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08. 04. 2011

Testbericht: Crysis 2

Schon mit Far Cry und mit dem ersten Crysis gelang es den Jungs von Crytek die internationale Konkurrenz das Fürchten zu lehren. Technisch waren beide Titel vom Feinsten, spielerisch top – nur bei der Geschichten-Erzählung konnte sie nicht so richtig fesseln. Der Vorwurf der Technikdemo lag im Raum. Ob es Crysis 2 besser macht?

Screenshot: Crysis 2Angesiedelt ist die Geschichte dieses Mal in New York. Es ist eine ganze Weile vergangen, seit den Ereignissen im ersten Teil. Doch die Ceph, also die Aliens, haben sich nicht unterkriegen lassen und mal eben eine neue Invasion gestartet. Diesmal geht es um den letzten Kampf der Menschheit. Wenn New York fällt, fällt früher oder später auch der Rest.

Der Spieler schlüpft hierbei in die Haut eines Soldaten mit dem Codenamen Alcatraz. Doch schon am Anfang wird das U-Boot schwer getroffen und er steht kurz vor dem Exitus im Hafenbecken. Sterben tut er aber nicht, denn die Rettung naht in Form von Prophet, einem Charakter, bekannt aus Crysis. Der zieht dem Spieler den Nanosuit an und gibt sich die Kugel. Warum? Das spielt später noch eine Rolle. Es scheint aber, dass Prophet die Seiten gewechselt hat. Denn das Militär ist auf einmal nicht nur hinter den Aliens, sondern auch hinter dem Spieler her. Und der kämpft gegen alle.

Screenshot: Crysis 2Gleich vorweg: Die Geschichte Von Crysis 2 ist deutlich komplexer und durchdachter, als bei jedem Crytek-Spiel zuvor. Gut. Das ist nun auch nicht wirklich schwer, sollte aber dennoch erwähnt werden. Ohne zu viel verraten zu wollen: Es gibt zahlreiche Wendungen und Überraschungen, welche dafür sorgen, dass die Spannung erhalten bleibt. Kein Wunder, will doch ein jeder den tollen Nanosuit für sich und seine Zwecke beanspruchen.

Auf der handwerklichen Seite haben die Entwickler zum Glück nicht allzu viel geändert. Schon die Vorläufer boten ein hervorragendes Waffen-Handling und ein tolles Spielgefühl. Hier wurden lediglich die Stärken weiter ausgebaut. So lassen sich nun die verschiedenen Fähigkeiten des Nanosuit auch gleichzeitig einsetzen, verbrauchen dann allerdings auch mehr Energie. Trotzdem eine sinnige Neuerung. Zudem lässt sich der Anzug nun durch Aliensporen verbessern. Diverse Updates lassen so die mächtige Waffe noch mächtiger erscheinen und verleiten zum munteren Ausprobieren.

Screenshot: Crysis 2Wo aber viel verändert wurde, das ist bei der Gestaltung der Welt. Die tropischen Palmen sind der Kulisse von New York gewichen, welche auf den Bildschirmen und Fernsehern dieser Welt noch nie so bombastisch ausgesehen hat. Aber das Ganze hat auch seinen Preis. Oder besser gesagt: Der Umstand, dass Crysis 2 auch auf den Konsolen verfügbar ist, hat seinen Preis. Denn die offene Welt ist Geschichte. Crytek hat einen umfangreichen Schlauch gebaut. Aber – und das sei erwähnt – das ist nicht weiter tragisch. Vorab waren wir skeptisch, doch nun sind wir überzeugt. Denn trotz der eingeengten Situation bietet das Spiel nach wie vor so viele alternative Vorgehensweisen und Wege, wie kaum ein anderer Shooter. Es ist quasi ein offener Schlauch, wenn man so will.

Gibt es sonst irgendwelche Einschränkungen? Ja. Die gibt es. Zumindest für beinharte Verfechter von PC-Spielen. Denn noch gibt es kein SDK. Und noch ist DirectX 11 nicht ins Spiel integriert. Sprich: Allzu viel besser sieht der Titel auf dem PC dann auch noch nicht aus. Trotzdem ist der hier den Konsolen klar überlegen. Aber allgemein sieht Crysis 2, wie bereits erwähnt, fantastisch aus. Gerade die starke Beleuchtung und die scharfen Texturen wissen zu überzeugen. Crytek hat einmal mehr bewiesen, dass sie technisch in jeder Hinsicht der Konkurrenz weiterhin weit überlegen sind.

Auch bei der Klangkulisse wurden keine Kosten und Mühen gescheut. Die musikalische Untermalung passt wunderbar zum Geschehen und schafft so eine noch dichtere Atmosphäre. Die deutschen Synchronstimmen wirken ebenfalls passend, auch wenn wir nach wie vor die englischen Fassung präferieren. Die kann man zum Glück vor dem Start des Spiels immer wieder frei auswählen. Nur bei den Waffen hätte ein wenig mehr Bass sicherlich nicht geschadet. Aber das ist in Anbetracht des Rests zu verschmerzen.

Screenshot: Crysis 2Beim Mehrspielermodus lautete wohl die Devise „Weniger ist manchmal mehr“. Sprich: Der Ansatz von Crysis Wars ist erst einmal vergessen. Jetzt spielt sich der Titel mit den verschiedenen Modi (Da wollen Punkte verteidigt, Daten geklaut und Gegner ordentlich erledigt werden, nur um einige Beispiele zu nennen) eher wie ein Call of Duty denn wie ein Battlefield. Nur eben mit dem Features des Nanosuits. Spaß macht das Ganz auf Dauer schon, doch auf Grund der geringen Waffenanzahl und der vergleichsweise wenigen Karten und aktuell starker Cheat-Probleme ist der Onlinepart nicht ganz so langatmig.

Was am Ende bleibt ist ein atmosphärisch starker Solopart, der mit Abwechslung nicht geizt und endlich auch mal eine packende Geschichte erzählt. Spannung, Action und Spaß. Das wird geboten. Und zwar nicht zu knapp. Beim Mehrspielermodus wäre aber mehr drin gewesen. Jedenfalls ist Crysis 2 nicht nur für Technikfetischisten einen Blick wert.

Fazit:
Wow. Ich war ja wirklich nicht gerade beeindruckt, als bekannt wurde, dass die offene Welt Geschichte sein sollte. Ich war auch nicht angetan, als ich merkte, dass einige Zugeständnisse an die Konsolengeneration gemacht werden mussten. Und nun das. Ich habe mich verliebt. In den Solopart von Crysis 2. Der bietet nicht nur genügend Umfang, sondern auch viel Action und eine grafische Finesse, die man so noch nicht gesehen hat. Es wurde natürlich viel getrickst bei der Optik, doch das merkt man im Spielgeschehen selbst nicht. So bleibt mir nur zu sagen: Wer einen Wucht alleine erleben möchte, der hat quasi die Pflicht zu kaufen. Wer dagegen mehr online unterwegs sein möchte, sollte noch warten, bis die Cheaterprobleme in den Griff bekommen worden sind. - Michael Hoss

Wertung: 9 / 10

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