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31. 01. 2011

Testbericht: Disney Micky Epic

Wenn Warren Specter ein neues Spiel auf den Markt bringt, horcht die Spiele-Gemeinde auf, ist er doch der Kopf hinter zeitlosen Klassikern wie Deus Ex. Da mutet es etwas seltsam an, dass dieser Visionär der PC- und Videospielbranche gemeinsame Sache mit Disney macht und ein Spiel herausbringt, dass die wohl berühmteste Maus der Welt als Hauptcharakter hat. Kann Micky Epic überzeugen oder wartet eine Enttäuschung auf den geneigten Spieler?

Screenshot: Micky EpicAls Micky eines morgens aufwacht, merkt er, dass der Spiegel in seinem Schlafzimmer Zugang zu einem mysteriösen Labor gewährt. Neugierig wie er ist, fängt er sofort an, nachzuforschen und entdeckt dabei einen Zauberer, der gerade dabei ist, Farbe in eine Miniatur-Stadt zu bringen. Als dieser sich nach getaner Arbeit zur Ruhe bettet, schnappt sich Micky den magischen Pinsel, wirft dabei aber aus Versehen den Topf mit dem Farbverdünner um, was ein Loch in die kleine Welt reißt. Er flieht, bevor der Zauberer ihn erwischt. Zuhause angekommen, vergisst er den Vorfall und lebt weiterhin unbeschwert, bis eines Tages ein Schattenmonster nach ihm greift, um ihn in seine selbst erschaffene, dunkle Welt zu ziehen. Als Mickey aufwacht, befindet er sich gefesselt auf einer Art Opfer-Altar und ein riesiger Roboter droht, seine Eingeweide mit einem Bohrer zu bearbeiten. Als es Micky letztendlich doch schafft, sich aus der Gefangenschaft zu befreien, beginnt das Spiel und ihr werdet direkt ins Geschehen geworfen.

Screenshot: Micky EpicDas zentrale Spielelement von Micky Epic ist Farbe: Mit seinem magischen Pinsel kann Micky Farbe in die ansonsten so trostlose Welt bringen. Doch der Pinsel kann nicht nur erschaffen sondern auch zerstören. So habt ihr die Wahl, ob ihr Farbe oder Verdünner verspritzt. Der Verdünner löst bestimmte Elemente innerhalb der Levels auf. So versperren euch zum Beispiel einige Gesteinsbrocken den weg. Mit ein bisschen Verdünner lösen sich diese auf und der Weg ist frei. Mit Farbe erschafft ihr an vom Spiel vorgegebenen Stellen beispielsweise Brücken. Auch bei der Feindbeseitigung habt ihr die Wahl. Besprüht ihr die Widersacher mit Farbe, lieben sie Mickey, verbünden sich mit ihm und helfen sogar beim Kampf gegen weitere Gegner. Mit Verdünner lösen sie sich in Luft auf. Je nachdem, für welche Art der Gegnerentsorgung ihr euch entscheidet, zieht ihr blaue oder grüne Schutzgeister an. Diese können sehr hilfreich sein, denn ein blauer Schutzgeist macht einen Gegner sofort zum Verbündeten, während ein grüner dafür sorgt, dass sie sich sofort in Luft auflösen. Habt ihr mindestens drei Geister gesammelt, könnt ihr auch mit einer kurzen Bewegung alle Gegner in Sichtweite besiegen.

Screenshot: Micky EpicDie Steuerung funktioniert wie in den meisten 3D-Jump&Runs für die Wii: Mit der Wiimote wird gezielt, das Nunchuck dient zur Steuerung des Protagonisten. Leider funktioniert die Steuerung nicht immer, wie sie sollte und die Kamera muss oft nachjustiert werden, was über das Steuerkreuz der Wiimote eher umständlich ist. Auch das zielen mit dem Pinsel wird durch einige unerwartete Perspektivwechsel oft unnötig erschwert und ihr werdet voraussichtlich einiges an Farbe verschwenden. Hin und wieder werden wie in Super Mario Galaxy klassische 2D-Sequenzen eingebaut, die eine Hommage an die alten Disney-Trickfilme darstellen. Sie bieten eine willkommene Abwechslung zu den dreidimensionalen Abschnitten und sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Der allgemeine grafische Stil ist – untypisch für Disney – düster gehalten, was aber natürlich absichtlich geschehen ist, weil es die Aufgabe des Spielers ist, neue Farbe in eine ansonsten trostlose Welt zu bringen.

Screenshot: Micky EpicDie Levels, durch die ihr euch bewegt, sind abgeschlossene Bereiche, in denen es bestimmte Aufgaben zu erledigen gibt. So müssen die euch wohlgesonnenen Goblins aus ihren Käfigen befreit werden. Sie sind handwerklich sehr begabt und werden euch das eine oder andere mal aus der Patsche helfen, verlangen dafür allerdings auch manchmal einen kleinen Obolus. Sonst müssen viele kleine Rätsel gelöst werden, die sich meist auf den richtigen Einsatz von Farbe und Verdünner beschränken. Falls ihr von Mickys neuestem Abenteuer nicht genug bekommen könnt, wird auch für den Forscherdrang einiges geboten. So sind viele Schatzkisten und zerstörbare Objekte in den Levels verteilt, die von euch entdeckt werden wollen. Durch die oben erwähnte schlechte Kamera und das teilweise unübersichtliche Leveldesign kann das aber schnell zur Geduldsprobe werden. Während dem Test ist es uns mehr als einmal passiert, dass wir unbeabsichtigt in Gegner gerannt oder in Gruben gefallen sind.

Technisch überzeugt Micky Epic mit scharfen Texturen, schönen Lichteffekten und tollen Animationen, die sowohl bei Micky als auch bei allen anderen Charakteren des Spiels sehr glaubwürdig sind. Die Zwischensequenzen werden in einzelnen Bildern gezeigt, in denen sich euer Protagonist mit seinem Begleiter unterhält. Leider wurde keine Sprachausgabe implementiert, ihr müsst also lesen, während ihr im Hintergrund unverständliches Gebrabbel hört. Hier hätte man eine bessere Lösung finden müssen, denn durch diesen Umstand verlieren die ansonsten schön anzusehenden Sequenzen etwas an Charme.

Fazit

Allen Befürchtungen zum Trotz ist Micky Epic bei weitem kein schlechtes Spiel. Es fügt sich in die Reihe der zuletzt erschienenen und wirklich guten Jump&Runs für die Wii ein, man denke hier zum Beispiel an Sonic Colours. Für einen echten Hit vom Schlage eines Super Mario Galaxy 2 hat es zwar nicht gereicht, hier hätte man etwas mehr Zeit in Leveldesign, Steuerung und Kamera stecken müssen. Wer sich also ein neues Jump&Run für die Wii zulegen will, hat derzeit die Qual der Wahl, sollte aber Epic Mickey auf jeden Fall eine Chance geben. Benjamin Dross

Wertung: 8/10

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