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27. 06. 2011

Testbericht: inFamous 2

Eine neue Marke zu etablieren, ist in der Spielebranche bekanntlich schwer. Meistens werden Fortsetzungen von bereits etablierten Marken gekauft. Entwickler Sucker Punch schaffte es 2008 jedoch. Mit dem Open-World-Spiel Infamous schufen sie einen echten Überraschungshit, der – obwohl PS3-exklusiv - viel Geld in die Kassen spülte. Nun, fast drei Jahre später, erscheint der zweite Teil der Geschichte rund um Superhelden Cole McGrath.

Screenshot: inFamous 2Das Spiel beginnt mit dem Kampf gegen den Endboss: Eine Kreatur The Beast genannt ist im Begriff, Empire City zu zerstören, die Heimatstadt von Cole, in der der erste Teil von Infamous spielte. Cole versucht mit seinen übernatürlichen Kräften, The Beast in seine Schranken zu weisen, doch er scheitert. Empire City wird zerstört und Cole hat keine Wahl als mit seinen Begleitern Zeke und Kuo den Rückzug anzutreten. Das Ziel: Die etwa 1000 Meilen entfernte Stadt New Marais, auf die das Monster direkten Kurs nimmt. Cole muss nun ein Mittel finden, seinen Erzfeind zu bezwingen, bevor dieser alles Leben an der amerikanischen Ostküste auslöscht. Die Geschichte von inFamous 2 knüpft an die seines Vorgängers an und setzt an manchen Stellen Grundwissen voraus. Es ist also nicht Pflicht, aber ihr solltet den ersten Teil gespielt haben, um alle Ereignisse zu verstehen.

Kenner von Infamous werden sich im Nachfolger direkt heimisch fühlen: Wieder bietet das Spiel eine offene Welt, in der es viel zu entdecken gibt. Einzelne Stadtteile warten darauf, von den Unterdrückern der Stadt, der Militia, befreit zu werden, ihr erklimmt Häuserwände und sammelt Extras ein. Für die meisten Aktionen erhaltet ihr Erfahrungspunkte, die ihr in die Verbesserung von Coles Fähigkeiten steckt. Die Palette wurde im Gegensatz zum Vorgänger erweitert und bietet euch mehr Möglichkeiten zur Feindentsorgung, die auch bitter nötig sind, denn eure Gegner warten an jeder Ecke und lassen euch kaum Raum zum atmen. An jeder Ecke und auf jedem Häuserdach müsst ihr mit den Unterdrückern rechnen. Zum Glück gibt es einen Radar, der offensichtlich von GTA kopiert ist. Hier seht ihr nicht nur die Gegner, sondern bekommt auch die Position von Extras und Stromquellen angezeigt. Letztere benötigt Cole, um kampffähig zu bleiben, da fast alle seine Fähigkeiten auf Elektrizität basieren.

Screenshot: inFamous 2Welche Kräfte ihr einkaufen könnt, hängt von euren Entscheidungen ab. Geht ihr den Weg eines Helden, so erhaltet ihr andere Kräfte und Cole verschießt blaue Blitze. Entscheidet ihr euch für die böse Seite, erhält Cole offensive Fähigkeiten und die Blitze färben sich blutrot. Während laufender Missionen müsst ihr euch immer wieder entscheiden, welchen Weg ihr gehen wollt. Rettet ihr Zivilisten oder überlasst ihr sie ihrem Schicksal? Lasst ihr es zu, dass die Menschen opfer terroristischer Anschläge werden oder entschärft ihr die Bombe? Solche und andere Entscheidungen beeinflussen den Spielablauf und auch den Ausgang des Spiels. Auch außerhalb von Missionen habt ihr oft die Wahl, ob gut oder böse sein wollt. So könnt Gruppen von Demonstranten rösten, um böses Karma zu erhalten oder ihr heilt eine Gruppe verletzter Mitbürger, um auf dem guten Pfad zu wandeln. inFamous 2 hat einen enorm hohen Wiederspielwert. Es motiviert einfach ungemein, einen zweiten Anlauf zu wagen, um alle Missionen zu spielen und beide Enden zu sehen.

Screenshot: inFamous 2Als Entwickler Sucker Punch über den ersten Teil redete, gaben sie zu, dass es einen Fehler hatte: Es war irgendwann vorbei. Um diesen Fehler bei inFamous 2 auszumerzen, hat man sich etwas ganz besonderes ausgedacht, nämlich den UCG (User Generated Content). Das Spiel kommt mit einem mächtigen Editor daher, mit dem sich eigene Missionen kreieren und online stellen lassen. Der Clou: die von Spielern generierten Aufträge werden nicht etwa in einem drögen Menü ausgewählt, sondern sind in die Spielwelt integriert. Wenn ihr also im Single-Player-Modus unterwegs seid und euch mit dem PSN verbindet, werden euch durch grüne Punkte die von anderen Spielern generierten Missionen angezeigt. Diese haben natürlich keinen Einfluss auf die Geschichte des Spiels, eignen sich aber gut, um Erfahrungspunkte zu sammeln und euch über Tage beschäftigt zu halten. Durch ein Rating-System seht ihr auch schnell, ob die Mission schnell zusammengeschustert wurde oder ein Profi am Werk war. Wenn ihr selbst Aufträge erstellen wollt, müsst ihr einiges an Zeit investieren, da der Editor sehr komplex ist. Sobald ihr jedoch begriffen habt, wie das Tool funktioniert, ist es ungemein motivierend, eigene Missionen zu erstellen und von der Community bewerten zu lassen.

Screenshot: inFamous 2Was die Technik angeht, übertrumpft inFamous 2 seinen Vorgänger in allen Belangen. Die Charaktermodelle sind detaillierter, New Marais ist größer und schöner als Empire City. Leider hat Sucker Punchs neuester Streich, wie die meisten Spiele auf der Playstation 3, ein Problem mit der Kantenglättung, was das Gesamtbild des sonst sehr schönen Spiels etwas trübt. Auch die Animationen der Passanten sind oft nicht nachzuvollziehen und trüben Atmosphäre etwas. Der Sound unterstützt die Atmosphäre sehr gut und besticht durch gute direktionale Effekte sowie treibende Hintergrundmusik.

Fazit:
inFamous 2 ist eine Fortsetzung, wie sie im Lehrbuch steht: Die guten Elemente des Vorgängers wurden dezent verbessert, unnötiger Ballast abgeworfen. So bleibt zwar der Überraschungseffekt aus, diesen braucht das Spiel aber auch nicht unbedingt, denn es macht fast alles richtig. Es erzählt eine spannende Geschichte und bietet neben den Hauptmissionen genügend Möglichkeiten, euch zu beschäftigen. Der Editor wird euch für einige Zeit beschäftigen und ist eine willkommene Abwechslung zu den aufgesetzten Multiplayer-Modi der letzten Zeit (bestes Beispiel: Dead Space 2). Dieses Spiel ist definitiv eines der besten PS3-Spiele und ein absolutes Muss für jeden Besitzer der Konsole. Da kann man auch über kleinere Bugs und das Kantenflimmern locker hinwegsehen. - Benjamin Dross

Wertung: 9 / 10

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