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15. 10. 2007

Testbericht: Medal of Honor - Airborne

Schon immer standen die Spiele der "Medal of Honor" Reihe für mehr oder weniger filmreife Action, die im zweiten Weltkrieg angesiedelt war. Der neueste Teil bereichert die Serie nun um die Komponente des Fallschirmspringens. Am Gameplay ändert sich dadurch zwar fast nichts, aber dennoch lohnt sich ein Blick auf Medal of Honor - Airborne, denn die technische Entwicklung hat auch vor diesem Titel nicht halt gemacht.

Wie in den Vorgängern durchleben sie auch in Medal of Honor - Airborne eine mehr oder weniger zusammenhängende Kampagne, die diesmal aus der Sicht eines Soldatentrupps einer Luftlandeeinheit der Amerikaner erzählt wird, der auch ihre Spielfigur angehört. Doch bevor sie ins kalte Wasser einer Weltkriegsschlacht geworfen werden, erwartet sie zunächst ein eher kurzes Tutorial: Da sich Medal of Honor - Airborne größtenteils der altbekannten Ego-Shooter Steuerung per WASD-Tastenblock bedient, lernen sie im Tutorial nur, wie sich der Fallschirm in der Luft verhält und wie man richtig landet. Da sich auch dies eigentlich intuitiv erschließt, ist das Tutorial bereits nach einigen Sprüngen beendet.

Screenshot: Medal of Honor - AirborneIn der ersten Mission der insgesamt sechs Einsätze umfassenden Kampagne verschlägt es sie nach Sizilien, wo eine von den Deutschen kontrollierte Stadt von ihnen befreit werden soll. Auch in Medal of Honor - Airborne bestehen die Missionen aus einzelnen Zielen, die der Reihe nach abgearbeitet werden müssen, um den jeweiligen Einsatz erfolgreich abzuschließen. Erfreulich ist jedoch, dass die einzelnen Einsatzziele nicht linear abgearbeitet werden müssen, sondern sie selbst wählen können, welchem Ziel sie sich als erstes widmen. Die Freiheit, die ihnen das Spiel gewährt, reicht sogar noch weiter, denn oft können sie sich durch die Einsatzorte relativ uneingeschränkt bewegen und auf mehreren Wegen zu markanten Punkten vorstoßen. Nach der Landung in der sizilianischen Stadt Adanti bleibt es ihnen also selbst überlassen, welches der Flugabwehrgeschütze, die sie zerstören sollen, sie zunächst aus dem Weg räumen.

Nach Erreichen eines Einsatzzieles wird der Spielfortschritt wie gewohnt als Kontrollpunkt abgespeichert. Da man ansonsten nicht speichern kann, bleibt das Medal of Honor typische Gameplay, bei dem man sich wirklich Sorgen um seine Gesundheit macht erhalten. Wie eingangs erwähnt, spielt das Fallschirmspringen bei Medal of Honor - Airborne keine so große Rolle, wie man ursprünglich vermuten könnte, denn ist man erstmal gelandet, wird der Fallschirm von ihrer Spielfigur natürlich abgelegt. Im Zusammenhang mit den Kontrollpunkten ergibt sich allerdings ein zunächst verwirrender, insgesamt interessanter Ansatz: Haben sie beispielsweise ein Einsatzziel am einen Ort der Karte erreicht und segnen daraufhin das Zeitliche, so starten sie nicht etwa am Ort des erfolgreich abgeschlossenen Einsatzzieles, sondern erneut in der Luft, so dass sich die Chance ergibt, direkt in der Nähe des nächsten Einsatzzieles zu landen.

Screenshot: Medal of Honor - AirborneBegleitet werden sie beim Absprung natürlich von einer Gruppe weiterer Fallschirmspringer, die glücklicherweise auch immer in der Nähe von ihrer Spielfigur landen und auch sonst nicht dumm sind: Mehr oder weniger selbstständig bahnen sich befreundete KI-Soldaten den Weg zum jeweiligen Missionsziel vor oder folgen ihnen über die Karte. Gefallene Soldaten werden relativ zügig durch Nachschub aus der Luft ersetzt - hier kommt das Luftlandeszenario noch am prägnantesten rüber. Ganz ohne ihre Hilfe kommen ihre KI-Kollegen dann aber doch nicht aus, denn ob der schieren Gegnermasse, die sie zumeist am Einsatzort erwartet, liegt es nicht selten an ihnen, für die entscheidende zahlenmäßige Überlegenheit zu sorgen, indem sie gleich mehrere Gegner mit gezielten Schüssen erledigen. Dass der Spieler immer noch im Mittelpunkt steht, merkt man ansonsten vor allen Dingen bei den Einsatzzielen, denn Eisenbahnwaggons, Flugabwehrgeschütze oder Funkstationen können ausschließlich von ihnen höchstpersönlich zerstört werden.

