Videospielkultur.de - Das Magazin für Videospielkultur

Das Magazin für Videospielkultur

Videospielkultur.de » Testberichte

28. 02. 2008

Testbericht: Dark Messiah of Might & Magic: Elements

Dark Messiah of Might & Magic ist vor zwei Jahren für den PC erschienen und war schon damals nicht ganz das, was sich die Fangemeinde der Might & Magic-Reihe von dem Action-Rollenspiel erwartet hatte. Nun hat Entwickler Ubisoft eine Portierung für die Xbox 360 fertig gestellt. Ob dabei ein besseres Spiel herausgekommen ist, lest ihr hier.

Screenshot: Dark Messiah of Might & Magic: ElementsIn Dark Messiah Elements übernehmt ihr die Rolle des jungen Sareth. Er ist ein Waise, den ein Zauberer namens Phenring unter seine Fittiche genommen hat. Am Anfang leitet euch dieser durch ein Tutorial, in dem die Steuerung erklärt wird und ihr alle für das Spiel wichtigen Bewegungen wie Kämpfen, Schwimmen oder Klettern lernt. Ihr lernt auch etwas über die interaktive Umgebung des Spiels: So können herumstehende Fässer und andere Gegenstände gegriffen und geworfen werden. Dieses Feature erinnert etwas an die Physikspielereien aus Half-Life 2. Am Ende des Tutorials erhält man einen Kristall. Sareth wird von seinem Lehrmeister entsandt, um einem anderen Zauberer den Kristall zu überbringen, der allem Anschein nach große Pläne damit hat. Man muss aber nicht alleine losziehen: Phenring gibt euch eine Begleitung mit auf den Weg. Eine Dame namens Xana, eine Schutzkreatur, die sich im Kopf von Sareth einnistet. Sie spricht mit ihm und gibt Tipps zum weiterkommen.

Dies macht sie aber leider etwas zu oft, was bereits nach wenigen Spielstunden anfangen könnte, euch auf die Nerven zu gehen. An sich ist Dark Messiah Elements ein Actionspiel, Rollenspiel-Elemente wurden aber auch eingestreut. So hat man zu Beginn des Spiels die Wahl zwischen vier verschiedenen Charakterklassen: Schwertkämpfer, Bogenschütze, Magier und Assassine. Ansonsten gibt es kaum Rollenspielelemente: Aufgelevelt wird durch das Erfüllen von Missionszielen. Wenn ihr einen neuen Level erreicht habt, müsst ihr keine Attributspunkte verteilen. So könnt ihr euch nicht auf ein bestimmtes Attribut spezialisieren, denn das Spiel übernimmt die Verteilung der Punkte je nach gewählter Charakterklasse.

Screenshot: Dark Messiah of Might & Magic: ElementsSchwertkämpfer sind für den direkten Feindkontakt ausgelegt. Man kann sorglos durch die Level gehen und die Gegner auf sich zukommen lassen. Wenn man das Spiel als Bogenschütze bestreitet, muss man zwar ständig Pfeile einsammeln, hat aber auch den Vorteil, nicht direkt auf die Gegner zulaufen zu müssen. Außerdem habt ihr zwei schwache Dolche im Gepäck, falls euch die Gegner doch zu nahe kommen sollten. Magier besitzen nur Zepter, mit denen sie nicht sonderlich stark zuschlagen können. Außerdem sollte man als Magier immer genügend Manatränke im Gepäck haben. Diese gibt es aber sehr häufig im Spiel, so dass man fast nie ohne seine Zaubersprüche auskommen muss. Zu guter Letzt gibt es die Klasse des Assassinen. Wie schon in vielen Stealth-Spielen zuvor schleicht ihr euch hinterrücks an eure Gegner heran und meuchelt sie mit Messern. Für alle Spieler, die schon einmal ein Stealth-Spiel wie Thief oder Splinter Cell gespielt haben, ist die Klasse des Assassinen wohl am Besten geeignet.

Für jeden Kämpfer gibt es eigene Waffen, die nur von seiner Klasse verwendet werden dürfen. Das Problem hierbei ist nur, dass die Entwickler die Gegenstände für andere Klassen nicht aus dem Spiel genommen haben. Wenn ihr zum Beispiel als Schwertkämpfer spielt, findet ihr trotzdem Bögen und Zepter. Diese dürft ihr euch dann in der „Sammlung“ ansehen. Wenn sich jeder Gegenstand im Spiel in der Sammlung befindet, erhaltet ihr ein paar Gamerpoints. Ansonsten erfüllt das Einsammeln keinen Zweck und kann schnell nerven, wenn man umständlich geheime Räume erforscht, in denen sich keine Gegenstände für die eigene Charakterklasse befinden.

Die Steuerung läuft in allen vier Klassen relativ gleich ab. Sie funktioniert wie beispielsweise in Condemned: Der rechte Trigger ist zum Schlagen, der linke zum Blocken. Wenn man den rechten Trigger länger gedrückt hält, kann man seinen Schlag aufladen und stärker zuschlagen. Wenn beide Schultertasten gedrückt werden, kann man die Gegner treten. Dies eignet sich besonders gut, um sie in Fallen zu stoßen: So stoßt ihr eure Gegner beispielsweise in Stacheln an der Wand, um sie aufzuspießen oder in Feuer, um sie zu verbrennen. Die Umgebung könnt ihr beinahe zu jedem Zeitpunkt zu eurem Vorteil nutzen. So stehen immer viele Holzkisten und Fässer herum, die ihr euren Gegnern entgegen werfen dürft. Oft kommen auch brüchige Holzgerüste vor, die von euch zum Einsturz gebracht werden können. Zufälligerweise steht immer ein Soldat darunter, den ihr so töten könnt.

Screenshot: Dark Messiah of Might & Magic: ElementsHier kommen wir auch zu einem der Mankos von Dark Messiah Elements: Die Gegner verhalten sich alles andere als intelligent. Wenn ein Soldat angreift, kommt er mit voller Geschwindigkeit auf euch zugerannt. Kurz vorher macht er halt, um langsam vor euch herzuschleichen und euch zu belauern. Wenn ihr Fernwaffen wie den Bogen besitzt, kommt euch dieser Abstand sehr gelegen und der Gegner ist kein Problem mehr: Es gibt keine Anpassung des Feindverhaltens an die Klasse des Spielers. Außerdem versuchen die Gegner zu den unpassendsten Zeitpunkten, die Flucht zu ergreifen. Wenn sie schwer verletzt sind, drehen sie sich quälend langsam um und ihr könnt sie mit einem kurzen Schlag auf den Hinterkopf besiegen. So ist das Spiel auch auf Schwierigkeitsgrad „Schwer“ kein Problem. Alleine die Kämpfe gegen die größeren Zwischengegner sind motivierend, da sich diese nicht zurückziehen und im Gegensatz zu den anderen Gegnern relativ intelligent agieren.

Auf technischer Seite kann auch die Grafik als Schwachpunkt des Spiels angesehen werden. Die Umgebungstexturen sind verwaschen, die Umgebung flimmert und die ganze Grafik wirkt selbst auf einem High-Definition-Fernseher eher körnig. Allein die Charaktermodelle können sich sehen lassen. Zu allem Überfluss fängt das Spiel auch noch an zu ruckeln, wenn es beispielsweise zu große Bauwerke darstellen muss. Der Sound ist hingegen gut geraten: Sehr atmosphärische Melodien verwöhnen eure Ohren. Die Sprachausgabe könnte allerdings besser sein.

Dark Messiah Elements ist ein rein lineares Spiel. Man läuft von einem Punkt zum anderen, kämpft gegen die zahlreich erscheinenden Gegner und löst hin und wieder ein Rätsel. Letztere sind leider wenig originell: Meistens geht es darum, einen Schlüssel zu finden und damit eine Tür zu öffnen. Die Kämpfe motivieren leider auch nicht auf Dauer: In jeder Charakterklasse hat man bestimmte Angriffs-Schemata, die man ständig wiederholt. Dark Messiah Elements enthält auch einen Online Modus. Allerdings gibt es kaum Spieler, gegen die ihr antreten könnt und die 08/15 Multiplayer-Modi für bis zu 10 Spieler motivieren auch nicht sehr lange.

Fazit

Dark Messiah Elements ist eine schlampige Umsetzung des PC-Originals. Konnte dieses vor zwei Jahren noch mit guter Grafik aufwarten, ist diese für heutige Verhältnisse völlig veraltet: Dass das Spiel ruckelt, ist mir vollkommen unverständlich. Positiv anzumerken ist das Klassensystem, welches zum mehrmaligen Spielen einlädt. Leider ist der Singleplayer-Modus nicht motivierend genug, um den Spieler zu einem zweiten Durchspielen zu bewegen. Nach 15 Stunden habt ihr jede Ecke im Spiel gesehen, außer einigen geheimen Räumen gibt es nicht viel zu entdecken. So ist dieses Spiel für niemanden wirklich geeignet: Fans westlicher Rollenspiele greifen zu Oblivion, Freunde knallharter Action haben ein ganzes Repertoire an guten Ego-Shootern zur Auswahl. Schade, denn das Spiel zeigt einige wirklich gute Ansätze. Benjamin Dross

Kommentare

Kommentar verfassen:

Dein Name:   

Sicherheitscode:  


Bisherige Kommentare: