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01. 08. 2011

Testbericht: From Dust

Videospiele erfreuen sich heutzutage vielfältiger Vertriebswege. So ist es schon lange nicht mehr notwendig, jedes Spiel auf einer CD in die Händlerregale zu befördern. Das kommt vor allem kleinen Titeln zugute. Besitzer der Xbox 360 erfreuen sich so stetig an neuen Arcade-Spielen. Pünktlich zum Summer of Arcade werden dabei zahlreiche Hochkaräter veröffentlicht, die zu einem vergleichsweise kleinen Preis zu haben sind. Aus dem Hause Ubisoft kommt nun From Dust, das sich schon vorab einige Lobeshymnen anhören durfte. Lohnt der Download des fertigen Endprodukts?
Screenshot: From DustMan stelle sich einen Stamm in der noch frühen Zeit der Menschheit vor. Das Dorf erfreut sich einer lebhaften Fauna und Flora, die Menschen werden immer zahlreicher und das Wissen ausgiebiger. Nun scheint aber eine riesige Flutwelle das traute Glück zu zerstören. In heutigen Zeiten würde man einfach einen entsprechenden Damm errichten, was in dieser Vergangenheit aber kaum möglich ist. Was hilft also? Beten? Die Atheisten unter den Lesern werden sich bei diesem Gedanken wohl ins Fäustchen lachen. Da hilft nur den Controller selbst in die Hand zu nehmen. Dabei schlüpft man in From Dust in die Rolle einer Gott-ähnlichen Kreation, wenngleich dieser Vergleich doch ein wenig hinkt. Dazu später aber mehr.

Was ist die Intention hinter From Dust? Soll man sich als Gott fühlen – als Herrscher über das gesamte Volk? Wohl eher nicht. Vielmehr verfolgt der Spieler eine strategische Aufgabe: Nämlich den Stamm vor Unheil zu beschützen. So kann man in etwa die Hauptaufgabe des Spiels ansehen. Eine ausgedehnte Rahmenhandlung erwartet einen dabei nicht. Es gibt zwar durchaus die ein oder andere Zwischensequenz zu bestaunen und ebenso werden viele Monologe geboten, von einer richtigen Geschichte kann man hier aber bei Weitem nicht sprechen. Das ist aber auch gar nicht schlimm, denn From Dust funktioniert auch so. Ein aufgesetzter Plot hätte hier weder für Aufwertung noch für eine Verbesserung der Atmosphäre gesorgt.

Screenshot: From DustWie erwähnt geht es in From Dust darum, sein Volk zu schützen bzw. für deren Ausbreitung zu sorgen. Dazu muss der Spieler die Totempfähle in der Umgebung aktivieren. Ein Knopfdruck genügt und schon eilen die Miniaturmenschen über den Bildschirm zum angestrebten Ziel. Nach der Aktivierung erblüht ein Dorf zum Leben und es liegt nun am Spieler selbst, ob dies auch so positiv weiter geht. Man kann nun natürlich fortwährend zusehen und abwarten was passiert, solch eine Taktik geht bei From Dust allerdings nicht auf. Befindet sich das Dorf zum Beispiel in einem trockenen Abschnitt, muss für Leben gesorgt werden. Dieses wächst und gedeiht bekanntermaßen durch Wasser. Demnach geht es zur nächsten Wasserstelle, wo mit der Gott-ähnlichen Hand ein wenig Flüssigkeit entfernt und zum Dorf gebracht wird. Auf Knopfdruck abladen und schon fängt die Vegetation in Echtzeit an zu blühen. Solche Momente sich sehr schön anzusehen, da der Spieler den direkten Einfluss auf das Geschehen erleben kann.

Das Besorgen von Wasser ist aber sicherlich noch die einfachste Disziplin in From Dust. Sobald ein Dorf entstanden ist, kann man sich direkt zum nächsten Totempfahl aufmachen. Ein Wasserfall, der zu einem reißenden Fluss wird, versperrt allerdings den Weg. Hier hilft ebenfalls die übernatürliche Hand. Ob man nun den Fluss durch das Aufschütten von Sand umleitet oder ganz simpel eine Sandbank erbaut, hängt von der jeweiligen Situation ab. Dabei kann jedoch immer nur eine bestimmte Menge an Wasser, Lava oder Sand aufgenommen werden. Wer mehr will, muss die Ladung also erst zum angestrebten Ort bringen und sich dann Nachschub holen.

