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10. 11. 2010

Testbericht: Kingdom Hearts - Birth by Sleep

Als im März 2002 das erste Kingdom Hearts erschien, waren viele Spieler skeptisch: Final Fantasy meets Disney? Kann das funktionieren? Zweifler wurden allerdings eines Besseren belehrt, denn der erste Teil der Serie erhielt nicht nur Lob von der Fachpresse, sondern verkaufte sich vor allem in Japan wie geschnitten Brot. Im neuesten Teil Birth by Sleep für die PSP unternehmen Square Enix und Disney den Versuch, Licht in die Ereignisse vor dem originalen Kingdom Hearts zu bringen.

Die drei Freunde Ventus, Terra und Aqua sind Schlüsselschwertträger, die für ihr Examen trainieren. Eines Tages ist es soweit: Terra und Aqua müssen sich testen lassen. Nach einem Kampf eins gegen eins besteht allerdings nur die schöne Aqua. Terra hat es noch nicht geschafft, die Dunkelheit in seinem Herzen zu besiegen. Kurz darauf erfahren unsere Helden von einer neuen Bedrohung: Kreaturen, genannt „Die Unversierten“, greifen die verschiedenen Galaxien an. Die drei Rekruten werden losgeschickt, um der Bedrohung Einhalt zu gebieten. Die Helden ziehen allerdings nicht gemeinsam los, sondern werden gleich zu Beginn des Spiels voneinander getrennt, denn jeder Einzelne muss seiner individuellen Bestimmung nachgehen. Deshalb besteht Birth by Sleep nicht nur aus einem, sondern gleich aus drei Storysträngen.

Nach dem Prolog entscheidet ihr euch für einen Charakter, dessen Storyline ihr durchspielt. Um die komplette Geschichte mit allen Nuancen zu erfahren, müsst ihr die Story von jedem der drei beenden. Es werden hierbei verschiedene Speicherstände angelegt, sodass ihr nicht gezwungen seid, eine Storyline komplett von vorne bis hinten zu spielen. Ihr könnt auch jederzeit zu einem anderen Schwertträger wechseln, allerdings hat es sich beim testen als befriedigender herausgestellt, zuerst die angefangene Kampagne zu beenden, um am Ende jedes Detail der Story zu kennen. Während ihr die Levels erforscht, werdet ihr viele bekannte Gesichter sehen. Unter anderem Schneewittchen und die sieben Zwerge, Peter Pan und natürlich Mickey Mouse haben Gastauftritte in Square Enix' neuem Spiel. Die bereits bekannten Geschichten werden hierbei auf humorvolle Art neu interpretiert und ihr werdet euch nicht nur einmal in eure Kindheit zurückversetzt fühlen. Ansonsten bietet Birth by Sleep neben den zahlreichen Kämpfen viele unterhaltsame Minispiele und auch Schatzsucher werden auf ihre Kosten kommen, denn es gibt in den Levels viele Extras zu entdecken.

Obwohl ihr nur mit einem Charakter in den Kampf zieht, sind die anderen immer bei euch. Dies funktioniert über eine Funktion namens D-Link. Mit dieser können die Fähigkeiten der beiden anderen Freunde eingesetzt werden. Wird diese Funktion genutzt, füllt sich die Kommandoleiste, die, wenn sie voll ist, euren Charakteren einen mächtigen Finishing-Move ausführen lässt. Wie dieser aussieht, hängt von eurer Spielweise ab: Führt ihr zum Beispiel eine Kombo mit Feuerattacken aus, entfesselt euer Charakter am Ende einen mächtigen Feuersturm. Das Kampfsystem wurde größtenteils aus den Vorgängern für Sonys Playstation 2 übernommen, aber gut auf die Eigenschaften der PSP zugeschnitten. Grund zur Kritik gibt es lediglich für das Log-On-System und die Kamera, die beide etwas hakelig zu bedienen sind und zudem nicht immer besonders intelligent reagieren. So wird es nicht nur einmal passieren, dass ihr, statt euren Gegner zu schlagen, Vasen oder andere Objekte zerstört. Ansonsten werdet ihr im Verlauf des Spieles viel Spaß mit dem Kampfsystem haben, vor allem die Bosskämpfe sind sehr spannend inszeniert. Das Besiegen von Gegnern bringt euch Geld, dass ihr dann in neue Gegenstände und Zaubersprüche investieren könnt. Nach dem Abschluss einer der zahlreichen Welten von Birth by Sleep erhaltet ihr zudem ein neues Schlüsselschwert. Wer ein Problem mit bunten Farben und schnellen Kampfabläufen hat, sollte allerdings einen weiten Bogen um dieses Spiel machen.

Grafisch ist Birth by Sleep eines der besseren Spiele für die PSP: Obwohl der Kulleraugenstil der Charaktere sicherlich nicht jedermanns Sache ist, an der technischen Ausführung gibt es kaum etwas auszusetzen. Die Umgebungen sind bis auf einige matschige Texturen sehr schön, die Kämpfe bestechen durch bunte Lichteffekte und das teilweise sehr außergewöhnliche Gegnerdesign. Außerhalb der Kämpfe wirkt die Welt aber leider oft etwas leblos. Die Musik ist oft an die Werke Walt Disneys angelehnt und bietet einen abwechslungsreichen Mix aus beiden Universen.

Fazit

Für jeden Fan der Reihe ist Birth by Sleep eine willkommene Möglichkeit, Kingdom Hearts auch mobil zu genießen. Abstriche wurden kaum gemacht, weder was die Technik noch Spiellänge angeht. Um die Story mit jedem Charakter abzuschließen, werdet ihr mindestens vierzig Stunden benötigen. Das Kampfsystem ist gut wie eh und je, allerdings mussten Kompromisse wegen dem begrenzten Tastenlayout der PSP eingegangen werden. So kann es passieren, dass euch nach längeren Sessions die Hand weh tut. Dies sind aber nur marginale Kritikpunkte an einem ansonsten durchaus gelungenen neuen Ableger der Kingdom Hearts-Reihe. Fans der ersten Spiele greifen zu, alle anderen spielen Probe, weil der Stil sehr eigenwillig und sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Benjamin Dross

Wertung: 8/10

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