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25. 02. 2011

Testbericht: Killzone 3

Die Marke Killzone hat eine lange Geschichte: Der erste Teil der Serie erschien bereits im Jahr 2004 für die Playstation 2. Danach wurde es recht still um die Geschichte mit den rotäugigen Helghast, bis im Jahr 2008 Killzone 2 sowohl im Solo- als auch im Multiplayer-Modus für Begeisterungsstürme sorgte. Zwei Jahre später erscheint nun der direkte Nachfolger und die Erwartungen des geneigten Ego-Shooter-Fans sind hoch.

Screenshot: Killzone 3Die Killzone-Reihe dreht sich um den Kampf zweier menschlicher Fraktionen. Auf der einen Seite steht die ISA, deren Planet Vekta im ersten Teil von ihren Erzfeinden, den Helghast, überrannt werden sollte. Nachdem dieser Angriff erfolgreich zurückgeschlagen wurde, ruhte sich das Militär Vektas allerdings nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern rief zum Präventivschlag, um einen weiteren Angriff auf ihren Heimatplaneten zu verhindern. Diesen spielt ihr in Killzone 2 nach. Am Ende sind die Soldaten der ISA erfolgreich und schaffen es, den Terrorherrscher Scolar Visari in die Knie zu zwingen. Die Armee der Helghast ist allerdings noch nicht besiegt und so kommt es, dass unsere tapfere Gruppe von Soldaten auf Helghan festsitzt und keinen Kontakt zu ihrem Planeten hat. Ihr spielt wieder Sev aus dem zweiten Teil, der probiert, das beste aus der Situation zu machen und den Helghast größtmöglichen Schaden zu bereiten, bevor er gefangengenommen oder getötet wird. Die Geschichte des dritten Teils hat durchaus Potential, welches aber leider nicht ausgeschöpft wurde. Wir wollen hier nicht zu viel verraten und überlassen jedem Spieler sein eigenes Urteil.

Screenshot: Killzone 3Das Spielgefühl von Killzone 3 ist ein weiteres mal ungeschlagen: In keinem anderen Shooter werdet ihr einen so intensiven Eindruck vom Krieg bekommen. Die Schlachtfelder strotzen vor Details, eure Sicht verschwimmt wegen riesiger Explosionen während ihr versucht, dem unbarmherzigen Ansturm der Helghast standzuhalten. Die Steuerung trägt ihren Teil zur dichten Atmosphäre bei: Sie reagiert im Gegensatz zu Shootern wie Halo oder Call of Duty eher träge und vermittelt ein gutes Gefühl von Schwere. Ihr habt nicht das Gefühl, eine schwebende Kamera mit montierter Waffe zu steuern, sondern einen Soldaten, der es nicht leicht hat, auf dem Schlachtfeld zu bestehen. Das Sichtfeld wackelt, während ihr rennt oder klettert und Explosionen in eurer Nähe machen das Zielen teilweise zum Glücksspiel. Diese kleinen, aber feinen Details gepaart mit der tollen Grafik sorgen für ein Spielerlebnis, das ihr in dieser Intensität bei keinem anderen Shooter haben werdet.

Screenshot: Killzone 3Obwohl sich der zweite Teil der Serie sehr gut verkauft und bis heute eine große Fangemeinde hat, musste man im Hause Guerilla Games auch einiges an Kritik einstecken: Die Kampagne sei zwar gut inszeniert gewesen, allerdings auch etwas abwechslungsarm, denn bis auf einen Bossgegner gab es nicht viel zu tun außer dem Töten von ganzen Horden der Helghast. Auch die Steuerung sorgte für Kritik, denn anstatt nur etwas träge zu reagieren, reagierte sie teilweise überhaupt nicht. Beiden Kritikpunkten hat sich der Entwickler angenommern: Man hat sich bemüht, mehr Abwechslung ins Spiel zu bringen. So nehmt ihr nun an Bord eines Kampfroboters platz, fahrt mit einem schwer bewaffneten Schneemobil durch die Eiswüste oder schnallt euch ein Jetpack um. Untypisch für Killzone wurde sogar eine Schleicheinlage implementiert, die ihr durch die neuen und äußerst brutalen Nahkampfangriffe bestreitet. Auf Knopfdruck rammt Sev den Gegnern sein Messer in die roten Augen oder bricht ihnen kurzerhand das Genick. Bei der Steuerung merkt ihr immer noch die „Schwere des Krieges“, allerdings ohne Ausfälle. Auch das Deckungssystem wurde noch einmal überarbeitet.

Screenshot: Killzone 3Durch die Verbesserung der Steuerung spielt sich vor allem der Multiplayer-Modus um einiges flüssiger, der bei Killzone, genau wie bei den Spielen der Call of Duty-Reihe einen ganz besonderen Stellenwert einnimmt. Außer den beiden bereits bekannten Spielmodi Guerilla Warfare (klassisches Team Deathmatch) und Warzone, in dem sich während des Gefechts immer wieder die Missionsziele ändern, hat ein neuer Modus den Weg ins Spiel gefunden: Operations ist ein sehr motivierender Modus, in dem ihr eine kleine Geschichte nachspielt. Die Helghast sind immer die Verteidiger, die ISA immer in der offensiven Position und müssen nacheinander Missionziele erledigen, die von Map zu Map variieren. Ein Beispiel: Die ISA haben die Order, zwei Türen zu sprengen. Ist dies geschafft, leiten die Helghast Giftgas in das Belüftungssystem und die ISA muss Terminals hacken, um die toxischen Gase zu stoppen. Danach müssen Sprengladungen angebracht werden, um einen Damm zu sprengen. Begleitet wird dies von Zwischensequenzen, in denen nur die besten Spieler des Teams vorkommen. Eine ganz besondere Art der Motivation also. Auch sonst müsst ihr im Mehrspielermodus auf nichts verzichten, die altbekannten Klassen sind alle vorhanden und das Level-System motiviert wieder einmal ungemein.

Screenshot: Killzone 3Es ist nicht zu viel gesagt, Killzone 3 technisch als einen Meilenstein im Genre zu bezeichnen. Hier stimmt einfach alles: Die Texturen sind scharf und detailliert, die Effekte werden euch das eine oder andere mal zum staunen bringen und die Framerate bricht trotz allem so gut wie nie ein. Auch das Kantenflimmern, für das die PS3 so berüchtigt ist, kommt kaum vor. Dies gilt aber leider nicht für den 3D-Modus: Hier ist der unerwünschte Effekt sehr präsent und das Spiel läuft mit weniger Frames pro Sekunde. Der Tiefeneffekt ist allerdings sehr beeindruckend und, sollte man die passende Ausrüstung haben, definitiv einen Blick wert. Ein weiteres Feature, das für mehr „Mittendrin“-Gefühl sorgen soll, ist die Playstation Move-Unterstützung. Diese funktioniert ohne Probleme und erkennt alle eurer Bewegungen problemlos. Allerdings lässt sich hier dasselbe Problem wie bei den meisten Wii-Shootern feststellen: Der Cursor muss an den Rand des Bildschirms bewegt werden, dass sich euer Charakter umsieht. Das kann euch in einem hitzigen Gefecht wertvolle Sekunden kosten. Trotz der technischen Neuerungen empfehlen wir deshalb das Spielen auf einem 2D-Fernseher mit der klassischen Controller-Steuerung.

Fazit

Killzone 3 bietet (fast) alles, was sich Fans davon erwartet haben: Bessere Grafik, mehr Bombast, eingängigere Steuerung und nicht zuletzt einen dezent aufpolierten Multiplayer-Modus. Wer wert auf eine gut erzählte Geschichte legt, wird aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit enttäuscht sein, und zwar zurecht: Aus so einem starken Szenario nicht das Maximum herauszuholen, ist eine wahre Schande. Das die Geschichte allerdings der einzige große Kritikpunkt ist, spricht für den Shooter. Guerilla Games hat wieder einmal ganze Arbeit geleistet und uns einen der besten und nicht zuletzt intensivsten Shooter abgeliefert. Wer eine Playstation 3 besitzt und nur im entferntesten etwas mit dem Genre anfangen kann, braucht Killzone 3! Benjamin Dross

Wertung: 9/10

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