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24. 06. 2011

Testbericht: Men of War: Red Tide

Denkt jetzt nicht an eine weiße Maus! Ha, erwischt. Versuchen wir es noch einmal: Zweiter Weltkrieg und eine Landung vom Meer aus. Nicht die Normandie! Im Addon zu Men of War, Red Tide, schickt man den Spieler zur Abwechslung mal an einen anderen Ort im zweiten Weltkrieg. Statt 1944 in der Normandie zu landen, verschieben die russischen Entwickler von Best Way das Spielgeschehen an die Schwarzmeerküste. Satt Amis und Engländern kämpfen hier die sowjetischen Streitkräfte gegen die deutschen Angreifer und seine Verbündeten.

Screenshot: Men of War: Red TideUnd die sind zum Spielbeginn schon recht weit vorgerückt: Die Hafenstadt Odessa wird nur noch von 35.000 Soldaten gehalten, das Zehnfache an Gegnern steht ihnen gegenüber. Alle Landwege sind dicht, per Luft kommt auch kaum noch etwas durch. Die einzige Rettung ist die Schwarzmeerflotte beziehungsweise deren gefürchtete Marineinfanterie.
Hier kommt der Spieler zum Einsatz. Als Kommandeur der "schwarzen Mäntel", wie die Marinesoldaten aufgrund ihrer Kleidung genannt werden, kämpft man sich durch eher unbekannte Schlachten des zweiten Weltkriegs. Die eben erwähnte Hafenstadt Odessa, Sewastopol, Theodosia, Eltigen, Nikolajew und Constanta sind die sechs Stadtionen der der Kampagne.

Das klingt erst einmal nicht nach viel, die sechs Kriegsschauplätze haben es aber in sich. Denn Men of War: Red Tide ist wohl härter als jeder Krieg. Ein Vorteil ist, dass man selbst nur wenige Einheiten steuern muss. Das geschieht auch ganz praktisch aus der typischen Strategie-Perspektive von oben herab. Allerdings steht man mit seinen wenigen Einheiten grundsätzlich einer Übermacht gegenüber und die KI reagiert auch noch teils unfair schlau.

Screenshot: Men of War: Red TideGlücklicherweise kann man seinen Trupp hinter so gut wie allem verstecken. Ein Scharfschütze hinter einem Strauch? Geht, aber kugelsicher ist das nicht. Hinter einem explodierten Panzer ist der Schutz schon eher garantiert. Im Spiel wird auch mit Silhouetten angezeigt, wo man sich verstecken kann. Ein Klick und die Mannen verschanzen sich. Es sollte aber nicht das Ziel sein, die gegnerischen Fahrzeuge zu zerstören, vielmehr gilt es die Panzer und Geschütze der Feinde zu kapern. Man selbst hat nämlich nichts. Sogar besser Waffen, Granaten, Sprengstoff und was ein Marineinfanterist sonst noch so braucht – alles findet man nur in der Landschaft verteilt. Oder "leiht" es sich bei einem toten Feind.

Die Grafik ist in Ordnung, obwohl es nicht an ein Company of Heros heranreicht. Dafür sind die Explosionen durchaus sehenswert. Die ganze Landschaft wackelt bei Mörserbeschuß, die Soldaten springen in Deckung.
Für Einsteiger ist Men of War definitiv zu schwer. Selbst Genre-Experten werden an den Kämpfen zu beißen haben. Nicht nur, dass man ständig in Unterzahl und schlechter bewaffnet ist, auch frei speichern ist nicht angesagt. Nur an den festgelegten Punkten darf man seinen Spielfortschritt sichern. Diese sind aber recht fair gelegt.

Screenshot: Men of War: Red TideEine Beispielsmission läuft dann folgendermaßen ab: Wie es sich für Marineinfanteristen gehört, landet man selbstverständlich an der Küste. Nachdem man seinen Trupp gesammelt hat, schickt man sie weiter ins Landesinnere. Und stirbt den Heldentod im Feuer der ratternden Maschinengewehre. Also von vorne. Statt einfach drauf los zu rennen, schickt man seinen Sniper vor. Der schaut sich erst einmal um und schält an Feinden aus, was er vor findet.

Auf der Rückseite der Verpackung bewirbt der Hersteller das Spiel als "Mischung aus Echtzeitstrategie- und Third-Person-Actionspiel". Nach einem Klick darf man nämlich die Geschicke eines Soldaten direkt steuern. Per Pfeiltasten bestimmt man die Richtung, getötet wird mit einem Klick.

Hat man so die feindlichen Stellungen etwas gelichtet, rückt der Rest der Truppe nach. Im Nahkampf setzt die mit Maschinenpistolen bewaffneten Truppen die MG-Stellung außer Gefecht und bemannt die Waffe sogleich wieder. Eine zuvor leichengeflederte Granate räumt den Rest des Schützengrabens recht undiplomatisch auf. Jetzt noch das MG gedreht und schon rennen die Feinde ins Feuer. Aufgabe erledigt.

Sechs Einsätze sind auf dem Papier nicht viel. Dadurch, dass Entwickler Best Way auf der Karte zahlreiche weitere Aufgaben verteilt hat, ist jedoch immer etwas zu tun. Sofern man das Missionsziel gleich findet. Denn leider hilft die Minikarte manchmal nur schlecht weiter.

Screenshot: Men of War: Red TideHilfreicher ist hingegen die Pausentaste. Hier wirkt das Spiel fast schon wieder wie das gute alte Commandos. So lässt sich auch mal eine Lage besser analysieren und es kann in Ruhe ein Gegenschlag geplant werden. Etwas nervig ist hingegen das Drumherum. Die nach Keyboard und Synthie –Pop klingend Hintergrundmusik stört spätestens nach der dritten Wiederholung. Und auch die Sowjet-Propaganda wirkt ab und zu wirklich lächerlich. Sicherlich, die Marineinfanteristen waren Helden und retteten dank ihres erfolgreichen Einsatzes einen Großteil der Zivilbevölkerung von Odessa. Aber das ist schon nach dem Intro jedem klar und muss nicht vor jeder Mission aufs neuste Aufgewärmt werden.
Etwas Geschichte lernt man auch: So erfährt man, dass nicht nur die Deutschen in die Sowjetunion eingefallen sind, sondern mit ihnen auch gleich die italienischen und rumänischen Truppen. Gerade letzter werden während des Spielverlaufs weitaus öfters verflucht als die Deutschen. "Scheiß Rumänen" als einer der ersten Sätze im Spiel mag zwar in die Zeit passen, wirkt aber heute seltsam.

Ein Multiplayer fehlt Men of War: Red Tide leider komplett. So bleibt nur die Singleplayerkampange, die auf Grund ihres Schwierigkeitsgrades selbst für Experten eine Herausforderung darstellt.

Fazit:
Men of War: Red Tide ist kein schlechtes Spiel. Es ist nur kein Spiel für jedermann. Fehlendes Tutorial, knackige Missionen und eine manchmal fummelige Steuerung sowie die etwas trockene Präsentation machen aus Men of War: Red Tide ein Spiel für Profis. Die können sich aber in den Schlachten verlieren, ihre Einheiten perfekt ausrüsten und die ideale Strategie zur Rettung Mütterchen Russlands finden. Hier überzeugt Men of War: Red Tide mit mehr Tiefgang als ein Kreuzer und sorgt demnach auch für viel Spaß. Bis mal wieder die komplette Truppe ins MG-Feuer läuft und man die Maus vor Wut an die Wand haut. Florian Budnik

Wertung: 7 / 10

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