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20. 11. 2008

Testbericht: James Bond - Ein Quantum Trost

Bond is back! Nach EA versucht sich erstmals Activision an der Versoftung einer Filmvorlage aus dem Universum des berühmten, britischen Geheimagenten. Bereits im Vorfeld wurde viel spekuliert: Kann der Ego-Shooter zu Ein Quantum Trost an die Stärken des immer noch geliebten, indizierten Vorfahren auf dem N64 anknüpfen?

Screenshot: James Bond - Ein Quantum TrostEines vorab: Die Geschichte des Spiels richtet sich eindeutig an Kenner des Films. Viel zu bruchstückhaft treiben die schmucklosen Zwischensequenzen die Story um eine verschwörerische Terrororganisation und einen geplanten Putsch in Bolivien voran. Im Laufe des Spiels erinnert sich Daniel Craig alias James Bond dann sogar an Passagen aus Casino Royale, sodass einige Missionen an dessen Story angelehnt sind. Zunächst mag an sich über den Erzählstil ärgern, doch spätestens nach den ersten paar Missionen hat man seinen Frust vergessen. Denn Ein Quantum Trost ist tatsächlich ein durchaus gelungener Shooter geworden: Die Entwickler von Treyarch haben sich die Engine von Call of Duty 4 zur Brust genommen und ihr Bond-Abenteuer drumherum gestrickt. Entsprechend hoch waren deshalb auch die Erwartungen der Fans: Schließlich war Call of Duty 4 einer der besten Shooter des letzten Jahres.

Screenshot: James Bond - Ein Quantum TrostTatsächlich erinnert vieles auf Anhieb an den Kriegs-Shooter. Nach den ersten Schusswechseln hat man die Steuerung sofort verinnerlicht, die Gefechte sind sehr dynamisch, die Gegner clever. Allerdings kämpft Bond nun mal nicht auf einem überfüllten Schlachtfeld, sondern allein gegen deutlich weniger Widersacher. Um das Spieltempo dennoch nicht absacken zu lassen, haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen: Leerlauf gibt es fast nie, ständig hat Bond alle Hände voll zu tun. Während sich dem Doppel-Null-Agenten ein Schurke nach dem anderen in den Weg stellt, hechtet dieser in bester Gears of War-Manier von einer Deckung zur nächsten und nimmt die Gegner mit den von Shootern gewohnten Waffen unter Beschuss. Deckung ist äußerst wichtig in der Welt von Ein Quantum Trost, wer mit blinder Wut los stürmt wird sehr bald den Bildschirmtod erleiden.

Screenshot: James Bond - Ein Quantum TrostAuch sonst kommt ihr nicht zur Ruhe: Ständig wackelt der Bildschirm, es rummst und kracht an allen Ecken und Enden. Manchmal wird das schon zu viel des Guten: Vor lauter Gewackel wird nicht selten das Zielen zum Glücksspiel, was bei großem Gegneraufkommen öfter für Frust sorgt. Auch die Erklärungen sind teilweise an den Haaren herbeigezogen: so wackelt während einer Verfolgungsjagd durch die Kanalisation plötzlich die Decke und Teile stürzen ein, weil über euch ein Pferderennen stattfindet. Ebenfalls negativ fallen die überall herumliegenden Handys auf, die stets wichtige Informationen für euch bereithalten und plötzlich aufgeregt klingeln, sobald Bond in der Nähe ist. An solchen Stellen schimmert wieder das schwache Game-Design des Titels durch, dem bei der Entwicklung deutlich zu wenig Zeit gewidmet wurde. Dennoch macht die Hatz nach dem nächsten Missionsziel Spaß: Die Bildschirmanzeigen wirken aufgeräumt, ein Kompass weist stets den Weg zum nächsten Etappenziel. Auch das Leveldesign ist größtenteils gelungen, oft stehen sogar mehrere Wege durch einen Abschnitt zur Verfügung. Dank unterschiedlicher Schauplätze vom Kanal bis zum mediterranen Häuserdach ist auch für ausreichend Abwechslung gesorgt.

Screenshot: James Bond - Ein Quantum TrostKleine Minispiele beim Knacken von Schlössern oder in Nahkämpfen lenken vom Einerlei der Schusswechsel ab, können die Monotonie der Einsätze aber auf Dauer leider nicht kompensieren. Denn auch wenn die Einsätze zu beginn durchaus Laune machen, wiederholt sich die Aufgabenstellung doch schnell, Langeweile macht sich breit. Da ist man schon fast froh, dass nach runden sechs Stunden der Abspann über den Bildschirm flimmert. Wer die kurze Kampagne hinter sich gelassen hat, sollte die Disc aber ruhig noch etwas im Laufwerk lassen: Der Multiplayer-Part ist nämlich mehr als solide und macht auch nach mehreren Stunden noch Spaß. Durch Abschüsse verdient ihr euch außerdem Punkte, die ihr zwischen den Runden gegen neue Waffen und Ausrüstung tauschen dürft. Im Prinzip die „Light“-Version des Call of Duty 4-Mehrspielermodus. Einziges Manko: die übermächtige Schrotflinte, hier sollte Treyarch noch per Patch am Balancing feilen.

Dank der Call of Duty 4-Engine kann der neue Bond technisch größtenteils überzeugen, auch wenn der Titel nicht ganz die Klasse des Kriegs-Shooters erreicht. Besonders die unscharfen Texturen und unspektakulären Explosionen fallen immer wieder unangenehm auf. Hier hat man wie auch beim Game-Design das Gefühl, dass den Entwicklern zum Schluss die Zeit ausgegangen ist. Der Klang hingegen liefert kaum Angriffsfläche: lediglich von so manchem Synchronsprecher hätte man sich etwas mehr Begeisterung gewünscht.

Fazit

Ein Quantum Trost hat wohl am ehesten das Etikett „solide“ verdient: Alle Elemente eines modernen Ego-Shooters sind vorhanden. Die Jagd nach den Bösewichten bleibt stets temporeich, Lückenfüller hat Treyarch zum Glück vermieden. Leider ist das Spiel aber auch etwas gesichtslos: Die schwach erzählte Geschichte ist mehr als konfus und unzusammenhängend, besonders für Leute die die beiden letzten Bond-Filme nicht gesehen haben. Auch in Sachen Gameplay und Missionsdesign haben andere Spiele die Nase vorn und bieten mehr Abwechslung. Für Bond-Fans und alle, die eh jeden Shooter besitzen müssen, ist Ein Quantum Trost dennoch empfehlenswert. Simon Weiß

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