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16. 11. 2006

Testbericht: Flat Out 2

Mit Flat Out 2 veröffentlichte Empire Interactive diesen Sommer die Fortsetzung des Rennspiels Flat Out, das sich dank unkonventionellem Spielprinzip und rockigem Soundtrack nicht nur unter Genreliebhaber einen Namen als Geheimtipp gemacht hat. Der zweite Teil soll den Vorgänger in allen Belangen übertreffen und schafft das größtenteils auch.

Wie schon im ersten Teil und in so ziemlich jedem anderen Rennspiel auch, gibt es in Flat Out 2 mehrere Spielmodi, die sich grob in Rennen, Stunts und Derbys unterteilen lassen.

In den Rennen geht es natürlich darum, die Ziellinie als Erster zu überqueren, Langeweile kommt aber trotzdem nicht auf, denn für Crashs und Flugeinlagen erhalten sie kostbares Nitro, mit dem sie ihr Auto einer extremen Beschleunigung aussetzen können. Karambolagen werden aber nicht nur belohnt, sondern durch den aggressiven Soundtrack auch noch gefördert: Bereits der erste Teil der Serie glänzte durch eine rockige musikalische Untermalung, für den zweiten Teil konnten die Entwickler allerdings einige namhaftere Bands gewinnen: Fallout Boy, Nickelback, Wolfsmother, Zebrahead und Co. lassen es während des Spielens so richtig krachen und sorgen (das nötige Interesse an Rockmusik vorausgesetzt) für zusätzliche Motivation, das Spiel nach einem langen Arbeitstag zu starten, statt sich vor den Fernseher zu hauen.

Screenshot: Flat Out 2Die Rennen lassen sich grob in vier Bereiche unterteilen: Derby-, Rennen- und Straßenklasse unterscheiden sich nur durch die jeweils zur Verfügung stehenden Autos und die Strecken. Bei letzteren gibt es allerdings Überschneidungen, denn es kann durchaus vorkommen, dass eine Strecke sowohl in der Derby- als auch in der Rennen-Klasse gefahren wird. Auch sonst ist der Übergang zwischen den einzelnen Klassen sehr merkwürdig: Insgesamt unterscheiden sich die Boliden der einzelnen Klassen zwar schon recht stark, allerdings gibt es auch innerhalb der einzelnen Klassen teils große Unterschiede zwischen den Autos, die manchmal sogar größer ausfallen, als der Sprung in die nächste Klasse. Nichtsdesotroz unterscheidet sich das Ende des Spiels in dem man in aufgemotzten Straßenwagen über stillgelegte Rennstrecken fährt, immer noch stark vom Anfang, in dem man Schrottkisten durch Wald und Felder lenkt.

Screenshot: Flat Out 2Der Spielablauf im Karrieremodus von Flat Out 2 entspricht immer dem gleichen Schema, was aber nicht weiter stört, denn die Rennen sind dafür umso interessanter: Am Anfang kauft man sich ein Auto von seinem Startkapital und fährt Rennen. Landet man auf dem Siegertreppchen gibt es nicht nur Kohle, sondern es werden auch weitere Rennen freigeschaltet. Hat man alle Rennen einer Klasse mindestens als Dritter abgeschlossen, wird die nächste Klasse freigeschaltet. Mit jedem freigeschalteten Rennen wird außerdem ein Event freigeschaltet, bei dem es sich um ein Kurzrennen mit besonderem Streckenverlauf wie Ovalen oder sich schneidende Bahnen, ein Derby oder einen Stunt handeln kann. Die Events sollten Spielern des ersten Teils bereits wohlbekannt sein, wurden aber diesmal um Features und witzige Details erweitert: Die Derbys -in denen das Ziel des Spielers darin besteht, alle anderen Fahrzeuge so oft zu rammen, bis diese explodieren- finden nun nicht mehr nur in kreisförmigen Arenen statt, sondern auch auf Baustellen, dem Parkplatz eines Einkaufszentrums oder an einer Tankstelle. Die Stunts, bei denen der Fahrer (bzw. der Dummy in der deutschen Version) des Wagens per Schleudersitz aus dem Wagen katapultiert wird, um Aufgaben wie Dart oder Baseball bestmöglich abzuschließen, bieten neue witzige Sportarten wie Steinhüpfen übers Wasser, ansehnliche optische Effekte und einen witzigen Stadionsound.

Während die Events bei der Freischaltung von neuen Rennklassen keine Rolle spielen, müssen sie spätestens nach Abschluss des großen Finales -bei dem es sich um jeweils einen zusätzlichen Wettbewerb jeder Klasse handelt- als mindestens Dritter absolviert werden, um das letzte Fahrzeug beim Händler freizuschalten. Viel mehr gibt es dann aber auch nicht zu sehen, was auch einer der Hauptkritikpunkte ist: Hat man das große Finale beendet, erscheint ein wenige Sekunden kurzes Video, absolviert man anschließend noch alle (teils sehr schweren) Stunts und Kurzrennen, gibt es lediglich ein neues Auto. Hier wäre sicher mehr drin gewesen, z. B. eine neue Strecke oder neue Songs des Soundtracks.

Screenshot: Flat Out 2An der technischen Umsetzung von Flat Out 2 gibt es nicht zu meckern. Die Grafik entspricht aktuellen Maßstäben, auch wenn sie nicht mit dem gerade erschienenen Need for Speed: Carbon mithalten kann. Flat Out 2 besitzt aber auch nicht den Anspruch einer Grafikdemo oder versucht mit einem ausgeklügelten Tuning-System zu protzen. Der Grundgedanke ist ganz klar unkomplizierter Spaß und genau das kriegt der Spieler auch geboten. Die Menüführung ist übersichtlich und eindeutig und die Ladezeiten sehr gering. Die eigentlichen Rennen überzeugen vor allen Dingen durch eine Vielzahl von Objekten, die auf den Strecken platziert sind und zerstört werden können. Der Hersteller wirbt mit abertausenden dieser Objekte und übertreibt dabei nicht, denn Baustellen, Einkaufspassagen oder Fabrikhallen können quasi im Vorbeifahren wirklich komplett verwüstet werden. Der Soundtrack des Spiels ist eines der Highlights von Flat Out 2, zumindest solange man etwas für rockige Klänge übrig hat.

Der Mehrspielermodus bietet wie schon der Vorgänger mehrere Optionen. Neben Netzwerkrennen gibt es endlich die Möglichkeit Rennen online zu fahren. Des Weiteren existiert auch ein "Hot-Seat"-Modus, bei dem bis zu 4 Spieler an einem Rechner gegeneinander antreten können. Was sich toll anhört ist in Wirklichkeit eher mager, denn es lassen sich nur die Stunts nacheinander ausführen. Immerhin stehen im Netzwerk- oder Online-Modus zusätzliche Wagen wie ein Schul-Bus zur Verfügung.

Fazit

Mit Flat Out 2 erfüllt Publisher Empire Interactive nicht nur die Erwartungen der Fans, sondern gewinnt sicher auch eine ganze Menge dazu, denn im Vergleich zum Vorgänger machen die Rennen noch etwas mehr Spaß: Der Soundtrack ist besser, die Zerstörung gigantischer und die Stunts ausgeflippter. Auch wenn wahre Rennspielfans sicher mangelnden Realismus ebenso kritisieren wie den Fokus auf Unfälle und sinnlose Zerstörung, dürften gerade Gelegenheitsspieler, aber auch Action-Fans Gefallen am unkomplizierten Gameplay finden. Mario Siewert

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