Screenshot: Medal of Honor - AirborneDie Kämpfe selbst können ebenso wie die Atmosphäre als fantastisch bezeichnet werden, denn bis auf die Tatsache, dass ihre Spielfigur einiges einstecken kann und sich teilweise selbst regeneriert, wirken die Kämpfe sehr authentisch und zusammen mit der grandiosen Musik und der überzeugenden Grafik entsteht eine ausgesprochen beklemmende Atmosphäre, die selbst beim Soldaten James Ryan nicht wesentlich packender ist: Vor allen Dingen die Hilflosigkeit, der man teilweise im Kugelhagel ausgesetzt ist, findet sich in Medal of Honor - Airborne wieder und kann oft nur durch einen Rückzug oder das Eintreffen von Verstärkung gelöst werden. Auch der Waffeneinsatz wurde recht authentisch umgesetzt, Schnellfeuerwaffen streuen nachwievor sehr stark und brauchen jede Menge Munition, so dass man in den meisten Situationen mit Repetiergewehren oder Karabinern besser zurecht kommt. Dennoch gibt es einige Situationen wie das Stürmen einer größeren Bunkeranlage in der Normandie, in denen sich auch der Einsatz von Maschinenpistolen lohnt.

Größer Kritikpunkt an Medal of Honor - Airborne ist der Umfang: Die Kampagne besteht aus lediglich 6 Missionen, die selbst wenn man sich Zeit lässt in gut 10 Stunden durchgespielt sind. Aufgrund der angesprochenen Nichtlinearität und den zahlreichen Medaillen und Abzeichnungen die für bestimmte Verdienste wie das Durchspielen einer Mission ohne dabei zu fallen oder geschickten Waffeneinsatz verliehen werden, regt das Spiel zwar durchaus zum mehrmaligen Durchspielen an, aber selbst beim Absolvieren aller drei Schwierigkeitsgrade bleibt letzten Endes ein fader Beigeschmack, denn von Vollpreisspielen ist man eigentlich mehr gewohnt.

Screenshot: Medal of Honor - AirborneDer mangelhafte Umfang ist umso ärgerlicher, als dass die vorhanden Missionen durchaus ein intelligentes Leveldesign aufweisen und zur gelungenen Atmosphäre von Medal of Honor - Airborne beitragen: Ob bei der Landung in der Normandie, bei der Operation Market Garden oder Kämpfen in einem Stahlwerk im Ruhrgebiet, Medal of Honor - Airborne macht stets eine gute Figur. Großen Anteil hieran haben die Umgebungsgrafiken, die nicht nur aus nächster Nähe überzeugen, sondern auch in der Ferne noch gut aussehen: Ob Flugzeuge, Fallschirmspringer und Flakscheinwerfer im Nachthimmel, Schiffe im Atlantik oder riesige Industrieanlagen entlang der Ruhr, selbst entfernteste Objekte wurden überzeugend umgesetzt. Einige nicht ganz authentische Spielelemente wie Elite-Soldaten der Deutschen, die mit Gasmasken und Maschinenpistolen daherkommen dürften Historiker zwar verschrecken, sorgen aber für eine ähnlich interessante Atmosphäre wie in Battlefield 1942 - Secret Weapons.

Fazit

Medal of Honor - Airborne macht fast überall eine gute Figur: Ob Handbuch, Atmosphäre, Gameplay, Wiederspielwert oder Nichtlinearität, all dies kann sich mehr als sehen lassen und sorgt für durchaus abwechslungsreichen Spielspaß. Einzig der Umfang spielt bei dieser Lobeshymne überhaupt nicht mit, 6 Missionen sind einfach viel zu wenig für ein Vollpreisspiel. Wer auf den Online-Modus, der sich auf Standard-Modi wie Team-Deathmatch und Capture the Flag beschränkt, verzichten kann, sollte daher warten, bis Medal of Honor - Airborne als Budget-Titel erscheint. Mario Siewert

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