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10. 06. 2010

Testbericht: Grotesque Tactics - Evil Heroes

Unabhängig entwickelte Titel haben oft einen ganz entscheidenden Vorteil: Wo bei den großen Vertrieben oft Unsummen in der Entwicklung verblasen werden, da geht man natürlich auch auf Nummer sicher. Bloß keine allzu großen Neuerungen einführen, einfach das machen, was so oder so Erfolg hat. Doch bei den kleinen Spielen, da ist Kreativität quasi an der Tagesordnung. Und das merkt man auch Grotesque Tactics: Evil Heroes an, welches jetzt in einer Premium Edition in die Läden kommt.

Grotesque TacticsAm eigentlichen Spielinhalt hat sich natürlich nicht viel geändert. Wie? Ihr kennt den Titel noch gar nicht? Dann wollen wir euch das Prinzip und alles, was dazugehört, noch einmal erklären. Angesiedelt ist die Geschichte im Königreich Glory. Dort hat die Dark Church für Tod, Verderben und Jungfrauenmangel gesorgt. Zudem hat sie die guten und treuen Soldaten des Königreichs mit einem Depressivzauber belegt, weshalb sie sich dem schlimmsten aller Tode entgegenwerfen: Dem Tod durch einen harmlosen Pilz. Auch der Held des Spiels, genannt Drake, steht kurz davor, sich von den Pilzen verspeisen zu lassen. Aber nicht wegen des Zaubers, sondern weil er bei seiner Prüfung zum Manne versagt hat.

Den Göttern der Spieleindustrie sei Dank kommt natürlich alles ganz anders. Im letzten Moment kommt einer der strahlenden Helden des Landes vorbei und rückt den jungen Drake zurecht. Holy Avatar, so der Name des strahlenden Helden mit blonder Mähne, macht ihm klar, dass nur er und einige Andere, die es erst einmal zu finden gilt, das Königreich vor der dunklen Bedrohung retten können. Und so beginnt die Reise in eine epische Geschichte, in eine Welt voller sinnlosem Humor und lauter merkwürdiger Gestalten. Denn im Gegensatz zu anderen Rollenspielen nimmt sich Grotesque Tactics: Evil Heroes nicht allzu ernst. Humor ist hier an der Tagesordnung.

Grotesque TacticsAuf der Reise durch das Königreich wird die Party des Spielers immer größer und besteht am Ende aus zahlreichen Mitgliedern, die zu großen Teilen wiederum aus Jungfrauen bestehen. Denn eine Gabe des Holy Avatar ist, Frauen in Not zu finden. Die hören dann auch auf so lustige Namen wie Candy und Sandy. Doch auch ein Engel, ein Gobblin und ein Vietnam-Veteran schließen sich Drake an, um gegen die Dark Church zu Felde zu ziehen.

Auf der Reise warten natürlich allerlei Schlachten. Und spätestens hier merkt man, was Grotesque von anderen Titeln unterscheidet. Wobei. Nein. Eigentlich merkt man das schon vorher, denn die Welt ist in zahlreiche Felder eingeteilt, über die man sich rundenweise bewegen darf. Kommt es zum Kampf, so wird die Bewegung allerdings ein wenig eingeschränkt und man darf die eigenen Recken nur noch in einem bestimmten Radius bewegen. Dann gilt es, Zug um Zug dem Gegner das Wasser abzulaufen. Durch mächtige Spezialangriffe oder aber einfach nur durch das Heilen der eigenen Verbündeten. Dabei muss man jedoch aufpassen: Alle Figuren verfügen zwar über eine mächtige Sonderattacke, doch neigen sie auch dazu, hin und wieder durchzudrehen. So haben die Entwickler ein System integriert, welches den Recken unter Belastung zusetzt. Ticken sie aus, ist niemand – weder Freund noch Feind – in ihrer Nähe sicher. Holy Avatar schläfert dann alle Truppen, welche in seinem Umkreis sind, mit epischen Geschichten seiner Heldentaten ein, während unser Vietnam-Krieger rot sieht und auf alles eindrischt, was irgendwie lebendig aussieht.

Grotesque TacticsDas klingt ein wenig seltsam, funktioniert in der Realität aber äußerst gut. So kommt nämlich ein wenig Taktik in die Schlachten. Stets muss man ein Auge auf mehrere Faktoren haben: Wann kann man wieder eine Sonderattacke starten? Wann dreht welcher Held am Rad? Fragen über Fragen, die immer wieder neu beantwortet werden wollen und gerade bei den mächtigen Kämpfen gegen die starken Endgegner von großer Bedeutung sind.

Stirbt dann einmal ein Begleiter, so darf man ihn gegen ein kleines Entgeld natürlich wieder zum Leben erwecken. Und wie es sich für ein ordentliches Rollenspiel gehört, gibt es natürlich haufenweise Quests. Um die Preise der Heilerin zu senken, muss man zum Beispiel ein Gemälde von Holy Avatar anfertigen lassen, damit die ehemalige Liebschaft nicht mehr gar so verärgert ist und bezahlbare Optionen bereitstellt. Lauter verrückte Ideen haben sich die Macher hier einfallen lassen, um an jeder Ecke und Stelle für den ein oder anderen Schenkelklopfer sorgen zu können.

Grotesque TacticsTechnisch kommt Grotesque Tactics: Evil Heroes eher schlicht daher. Für die Premium Version haben die Entwickler aber noch einmal kräftig Hand angelegt. Gerade das Wasser sieht nun bedeutend besser aus. Ansonsten verschleiert ein starker Blur-Effekt, dass der Titel eigentlich relativ unspektakulär ausgefallen ist. Die Effekte sind zwar ganz nett, doch für Grafikfetischisten eignet sich das Spiel dennoch nicht. Aber das war auch kaum anders zu erwarten, schließlich handelt es sich hier um ein Indie-Spiel. Und die überzeugen bekannter Maßen eher bei der Spielmechanik.

Anders sieht es aber beim Sound aus. Publisher HeadUp Games sei Dank kommt die Premium Edition mit einer umfangreichen Sprachausgabe daher, welche mit hochwertigen und erfahrenen Sprechern aufwarten kann. Die ehemals veröffentlichte Downloadversion verfügte nämlich über keine Sprache – hier durfte man nur Texte lesen. Durch das neu gewonnene Feature kommen all die Witze nun noch eine Ecke besser herüber.

Fazit:

Wer Rollenspiele auch nur im Ansatz mag und wieder einmal einen Humor erleben möchte, den es seit Monkey Island nur viel zu selten gab, der sollte definitiv einen Blick auf Grotesque Tactics: Evil Heroes werfen. Was ein kleines unabhängiges Studio hier geschaffen hat, das ist dank eines jungen Publishers nur noch besser geworden. Mit einigen neuen Quests und einer starken Sprachausgabe ist das Spiel sein Geld gleich noch einmal wert. Greift zu liebe Leser, denn solch kreative Spiele verdienen mehr als nur einen Nachfolger. Michael Hoss

Wertung: 8/10

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