titeln Empire Earth und Empires.

Wer mit dem Spielprinzip noch nicht vertraut ist oder einfach die Steuerung erlernen möchte, dem bietet das Spiel insgesamt fünf Tutorial-Missionen, in denen die wichtigsten Teile des Spiels von der Gründung von Städten bis hin zu erfolgreichen Bestehen der Kämpfe erklärt werden. Spielern älterer Versionen des Spiels wird dabei sofort auffallen, dass die Spielwelt nun in Hexfelder statt in Rechtecke unterteilt ist. Auf das eigentliche Gameplay hat diese Änderung zwar keinen großen Einfluss, dennoch ist es bemerkenswert, dass die eigentlich schon längst aus Computerspielen verschwundenen Sechsecke ausgerechnet im neuesten Civilization Titel eine Renaissance erfahren.

Screenshot: Civilization VNeben den Hexfeldern gibt es auch andere mehr oder weniger gravierende Änderungen im Vergleich zu den Vorgängerspielen. Neulingen dürften diese Details kaum auffallen, wer einen der Vorgänger jedoch exzessiv gespielt hat, könnte möglicherweise auf ein schon merkbar verändertes Gameplay stoßen. Städte, die bei Civilization traditionsgemäß im Mittelpunkt des wirtschaftlichen Handelns stehen, können sich seit neuestem nicht nur durch Verlust von Kulturpunkten vergrößern, sondern umliegende Landschaften können auch einfach aufgekauft werden, um der Stadt zugeordnet zu werden. Eine weitere wichtige Änderung betrifft die Kämpfe, denn da sich auf jedem Geländefeld nur noch eine Einheit befinden darf, werden diese im Prinzip entzerrter und übersichtlicher. Dass dies nur prinzipiell so ist liegt einfach daran, dass es mitunter vorkommt, dass Armeen aufgrund ihrer Größe nur sehr langsam oder umständlich fortbewegt werden können, was vielleicht realistischer, aber nicht unbedingt übersichtlicher ist. Eine weitere wesentliche Neuerung sind die Stadtstaaten. Bei diesen handelt es sich quasi um Mini-Zivilisationen, die nur aus einer Stadt bestehen und nicht als Gegenspieler gezählt werden, ansonsten aber genauso für Diplomatie, Handel oder Kriege offen stehen wie "gewöhnliche" Zivilisationen. Auch wenn die Abgrenzung der Stadtstaaten von den Zivilisationen etwas willkürlich erscheint, so macht diese Änderung in bestimmten Fällen schon Sinn, da selbst dann noch Handelspartner zur Verfügung stehen, wenn man aufgrund des Spielziels eigentlich zum Kriegführen verdammt ist.

Screenshot: Civilization VNeben diesen mehr oder weniger offensichtlichen Neuerungen fallen erfahrenen Civ-Spielern beim Spielen von Civilization V auch eine ganze Menge anderer Details auf, die dem Spiel leider nicht alle gut tun. Da wäre zum Beispiel die etwas überladene Präsentation, die den Bildschirm zuweilen mit Menüs zupflastert. Auch die Darstellung von Resourcen mittels kleiner Icons hätte lieber etwas dezenter ausfallen können, da das ganze durch die verwendeten grellen Farben mitunter etwas kindlich wirkt. Ebenfalls störend ist die Tatsache, dass bei jeder Erforschung einer neuen Technologie deren Vorteile mit einem Zitat angepriesen werden. Das an sich wäre noch gar nicht so schlimm, nur leider gehört auch jedes Mal eine -eigentlich gute- Sprachausgabe zum jeweiligen Zitat dazu, was auf Dauer dann doch etwas nervtötend ist. Gleichfalls in die Kategorie der eher kleineren Mängel gehört neben dem nicht überspringbaren Intro sicherlich die etwas vernachlässigte Darstellung der Errungenschaften und Gebäude einzelner Städte. Während man in früheren Civilization-Spielen zuweilen eine separate Ansicht präsentiert bekam, werden die Verbesserungen nur in einem der zahlreichen angesprochenen Menüs aufgeführt. Immerhin erscheinen bestimmte Gebäude und Wunder aber auf dem eigentlichen Spielbrett, wenn sie wichtig genug sind und die Stadt eine gewisse Größe erreicht hat.

