Videospielkultur.de - Das Magazin für Videospielkultur

Das Magazin für Videospielkultur

Videospielkultur.de » Testberichte

12. 12. 2010

Testbericht: Create

Wenn Spiele abseits der Gewalt wandern, haben sie es meist ein wenig schwerer, denn die Spieler wollen in der Regel ein wenig Action geboten bekommen. Leichter haben sie es erst dann, wenn sie die Kreativität ansprechen. Das haben Titel wie Incredible Machine und LittleBigPlanet bewiesen. Jetzt versucht mit Create auch Electronic Arts im Genre der verrückten Ideen Fuß zu fassen.

Screenshot: CreateDas Spielprinzip ist dabei schnell erklärt: Dem Spieler wird eine veränderbare Welt an die Hand gegeben, die er gänzlich den eigenen Wünschen anpassen kann. Dann drückt man ihm noch diverse Items an die Hand, die er in Größe und Farbe gestalten kann und schon hat man fast ein fertiges Spiel im Sinne von Create. Gut. Ganz so einfach ist das Prinzip nun doch wieder nicht. Es gibt natürlich mehrere Welten, bewegliche Objekte und zahlreiche Rätsel und Aufgaben, sowie einen Haufen an Kreativität.

Aufbauen tut das Spiel dabei auf den Rätseln selbst. Wer sie mit den zur Verfügung stehenden Objekten löst, der bekommt Punkte gutgeschrieben. Wer dann auch noch die Welt anmalt, mit Objekten versieht und ein wenig Feinschliff betreibt, der bekommt ebenfalls Punkte. Nach und nach werden so neue Aufgaben und auch Welten freigeschaltet, die es dann zu erkunden gilt. Natürlich werden die Rätsel mit der Zeit immer herausfordernder, doch erst gegen Ende des Spiels nimmt der Schwierigkeitsgrad deutlich zu, weshalb sich Create in erster Linie an Spieler mit geringer Erfahrung richtet. Das ist nicht tragisch, sollte aber erwähnt werden, da gerade Profis sich viel zu schnell unterfordert fühlen könnten.

Screenshot: CreateInsgesamt lässt es der Titel aus dem Hause Electronic Arts auf Dauer viel zu stark an Abwechslung mangeln. Zwar kommen immer wieder neue Objekte hinzu und die Rätsel sind teilweise auch unterschiedlich, doch insgesamt hat man schon nach wenigen Stunden nahezu alle wichtigen Elemente gesehen und bis zum Exitus konsumiert. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Spiele wie LittleBigPlanet hier noch Hüpfpassagen neben der eigentlichen Gestaltung bieten, lässt Create ein wenig flach auf der Brust wirken.

Doch noch eine weitere Sache macht die Konkurrenz deutlich besser: Die Steuerung. Klar werden hier zwar auch Bewegungssteuerungen unterstützt. Sprich: Wer eine Wii hat, der darf fuchteln. Für Move-Besitzer gilt das Gleiche. Das ändert aber leider wenig an der Tatsache, dass die Menüstruktur von Create an eine kleine Katastrophe erinnert. Da wollen teilweise mehrere Tasten gedrückt gehalten werden, dann noch Sticks bewegt werden, nur damit der Spieler eine ganz bestimmte Aktion ausführen darf. Hierbei ist noch nicht einmal die Präzision eingerechnet, welche ebenfalls nicht ganz optimal ausgefallen ist. Ärgerlich.

Zumal auch der Rest der Technik nur bedingt überzeugen kann. Selbst auf der Playstation 3 sieht Create nicht unbedingt wie ein wunderschönes Spiel aus. Klar, hässlich ist es nicht. Die Animationen sind putzig, die Welt wirkt freundlich. Doch die schwachen Texturen und Effekte sind eindeutig der Wii-Version geschuldet, sodass die berechtigte Frage aufkommt, welche Version hier eigentlich portiert worden ist. Da wäre jedenfalls mehr drin gewesen.

Screenshot: CreateImmerhin bei der Musik macht es das Spiel besser. Die ist familiengerecht ausgefallen, wiederholt sich aber auf Dauer doch ein wenig. Bei den Effekten siegte, so wie bei der Optik auch, der Niedlichkeitsfaktor. Alles macht ein wenig blink und bling, sodass dem Spieler eine Interaktion auch auf gar keinen Fall entgehen kann. Das mag die ersten Stunden noch angenehm sein, doch im späteren Spielverlauf gehen diese Effekte gerne auch mal auf die Nerven.

Ärgerlich ist im Übrigen auch der Umstand, dass es keinen richtigen Mehrspielermodus gibt. Es lassen sich lediglich Schnappschüsse machen, Level tauschen oder neue Aufgaben für andere Spieler erstellen. Richtige Interaktion mit Kollegen, Freunden oder Unbekannten im Internet gibt es nicht. Schade, denn genau das fehlt dem Spiel auch: Ein Faktor, der für Langzeitmotivation sorgt. So sind die neuen Aufgaben zwar recht nett, können aber Create auch nicht davor bewahren, dass es nur eine kurze Halbwertszeit hat.

Fazit:
Als erster Versuch von Electronic Arts in das Genre der Kreativspiele einzusteigen darf man Create sicherlich mit einiger Achtung begegnen. Es beinhaltet viele gute Ideen und macht so manches richtig, kann aber auf lange Sicht gesehen nicht mit der starken Konkurrenz mithalten. Wer jedoch die Wartezeit bis LittleBigPlanet 2 überbrücken möchte, der könnte mit Create für einige Stunden glücklich werden. Zumindest wenn der Käufer nicht allzu viel Wert auf echte Herausforderungen legt und lieber seine eigene Welt gestalten möchte. - Michael Hoss

Wertung: 6 / 10

Kommentare

Kommentar verfassen:

Dein Name:   

Sicherheitscode:  


Bisherige Kommentare: