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02. 04. 2011

Testbericht: Dragon Age 2

Bioware ist mittlerweile eine wahre Kultschmiede. Jeder Titel ist ein potentieller Hit. Dragon Age: Origins und die dazugehörige Erweiterung setzten im Rollenspiel-Bereich schon fast neue Maßstäbe, erinnerten an Klassiker wie Baldur's Gate. Stellt sich die Frage, ob der zweite Teil die Stärken wohl weiter ausgebaut hat.

Screenshot: Dragon Age 2Das Spiel ist, das wird relativ schnell klar, schon längst gelaufen. Denn der Spieler schlüpft in die Haut des Champion. Allerdings nur in einer Geschichte, die einer seiner ehemaligen Mitstreiter gegenüber der Sucherin Cassandra. So haben es die Entwickler geschafft, mit einem Erzähltrick in die Geschichte zu führen. Es gilt also, den Aufstieg des Champion mitzuerleben. Seine dramatische Geschichte, wohlgemerkt. Sonst wäre es ja kein waschechtes Rollenspiel.

Doch ist Dragon Age 2 eigentlich noch ein reines Rollenspiel? Bereits zu Beginn kommen erste Zweifel auf. Warum? Ganz einfach: Das Spiel lässt sich nur noch als Mensch bestreiten. Andere Rassen stehen bei der Charaktererstellung nicht zur Auswahl. Wenigstens lässt sich noch das eigene Aussehen anpassen. Bei den Klassen sieht es mit dem Krieger, dem Magier und dem Schurken auch nicht allzu umfangreich aus. Wer seine alten Spielstände aus Origins importiert, der darf im Übrigen einige Entscheidungen aus der Hand geben, was die Geschichte angeht.

Die spielt im Übrigen lange Zeit lediglich in Kirkwall, der einzigen größeren Stadt in Dragon Age 2. Hier gilt es, sich langsam aber sicher vom Nullpunkt immer weiter nach oben zu arbeiten. Das mag sinnig sein, da der Champion ja schließlich der Stadt angehört. Doch muss man deswegen Stunde um Stunde um Stunde in der Stadt zubringen? Spielerisch generiert der Titel auf diese Weise gerade in der ersten Spielhälfte ordentlich Langeweile, da sich die Kulissen viel zu selten verändern.

Screenshot: Dragon Age 2Doch nicht nur die mangelnde Abwechslung ist enttäuschend. Auch die schlauchigen Pfade innerhalb der Missionen laden nur wenig zum Erkunden ein, wenn man erst einmal entdeckt hat, dass es am Ende eben doch nur Schläuche sind. Die versuchen zwar eine gewisse Freiheit vorzugaukeln, scheitern an dieser Aufgabe allerdings recht kläglich. Und am Ende geht es eben wieder zurück nach Kirkwall. Dort darf man dann bei Händlern gefundene Gegenstände verscherbeln und sich mit neuer Ausrüstung eindecken.

Doch nicht nur das. Im Spielverlauf schließen sich dem Champion immer wieder neue Charaktere an, welche als Begleitung auf den Spieler warten. Wann immer man in der Stadt zu Gast ist, darf die Gruppe an bestimmten Punkten flexibel getauscht werden. So kann sich ein jeder Spieler für die Kämpfe seine eigene Lieblingstruppe zusammenstellen. Durch verschiedene Waffen und Magie-Gattungen und Spezialisierungen in Sachen Fähigkeiten wird viel taktische Tiefe geboten, die theoretisch im Kampf zum Einsatz kommen kann.

Theoretisch? Ja. Eigentlich nur theoretisch. Praktisch haben sich die Kämpfe im Vergleich zum Vorgänger nämlich stark verändert. Und das sei nicht unbedingt positiv gemeint. Wo Origins noch eine gewisse Taktik bot, fühlt sich Dragon Age 2 wie ein reines Action Rollenspiel mit Tot-Klick-Fakor an. Taktik? Die wird nur beim höchsten Schwierigkeitsgrad benötigt. Da muss man das Spiel dann hin und wieder pausieren. Wer darunter liegt, der darf munter draufkloppen – viel passieren kann jedenfalls nicht. Ärgerlich: Gegner spawnen willkürlich in rauen Mengen, was den Eindruck des Hau-Drauf-Spiels noch weiter verstärkt.

Screenshot: Dragon Age 2Bei den Quests sieht es dagegen schon besser aus. Diese sind häufig stark verzweigt und durchdacht, sodass in dieser Hinsicht nie das Gefühl aufkommt, die Entwickler hätten versucht, die Spielzeit künstlich mit Aufgaben der Marke „Bringe Gegenstand A nach B und sag Person C Bescheid“ zu strecken. Daumen hoch dafür! Auch die Charakterentwicklung ist voll und ganz in den Händen der Spieler, sodass auch hier viel Tiefgang geboten wird.

Bei der Grafik haben die Entwickler gänzlich übertrieben. Nicht mit der Schönheit, denn wahrlich hübsch ist auch Dragon Age 2 nicht. Schon der Vorgänger musste sich den Vorwurf der zweckmäßigen Optik gefallen lassen. Da macht auch der neue Titel keine Anstände, das Manko auszubügeln. Übertrieben, damit meinen wir in diesem Fall das Blut. Schon Origins war nicht ganz unblutig, doch dieses Mal fließt so viel roter Lebenssaft, dass die Charaktere in den meisten Cutscenes blutverschmiert umherstehen und bedeutungsschwangere Dialoge von sich geben. Das wirkt nicht nur unpassend, sondern erinnert auch noch an billige Splatterfilme. Immerhin: Auch wenn viele Texturen verwaschen und Objekte kantig wirken, können doch die Animationen überzeugen. Um noch einige positive Worte über die Optik zu verlieren.

Bei der Vertonung sind die Dialoge zu großen Teilen solide gesprochen. Da passt dieses Mal auch die Gesichtsmimik dazu. Wer die Wahl hat, der sollte am Ende des Tages aber zur englischen Sprachausgabe greifen, da hier die Charaktere besser getroffen worden sind. Bei den Effekten und der Musik gibt es nichts zu klagen.

Fazit:
Autsch. Eigentlich hatte ich ja ein Bombastrollenspiel erwartet. Einen würdigen Nachfolger. Einen Nachfolger, der bei den Stärken ansetzt und Schwächen ausmerzt. Stattdessen haben die Jungs von Bioware und Electronic Arts ein Rollenspiel-Light auf die Beine gestellt, welches nur noch wenig mit dem Vorgänger gemein hat. Das dürfte viele Spieler enttäuschen. So wie uns eben auch. Wir hoffen für einen dritten Teil, dass man bitte wieder zurück zum ursprünglichen Spielerlebnis kommt. Denn das neue Dragon Age ist nur noch ein Schatten seiner Selbst. - Michael Hoss

Wertung: 6 / 10

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