Screenshot: Civilization VWie man merkt, muss man sich schon jede Menge Mühe geben, um wirklich Kritikpunkte an Civilization V auszumachen. Der größte ist sicher noch der etwas geringe Umfang. Hiermit ist nicht etwa die Fülle an Technologien, Epochen und Einheiten gemeint, die das Spiel bietet, denn in bester "Civilization"-Manier sind auch dieses Mal alle nur erdenklichen Wendepunkte der Menschheitsgeschichte enthalten. Die Rede ist vielmehr vom mangelnden Umfang an Spielmodi, denn neben dem obligatorischen freien Spiel, bei dem sich zahlreiche Parameter den eigenen Vorstellungen anpassen lassen gibt es zwar auch einen Szenarien-Modus, bei diesem wird aber von Hause aus nur ein Szenario mitgeliefert. Zwar hat Publisher 2K Games mittlerweile ein zweites Szenario kostenlos über das Internet zur Verfügung gestellt, ein weiteres Szenario (mitsamt neuem Volk) ist allerdings nur als kostenpflichtiger Download erhältlich. Ob und wieweit das Ursprungsspiel in Zukunft um neue Szenarien und Völker erweitert wird ist derzeit noch unklar und kann damit nicht in die Wertung eingehen.

Screenshot: Civilization VBei all der Kritik sollen aber auch die positiven Aspekte nicht verschwiegen werden. Das geniale Konzept, das die Reihe seit dem ersten Teil auszeichnet funktioniert auch im fünften Teil noch gut wie im ersten Teil aus dem Jahre 1991. Bei Kennern der Vorgängerspiele dürfte es daher nicht lange dauern, bis die Sucht wieder einsetzt. Auch bei den spielergenerierten Inhalten sieht es zum Glück besser aus als beim wie gesagt etwas mickrigen eigentlichen Umfang des Spiels. Löblicherweise haben die Entwickler dem Spiel auch diesmal einen Karteneditor mitsamt Entwicklungsumgebung für eigene Mods verpasst. Die aufgrund der großen Civilization-Gemeinde zu erwartenden zahlreichen Erweiterungen des Urspiels dürften den geringen Umfang daher zumindest teilweise kompensieren. Ebenfalls für Langzeitmotivation dürfte der Mehrspieler-Modus sorgen, der dank Steam-Anbindung das komfortable Spielen mit Freunden über das Internet erlaubt. Ein Lob verdient sicher auch der Ablauf der Kämpfe: Vor jedem Spielzug, der eine Kampfhandlung zur Folge hat blendet euch das Programm Informationen über den zu erwartenden Ausgang des Kampfes und die Gründe dafür ein. Man könnte sicher argumentieren, dass geübten Spielern auf diese Weise ein Teil der taktischen Herausforderung genommen wird, letzten Endes scheint es sich aber um ein sinnvolles Feature zu handeln.

Screenshot: Civilization VTechnisch macht Civilization V eine gute Figur, läuft aber dank separater Direct X 9 Version neben der 10-er Variante auch auf älteren PC-System noch einigermaßen flüssig. Das größte Problem scheint auch nicht die Grafik sondern die Berechnung der KI-Handlungen zu sein, geht doch das Spiel wenn überhaupt hauptsächlich während der Spielzüge der Gegner in die Knie. Da die künstliche Intelligenz immerhin auch einen wirklich soliden Eindruck hinterlässt, bleibt dieser Punkt zu verschmerzen. Optisch ist das Spiel sicher kein Augenschmaus, muss sich aber vor anderen reinen Strategietiteln nicht verstecken, wenngleich es gegenüber rein kampfbasierten aktuellen Strategietiteln sicher den Kürzeren zieht. Echte Civilization-Spieler dürfte das aber sicher nur am Rande interessieren und es dürfte sie vielmehr erfreuen, dass neben der dem Zeitgeist entsprechenden 3D-Darstellung auch eine sich auf das wesentliche beschränkende taktische Darstellung in 2D auswählbar ist.

Fazit

Sid Meier's Civilization V erfüllt zweifelsohne die Erwartungen, die an ein Spiel der berühmten Sid Meier Serie gestellt werden, wenn auch die Präsentation bisweilen etwas zu unübersichtlich wirkt. Trotzdem macht das im Großen und Ganzen kaum veränderte Civilization-Konzept auch auf Hexfeldern und im aktuellen Look noch genauso viel Spaß wie früher. Die Anzahl der in der Verkaufsversion enthaltenen Szenarios lässt zwar zu wünschen übrig, immerhin verfügt das Spiel aber durch die Bereitstellung von Entwicklungswerkzeugen für Mods und einem Karten-Editor über gute Erweiterungsmöglichkeiten. Die Frage, ob ein paar innovative Elemente dem Spiel gut getan hätten, kann wohl nur jeder für sich selbst beantworten. Letzten Endes bleibt Civilization V aber ein mehr als überzeugender Genre-Vertreter, bei dem Fans schon allein aus Mangel an Alternativen zuschlagen müssen. Mario Siewert

Wertung: 8/10

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