Videospielkultur.de - Das Magazin für Videospielkultur

Das Magazin für Videospielkultur

Videospielkultur.de » Testberichte

30. 04. 2008

Testbericht: Lost

Reif für die Insel! Ubisoft beschert allen Lost-Fans ein längst überfälliges Geschenk: Ein Spiel zu einer der spannendsten Serien, die je aus Amerika zu uns herübergeschwappt ist. Die Entwickler haben sich dabei so nah an der Vorlage orientiert, dass Lost eher einer interaktiven TV-Folge gleicht. Ein gelungenes Konzept?

Alles beginnt mit dem Unvermeidlichen: Während des Fluges Oceanic 815 von Sydney nach Los Angeles kommt es plötzlich zu heftigen Turbulenzen. Das Flugzeug stürzt ab und zerbricht in zwei Teile. Die wenigen Überlebenden dieses Höllenritts finden sich auf einem verlassenen Eiland mitten im Nichts wieder. „Alles schön und gut, ich hab auch Castaway mit Tom Hanks gesehen“, werden jetzt einige von Euch denken. Doch weit gefehlt: Irgendetwas seltsames geht auf der Insel vor, zudem scheinen die Schicksale der unterschiedlichen Charaktere auf geheimnisvolle Weise miteinander verwoben zu sein.

Screenshot: LostWas die Serie so spannend hält, ist der gekonnte Mix aus Mystery und Seifenoper. Am Anfang weiß der Zuschauer so gut wie nichts über die Handlung und die Charaktere, aber nach und nach fügen sich die Puzzleteile zusammen. Häppchenweise wird die Story mit Rückblenden und fiesen Cliffhangern vorangetrieben, sodass man jede Woche mit schweißnassen Händen auf die nächste Episode wartet. Auch bei der Versoftung hat man sich dieser Eigenschaften angenommen: Um auch den Fans der Serie noch etwas Neues bieten zu können, spielt man in Lost einen komplett neuen Charakter, den es in der Serie noch nicht zu sehen gab. Bei dem Absturz hat unser Held sein Gedächtnis verloren, und so stapft ihr zunächst verwirrt und namenlos über den bekannten Strand des Eilands. Sehr nett: Auch alle bekannten Gesichter der Serienvorlage treiben sich dort herum. Nach kurzen Pläuschen mit Kate. Locke und Sawyer – alle Charaktere werden von den originalen Synchronsprechern der Serie vertont – bekommen wir von Jack eine erste Aufgabe: Wir sollen einen Stromkreis umleiten, um ein Feuer zu löschen. Schon stehen wir vor dem ersten von einigen Minispielen, die allerdings jedem Vorschulkind mit etwas Probieren gelingen sollten. Leider wiederholen sich die Einlagen auch immer wieder im Laufe des Spiels, sodass sich echte Profis schnell unterfordert fühlen werden.

Screenshot: LostNachdem ihr also ein paar kleinere Aufgaben gelöst habt, folgt plötzlich eine Zwischensequenz: Ihr werdet von einem mysteriösen Fremden attackiert. Und bitte: Das Kapitel ist beendet, das Spiel lässt euch mit diesem Cliffhanger stehen. Nach einer kurzen Ladepause folgt der nächste Spielabschntt, der von der typischen „Bisher bei Lost“-Intro eingeläutet wird. Das hält bei Laune und lenkt von dem eher eintönigen Gameplay ab. Während die Story für die ganze Spannung sorgt, werden in Verlaufe des Spiels nämlich leider sämtliche Spielelemente öfters wiederholt. Seien es nun die Ausflüge in dunkle Höhlen oder die Flucht durch den Urwald vor einer mysteriösen schwarzen Wolke: Ziemlich schnell hat man alles gesehen, wobei viele dieser Abschnitte auch für mehr Frust als Lust sorgen. Dennoch werden gerade Fans der Serie aufgrund der typischen, spannenden Storyline am Ball bleiben.

Screenshot: LostWesentlich gelungener ist hingegen die grafische Präsentation: Dank der Engine von Ghost Recon: Advanced Warfighter 2 wirken besonders die Dschungelabschnitte einfach phänomenal. Hier herrscht eine absolut dichte Atmosphäre, die den sonst meist so schludrigen Lizenzgurken zeigt, wie so ein Titel auch aussehen kann. Auch die Lichtspielereien in den Höhlenabschnitten stehen dem in nichts nach. Etwas lieblos wirken dagegen die Gesichter und Animationen der zahllosen Darsteller: Zwar sind alle Schauspielvorlagen auf Anhieb zu erkennen, dennoch hätte bei den Animationen der Mimik etwas Feinschliff nicht geschadet. So wirken die zahlreichen und teils sehr langen Gespräche eher ermüdend und nehmen dem Spiel etwas von seiner sonst so dichten Atmosphäre. Sound wird eher spärlich eingesetzt, das Gefühl der Isolation wird dadurch aber gekonnt verstärkt. In dramatischen Szenen wird das Geschehen allerdings mit sehr passender und bedrohlicher Musik untermalt.

Fazit

Von wegen Lizenzgurke: Lost zeigt der eilig zusammengezimmerten Konkurrenz, wie ein Titel aus diesem Genre aussehen kann, wenn man nur genug Zeit investiert und die Vorlage ernst nimmt. Man merkt deutlich, dass die Schöpfer der Serie bei der Entstehung des Spiels ein gehöriges Wörtchen mitgeredet haben. So erwartet Fans der Serie eine gelungene Lost-Atmosphäre, der zu Liebe man auch gerne die wenigen technischen und spielerischen Macken übersieht. Generell stört nicht die Präsentation, sondern vor allem das Gameplay, das stellenweise zu sehr für Casual Gamer optimiert wurde. Veteranen wird es schnell unterfordern und so vielleicht langweilen. Die Story hingegen ist über alle Zweifel erhaben und dürfte auch Action-Adventure Fans gut unterhalten, die mit der Serie bisher nicht in Berührung gekommen sind. Dazu kommt ein wirklich fairer Preis von knapp 40 Euro, der die Kaufentscheidung zusätzlich erleichtert. Simon Weiß

Kommentare

Kommentar verfassen:

Dein Name:   

Sicherheitscode:  


Bisherige Kommentare: