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29. 11. 2011

Testbericht: El Shaddai: Acension of the Metatron

In Zeiten, in denen der Mainstream immer mehr die Überhand gewinnt und sich immer weniger Entwicklerstudios etwas Neues trauen, kommt dem geneigten Videospieler jede Abwechslung gelegen. El Shaddai: Acension of the Metatron ist ein Spiel, dass wieder frischen Wind in die Branche bringen will, indem es versucht, anders zu sein als alles, was man bisher in unseren Gefilden kennt. Ist der europäische Spieler bereit, sich auf Experimente einzulassen und ist El Shaddai sein Geld überhaupt wert?

Screenshot: El Shaddai: Ascension of the MetatronEl Shaddai basiert auf einer hebräischen Schrift, in der der Schriftgelehrte und Krieger Enoch vorkommt. Diesen spielt ihr in Ignitions Action-Adventure. Er hat den Auftrag, sieben Engel aufzuhalten, die auf die Erde gefallen sind und von einem Turm aus das Leben der Menschen beeinflussen. Im Himmel wird deshalb beschlossen, die Erde zu fluten, falls es Enoch nicht schafft, den Turm zu erklimmen und die Engel zu läutern. Er ist dabei nicht alleine: Ein Erzengel namens Luzifel unterstützt ihn bei seinem Vorhaben. Er steht in jedem Level und telefoniert per Handy mit Gott. Bei ihm könnt ihr euer Spiel speichern. Die Geschichte ist insgesamt sehr wirr und sicherlich nicht jedermanns Sache. Wer die Storylines von gewissen Anime-Serien mag und mit dem biblischen Thema etwas anfangen kann, wird aber sicherlich glücklich damit.

Screenshot: El Shaddai: Ascension of the MetatronNachdem ihr das erste mal den Controller in die Hand nehmt, erschlägt euch El Shaddai mit seinem grafischen Stil: Die Umgebungen sind künstlerisch hoch anspruchsvoll und sehen nicht selten aus wie ein Gemälde. Ihr werdet euch oft dabei erwischen, wie ihr stehen bleibt, um die Pracht der Grafik zu bewundern. Genau das ist es, was El Shaddai zu einem so besonderen Spiel macht. Technisch ist der Titel nämlich gerade mal Durchschnitt, was besonders am Kantenflimmern und matschigen Texturen zu bemerken ist. Die Art Designer haben es jedoch geschafft, dies durch den unglaublich künstlerischen Aufwand zu übertünchen. Hier wird klar, dass ein Spiel nicht zwingend High-End Grafik braucht, um optisch zu begeistern. Dieses Kunststück ist zuletzt Nintendo gelungen, die mit Kirby und das magische Garn die Spieler trotz der schwachen Hardware der Wii begeisterte.

Screenshot: El Shaddai: Ascension of the MetatronWenn man den sehr außergewöhnlichen Grafikstil außer acht lässt und sich nur auf das Gameplay konzentriert, bröckelt die schöne Fassade von El Shaddai etwas. Man merkt dem Spiel zu oft an, dass es stark von God of War und ähnlichen Action-Adventures inspiriert ist. So wechseln sich über die gesamte Länge des Spiels Kampfeinlagen mit Hüpfpassagen ab. Bei Ersteren wird euch lediglich ein Knopf zum Schlagen zur Verfügung gestellt. Klassisches Button-Mashing führt allerdings nicht zum Erfolg: Ihr müsst die Schläge genau timen, um nicht das Zeitliche zu segnen. Es ist auch wichtig, die richtige Waffe zu benutzen. Deren gibt es nur drei, die ihr nicht findet, sondern euren Gegnern nach Kombos abnehmt. Eine Waffe eignet sich besonders für schnelle Kombos, eine für behäbige, aber mächtige Attacken. Das dritte Kriegsgerät feuert Projektile, die zwar schwach sind, sich aber exzellent eignen, um eure Wiedersacher auf Distanz zu halten. So fordernd und interessant das Kampfsystem anfangs erscheinen mag, ist es doch zu wenig abwechslungsreich, um euch über Stunden an den Bildschirm zu fesseln. Vor allem die Bosskämpfe sind, obwohl schön inszeniert, sehr eintönig und erfordern häufig weniger taktisches Vorgehen als vielmehr stures ausweichen und schlagen.

Screenshot: El Shaddai: Ascension of the MetatronDie zweite Komponente des Gameplays sind die Jump & Run-Passagen. Hier wechselt das Spiel zwischen zwei- und dreidimensionaler Sicht. Die 3D Passagen sind meistens schwierig zu meistern. Dies hat mehrere Gründe: Die Sprungsteuerung ist unnachgiebig und oft ungenau und die Kamerawinkel meist schlecht gewählt. Zudem lässt euch die grafische Darstellung oft nur erahnen, wo die nächste Plattform ist. Bei den ganzen Pastellfarben nehmt ihr diese nämlich oft gar nicht oder nur sehr vage wahr. Immerhin werdet ihr ohne Wartezeit vor der Schlucht abgesetzt, solange ihr nicht zu oft abstürzt, ansonsten zeigt euch das Spiel den „Game Over“-Bildschirm. Die zweidimensionalen Sprungpassagen funktionieren ungleich besser. Hier seht ihr die Plattformen besser und Abstürze passieren weit weniger oft.

Die Hintergrundmusik fügt sich jederzeit gut in das Spielgeschehen ein und auch die Synchronisation der Charaktere ist sehr gut gelungen. Zwar gibt es wenige Sprechrollen und Enoch ist außerdem stumm, aber die wenigen Sprecher machen ihre Sache sehr gut.

Fazit

Schade! El Shaddai bietet einen erfrischend neuen Ansatz und ist optisch sicherlich einmalig. Allerdings hat man fast die komplette Spielzeit über das Gefühl, dass die Entwickler noch etwas mehr Zeit gebraucht hätten, um an den Feinheiten des Spiels, besonders den hakeligen Sprungsequenzen, zu arbeiten. Was bleibt, ist ein künstlerisch hoch anspruchsvolles Spiel mit einer ausgefallenen Story, dass sein volles Potential an zu vielen Stellen verschenkt. So ist El Shaddai ein gutes Beispiel für „Style over Substance“. Benjamin Droß

Wertung: 6/10

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