Was sich anfänglich möglicherweise nach einem Sandburgenbauen oder ähnlichen Kapriolen anhört, wird im Laufe des Spiels zunehmend taktischer und damit auch anspruchsvoller. Nach der Aktivierung aller Totems steht der Durchgang zum nächsten Level offen. Es gibt einen Grund, wieso der Stamm immer wieder weiterzieht, denn jede Umgebung bietet tödliche Gefahren. Feuer, Lava oder tobende Erdbeben, die zu tektonischen Veränderungen führen, können an dieser Stelle als Beispiel aufgeführt werden. All diese Aspekte bedrohen die aufgebauten Dörfer. Verschiedene Dinge wie Wasserpflanzen, Feuer- oder Knallbäume wurden von den Entwicklern eingebaut, die ebenso als solche Bedrohungen angesehen werden können. Was aber tun, wenn ein Feuerbaum in der Nähe steht? Ganz genau: Man nimmt eine Wasserpflanze und setzt sie direkt daneben, da der flammende Baum dann schnell seine Kraft verliert.

Screenshot: From DustSolche Gedanken sind zu Anfang noch simpel, werden nach und nach aber immer komplizierter und weitflächiger. So muss der Spieler stets an verschiedenen Fronten kämpfen, um die Dörfer aufrechtzuerhalten. In einem Level kann das Wegnehmen von Sand zum Beispiel zu einer Freilegung von sprudelnden Wasserquellen führen. Hat man vielleicht nur versucht, mit dem Sand einen Weg für das Volk zu erschaffen, könnte die Quelle möglicherweise ein anderes Dorf überfluten. Nach genau diesen Gesichtspunkten muss der Spieler in From Dust urteilen und handeln, was zwar nicht immer einfach, aber dafür umso spaßiger ist.

Um das Geschehen teilweise zu vereinfachen, kann dem Stamm zu mehr Wissen verholfen werden. In manchen Umgebungen befinden sich Runen, die Erkenntnisse enthalten, um beispielsweise Wasser abzuwehren. Dazu klickt der Spieler auf das entsprechende Objekt, woraufhin ein Gesandter sich auf den selten freien Weg macht. Als Spieler schwebt man immer über dem Geschehen und kann auf Knopfdruck auch heranzoomen, um einer einzelnen Person zuzusehen – eine direkte Interaktion mit den verschiedenen Figuren ist dabei jedoch nicht möglich.

Screenshot: From DustWie ein Gott fühlt man sich in From Dust übrigens nicht. Zu begrenzt sind die Freiheiten die man hat. Mit der Aktivierung bestimmter Totempfähle kommen zwar spezielle Möglichkeiten wie das Einfrieren des Wassers hinzu, aber da diese Fähigkeiten nur von temporärer Dauer sind, hat man kaum das Gefühl, ausufernde Kräfte zu besitzen. Ein weiteres Manko besteht in der relativ kurzen Spielzeit. Lediglich ein gutes Dutzend Herausforderungen haben ihren Weg in das Spiel gefunden. Hier hätten mehr Aufträge sicherlich nicht geschadet. Dafür sieht der Titel optisch für ein Arcade-Spiel recht ansehnlich aus. Besonders die Dinge, mit denen interagiert werden kann, zeigen sich in einem schönen Licht. Damit sind zum Beispiel die Effekte von Wasser und Sand gemeint. Die Physik ist aber ebenso gelungen ausgefallen, was gerade bei solch einem Titel wichtig ist.

Fazit:
Ich muss ja wirklich zugeben, dass ich eigentlich viel zu ungeschickt für solche Spiele bin. Bereits in den ersten Minuten musste mein Volk sicherlich mindestens eine Hand voll mal sterben. Trotz dieser anfänglichen Schwierigkeiten hat es From Dust geschafft, mich einige Abende wachzuhalten und mir ein freudiges Erlebnis zu bescheren. Dennoch hätte ich mir ein wenig mehr Freiraum bei meinem Handeln gewünscht, denn der Rahmen wird recht eng geschnürt. Ebenso stößt die geringe Spielzeit sauer auf. Für einen Arcade-Titel wird hier trotzdem einiges aufgefahren, weshalb der Download für Genreanhänger auf alle Fälle lohnt. – Daniel Dyba

Wertung: 7 / 10

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