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05. 03. 2010

Testbericht: Dante's Inferno

„Durch mich geht man hinein zur Stadt der Trauer, Durch mich geht man hinein zum ewigen Schmerze, Durch mich geht man zu dem verlornen Volke.“ Diese einladenden Worte aus Dantes „Göttlicher Komödie“ spiegeln am besten wieder, welche Unangenehmlichkeiten euch hinter den Toren der Hölle erwarten. Doch wie gemütlich ist es im Fegefeuer dieses God of War-Klons wirklich?

Die Bosskämpfe sind imposant inszeniertOb sich Dante Alighieri hätte träumen lassen, dass er eines Tages der Held in einem Videospiel werden würde, das dazu auch noch auf einem seiner eigenen Werke basiert? Die Dead Space-Macher von Visceral Games nahmen sich für Dante’s Inferno den ersten Teil seiner „Göttlichen Komödie“ zur Brust und ließen ihrer Fantasie freien Lauf. Herausgekommen ist ein Sense-schwingender Dante, der sich auf der Suche nach seiner Geliebten Beatrice durch die neun Kreise der Hölle kämpft – und dabei stets seinem offensichtlichen Vorbild Kratos aus God of War nacheifert.

In Dante’s Inferno ist der namensgebende Held ein Kreuzritter, der nach der blutigen Schlacht um Jerusalem nach Italien zurückkehrt, um die schrecklichen Erlebnisse im „gelobten Land“ hinter sich zu lassen und eine friedvolle Zeit mit seiner Geliebten Beatrice zu verbringen. Als er zu seinem Haus zurückkehrt muss er jedoch feststellen, dass höllische Kreaturen Beatrice ermordet und geschändet haben. Zu allem Überfluss hat Luzifer auch noch die Seele der Schönheit in die Unterwelt entführt. Dante macht sich auf, seine Angebetete aus den neun Kreisen der Hölle zu befreien.

Die Darstellung der Hölle ist sehr kreativ und gelungenHier beginnt eine Achterbahnfahrt durch die blühende Fantasie der Entwickler, die den Umschreibungen der Hölle aus Dantes Meisterwerk auf ihre Weise Leben eingehaucht haben. Die Hölle wirkt, als sei sie in Themenparks unterteilt, und jede Todsünde bekommt ihren eigenen Bereich: Im Abschnitt „Völlerei“ etwa tropft Fett von den Wänden, „Wollust“ hetzt feminine, grotesk deformierte Monster auf Dante, die ihn mit Fangarmen aus der Genitalgegend angreifen. Die Endgegnerin schickt gar ungetaufte Babys mit Klingenarmen aus ihren Brustwarzen auf den Helden. Es scheint, als haben die Entwickler jeder kranken Fantasie freien Lauf gelassen und so ein morbides Meisterwerk geschaffen. Mit Staunen läuft man durch die unterschiedlichen Bereiche der Hölle und freut sich mit Grinsen und Kopfschütteln über jeden neuen Gegner.

Leider kann das Gameplay mit dem fantasievollen Rest nicht mithalten: Zwar hat man sich teilweise dreist beim hervorragenden God of War bedient, allerdings wirkt Dante’s Inferno im Gegensatz zum Ausflug ins antike Griechenland eher repetitiv und frustrierend. Dante metzelt sich mit seiner knochigen Sense – die er zuvor dem Tod höchstpersönlich im Zweikampf entrissen hat – durch nie endende Gegnerhorden. Diese sind zwar zu Beginn aufgrund ihres ausgefallenen Designs recht unterhaltsam, allerdings ziehen sich einige Gegnertypen durch das gesamte Spiel und werden irgendwann einfach lästig. Immer neue, magische Barrieren, die sich erst öffnen, wenn alle Gegner besiegt sind, dazu aus dem Boden spawnende Gegnerhorden, die kein Ende zu nehmen scheinen: Dante‘s Inferno baut keine Motivation durch intelligentes Gamedesign aus Herausforderung und Belohnung auf, sondern frustriert durch stumpfe Gegnermassen und spärlich verteilte Lebensenergie. Trial and Error-Passagen sowie teils schlicht unfaire Fallen und Kämpfe dämpfen den Spielspaß zusätzlich.

Manche Gegner könnt ihr auch für eure Zwecke benutzenDazu wirken die Kämpfe gegen die höllischen Horden wie Platzhalter zwischen den Bosskämpfen: Diese sind recht imposant inszeniert und runden die einzelnen Abschnitte der Hölle thematisch gelungen ab. Hier haben sich die Entwickler deutlich mehr Mühe beim Design gegeben und platzieren die Bosse so als zentrales Spielelement, sozusagen als beeindruckende Hürden auf dem Weg zu Luzifer. Wie in den normalen Kämpfen findet man auch hier eine Mischung aus Button Smashing und Quicktime-Events. Leider fehlt es auch hier etwas an Abwechslung: Hat man einmal die Taktik für den Endgegner herausgefunden, ist der Kampf nur noch ein recht langes Geduldsspiel. Generell variieren die Quicktime-Events nicht wie bei God of War, die Tastenkombinationen sind stattdessen stets gleich und können so nach kurzer Spieldauer blind heruntergebetet werden.

Im Zentrum von Dante’s Inferno steht die immer wiederkehrende Entscheidung zwischen Bestrafung und Erlösung: Dante kann den christlichen Weg einschlagen und positive Energie sammeln, indem er Gegner erlöst und in den Himmel entlässt, oder er lässt seinen Rachegelüsten freien Lauf und sammelt so dunkle Energie. Je nachdem, welchen Weg ihr einschlagt, bekommt ihr nach und nach Zugriff auf neue Fertigkeiten und Kombos. Während die dunklen Kräfte vor allem Schaden verursachen, stärken euch die heiligen Attribute oder schwächen die Gegner. Jedem Gegner könnt ihr so die gewünschte Form von Energie entreißen, allerdings werden durch diese wenige Sekunden langen Finishing Moves die teils sehr langen Kämpfe noch zusätzlich gebremst, weshalb es euch frei steht, Energie zu ernten oder einfach ungebremst durch die Gegnerhorden zu pflügen.

Dante ist leider ein ziemlich charakterloser HauptdarstellerZusätzlich warten versteckte Reliquien darauf, von euch gefunden zu werden: Diese verstärken zusätzlich die Fähigkeiten Dantes, sei es durch erhöhten Waffenschaden, gesteigerte Resistenz gegen Feuer oder ähnliches. Nett: habt ihr den Titel durchgespielt, dürft ihr mit all euren erspielten Fähigkeiten und Reliquien von vorne beginnen. Das ist wesentlich spannender, als sich mit den freispielbaren Herausforderungen zu befassen: hier dürft ihr in abgesteckten Arenen eine Gegnerhorde nach der andern zurück in die Hölle schicken, bis ihr selbst das Zeitliche segnet und vielleicht einen neuen Highscore aufstellt.

Das düstere Bild der Hölle, welches bei Visceral Games entstanden ist, zaubert eine hervorragende Atmosphäre auf den Bildschirm. Man merkt, dass die talentierten Art Designer nach Dead Space nichts von ihrer Kreativität verloren haben. In Sachen Präsentation braucht sich Dante’s Inferno nicht vor seinem Vorbild zu verstecken: Grafik, Design und dramatische Kamerafahrten gepaart mit imposant inszenierten Bosskämpfen versprühen den gleichen Bombast, der bereits den God of War groß gemacht hat. Der orchestrale, wuchtige Soundtrack unterstreicht das Gesamtbild.

Fazit:

Man sieht Dante’s Inferno sein Potenzial zweifelsohne an. Das Setting ist spannend und kreativ umgesetzt, die Präsentation ist hervorragend und verleiht dem Spiel eine gelungene, düstere Atmosphäre. Leider wurde beim Gamedesign weniger Aufwand betrieben, spielerisch wirkt Dante’s Inferno bis auf wenige Höhepunkte ideenlos und frustrierend. Auch die vorhersehbare Story ohne große Überraschungen und Dante als austauschbarer, charakterloser Hau-Drauf-Held lassen Dante’s Inferno schnell im Mittelmaß versinken. Dennoch ist der Trip in die Hölle schon aufgrund des kreativen Szenarios zumindest sehenswert und dürfte allen Fans von Action-Adventures das Warten auf God of War 3 etwas verkürzen. Simon Weiß

Wertung: 7/10

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