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17. 11. 2010

Testbericht: Good Intentions

Als Freunde der Spiele und der Kultur freuen wir uns natürlich immer, wenn aus der Indie-Szene ein neuer Titel auf den Markt kommt. Schließlich ist es eben diese Szene, die immer wieder mit einigen Überraschungen in Sachen Story und Gameplay aufwarten kann. Jetzt schickt sich mit Good Intentions ein Indiespiel aus Deutschland an, den Markt aufzumischen. Ob das Vorhaben wohl gelungen ist?

Screenshot: Good IntentionsGood Intentions - ein klangvoller Name. Der auch gleich Programm ist. Denn das Spiel erzählt eine Geschichte von Freundschaft und Liebe. Und auch die Aufgaben richtigen sich an jene Spieler, die etwas Gutes tun wollen. Im zeitlichen Rahmen ist der Titel im 17. Jahrhundert in Frankreich angesiedelt, wo der Schmied Marc Lacroix seine entführte Familie retten möchte. Sprich: Das ist die Aufgabe des Spielers. Doch wie das so üblich ist, ist dies nur die halbe Geschichte, denn Lacroix kommt noch einer Verschwörung auf die Schliche, welche sogar den König betrifft und dessen Leben gefährdet. Es gibt also theoretisch genug zu tun und Stoff für spannende Abenteuer.

Dummerweise ist es aber so, dass Good Intentions genau an dieser Stelle kränkelt. Aufgaben und Abenteuer gibt es zur Genüge, so ist das nun nicht. Das Problem ist vielmehr, wie all diese Kleinigkeiten in den Spielverlauf integriert wurden. Prinzipiell handelt es sich um ein Jump & Run, was bedeutet, dass der Spieler Lacroix mit den Pfeiltasten durch die zweidimensionale Spielwelt befördert und mit der Leertaste einen Schwerstreich ausführt. Soweit, so gut, so bekannt, so gewöhnlich. Mit dem Schwert werden dann unliebsame Wachen, Ratten und Wölfe ausgeschaltet. Dass es mehrere Höhenebenen gibt, das sollte ebenfalls kaum verwundern, ist doch auch dieser Umstand Gang und Gäbe im Genre.

Screenshot: Good IntentionsDas Problem sind vielmehr die restlichen Aufgaben. An Anschlagtafeln findet Lacroix immer wieder Aufgaben, die er erledigen kann, jedoch nicht muss. Da will jemand das Haus gestrichen bekommen. Ein Anderer dagegen will ein Schaf gerettet haben. Und so weiter. Wie bereits eingangs erwähnt: Die Aufgaben richten sich an Spieler, die etwas Gutes tun wollen. Doch leider laufen diese Wohltaten äußerst langweilig ab, denn eine jede Quest ist nach dem gleichen Muster gestrickt. Wie im Übrigen der Rest des Spiels ebenfalls. Es läuft am Ende auf Quick Time Events hinaus.

Ein Beispiel gefällig? Nehmen wir doch gerade das Haus, welches einen neuen Anstrich benötigt. Der Spieler sammelt den Farbeimer ein, klettert eine Leiter hinauf (Was gar nicht so einfach ist, da die Abfrage im Spiel, wo genau die Leiter ist und wo genau der Spieler hinauf klettern darf, denkbar Pixelgering ausgefallen ist) und erreicht einen bestimmten Punkt, wo er streichen soll – und Zack! Schon wird das Quick Time Event ausgelöst. Dann gilt es die Pfeiltasten nach Vorgabe in einer bestimmten Reihenfolge zu drücken. Das wäre nicht schlimm, wenn das nur ein einziges Mal vorkommen würde. Oder zwei, drei Mal. Doch bei Good Intentions ist quasi das gesamte Spiel auf diesen Events aufgebaut. Einen Endgegner besiegen? Quick Time Event. Eine rutschige Stelle passieren? Quick Time Event. Eine mächtigen Sprung ausführen, um an eine höhere Stelle zu gelangen? Quick Time Event. Eine Quest lösen? Ihr ahnt es schon: Quick Time Event. Und nicht nur das: All diese Events sind identisch aufgebaut. Nur die Länge der Tastenfolge und die Reihenfolge als Solche ändert sich. Nicht aber die Gestaltung, sodass nach wenigen Minuten bereits Langeweile den Spielverlauf dominiert.

Screenshot: Good IntentionsUnd trotz des einfachen Spieldesigns, welches an Schlichtheit kaum zu untertreffen ist – und das sogar für ein Casual Game – ist es den deutschen Entwicklern doch tatsächlich noch gelungen, sogenannte Gamebreaker einzubauen. Also Stellen im Spiel, die dazu führen, das ein Weiterspielen ohne den Neustart eines Abschnitts, unmöglich wird. Wer von einem neu aufgetauchten Gegner während eines Quick Time Events getötet wird, der kann sogar in einem relativ hohem prozentualem Anteil das Spiel zum Absturz bringen. Unumgänglich sind die Fehler zum Glück nicht. Ärgerlich aber dennoch, denn hat man erst einmal einen Solchen entdeckt, hilft nur der Neustart.

Allgemein ist Good Intentions in Sachen Technik nicht gerade ein wahres Meisterstück. Man könnte die Comichafte Zeichengrafik als stilvoll bezeichnen. Man könnte aber auch sagen, dass hier versucht wurde, andere Vertreter der Indie-Szene im Stil zu kopieren, ohne aber deren Qualität zu erreichen. Besonders die abgehackten Animationen sind ein Ärgernis, das nicht hätte sein müssen. Selbst Flash-Spiele gibt es, die ein schöneres Gesamtbild liefern. Gleiches gilt derweil für die Klangkulisse. Die musikalische Untermalung mag noch ganz nett sein, der Sprecher der Geschichte an einen Märchenonkel erinnern - doch gerade die wenigen Effekte grenzen schon fast an Peinlichkeit.

Fazit:
Da war der Name tatsächlich Programm: Die Entwickler von Good Intentions hatten sicherlich gute Intentionen, doch für ein brauchbares Spiel haben diese einfach nicht ausgereicht. Das Entwicklerteam ist noch jung und wir hoffen natürlich, dass sie weitermachen werden. Potential scheint vorhanden zu sein, doch versteifte man sich bei diesem Titel auf eine allzu monotone Idee, die am Ende in keiner Weise zünden kann. Die Quick Time Events nerven schon nach so kurzer Zeit so stark, dass wir selbst beim äußerst geringen Kaufpreis von rund zehn Euronen keine Kaufempfehlung aussprechen können. - Michael Hoss

Wertung: 3 / 10

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