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27. 09. 2010

Testbericht: Ninety Nine Nights 2

Wenn der Daumen monoton auf die Tasten einhämmert, das virtuelle Schwert durch hunderte düsterer Schergen fährt und unfaire Speicherpunkte den Controller fliegen lassen. Ja, dann ist es Zeit für...Genau, für Konami-Geschnetzeltes in Form von Ninety Nine Nights 2. Diesmal kommt die virtuelle Fleischplatte von den Entwicklern Feelplus und Q Entertainment, wobei letztere bereits am Vorgänger mitgewerkelt haben. Wie sich das blutige Gekloppe schlägt, erfahrt ihr in unserem Test.


Ninety Nine Nights 2Manchmal kann man sich als Spieler wirklich fragen, wer für gewisse Bereiche in der Entwicklung verantwortlich ist. Ich gehe sogar soweit und frage mich, ob für Ninety Nine Nights 2 überhaupt eine Art Autorenteam zusammengestellt wurde. Offenbar nicht, denn die Geschichte plätschert dermaßen gelangweilt dahin, dass es wehtut. Es geht, kurz gesagt, um den Kampf zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis und einen dunklen Lord, der die Welt in Finsternis hüllen will. Klingt zunächst nach Der Herr der Ringe, ist es aber nicht. Während Tolkien´s Saga rund um den Einen Ring mit einer Vielzahl tiefgängiger Charaktere und äußerst spannenden Story-Ereignissen begeistert, zeigt Ninety Nine Nights 2 auf zweifelhafte Weise, wie man Geschichten langweilig erzählt. Hin und wieder erscheinen vollkommen emotionslose Zwischensequenzen, die darüber hinaus äußerst billig inszeniert sind, nur um sich danach wieder dem Gemetzel zu widmen. Das ist schwach, langweilig und lädt nicht zum Weiterspielen ein, schon gar nicht bei dem Gameplay.

99 Nächte Schlachtfest

Ninety Nine Nights 2Denn spielerisch darf man vor allem eines: draufhauen. Das war´s dann eigentlich auch schon. Während des Spiels schlüpft ihr in die Rolle von insgesamt fünf verschiedenen Kriegern unterschiedlicher Rassen, darunter Menschen, Elfen und Goblins, die natürlich allesamt mit unterschiedlichen Spezialfähigkeiten und "Stories" daherkommen. Allerdings ist es irrelevant, mit wem ihr spielt, das Prinzip bleibt dasselbe. Wenn der Fokus schon auf reinem Buttonsmashing liegt, dann doch bitte in beeindruckender Manier. Pustekuchen. Eure Feinde, die -das Aussehen betreffend- teils an die bereits angesprochene "Der Herr der Ringe"-Trilogie erinnern, scheinen die letzte Taktik-Schulung ihres dunklen Meisters verpasst zu haben. Sie rennen auf euch zu, lassen sich töten und dann geht das Spiel von vorne los. KI kann man das nicht nennen Passenderweise generieren sich neue Feindeswellen oft an Beschwörungstürmen, damit ihr nach dem Herumgekloppe noch einmal Selbiges tun dürft. Oder ihr schlagt den Spawnpunkt in seine Einzelteile. Manchmal bekommt ihr es auch mit zum Teil recht großen Bossgegnern zu tun, die, sofern man sich auf ihre Automatismen und Anfälligkeiten eingestellt hat, auch keine all zu großen Herausforderungen darstellen. Im Kampf gegen die dunkle Brut helfen euch Magiefertigkeiten, die sich rollenspielähnlich verbessern lassen oder für die ihr im Laufe des Spiels weitere Zaubersprüche festlegt. Jedoch benötigen mächtige Druckwellen und weitere nette Magien eine gewisse Zeit, um sich aufzuladen. Zudem füllt sich unter eurer Energieleiste eine weitere, die ihr mit dem Töten der Horden von Gegnern auffüllt. Ist sie ausreichend gefüllt, könnt ihr etwa in einer Art Trance-Zustand mit eurer Waffe noch kräftiger austeilen oder Feuerschwerter heraufbeschwören, die deutlich machen, wer das Sagen hat in diesem Krieg.

Ninety Nine Nights 2An sich stellt das Spiel keine große Herausforderung dar, weil ihr, mal abgesehen von diversen Bossgegnern, übermächtig seid, im Vergleich zu euren niedlich erscheinenden Widersachern. Doch trotzdem birgt der Titel ein gewisses Frustpotenzial, was an zwei Dingen liegt. Punkt 1: Spielerische Tiefe sucht man vergebens, stattdessen bricht auf euch ein monotones Gewitter an Gegnermassen herein. Punkt 2: Die Speicherpunkte sind zum Teil dermaßen weit auseinandergesetzt, dass man das Gefühl des künstlichen ‚In-die-Länge-Ziehens‘ nicht los wird. Wenn man sich 10, 15 oder 20 Minuten durch Abschnitte kämpft, selbst einen Zwischengegner besiegt und man dann wieder an dem Punkt von vor 20 Minuten beginnen muss, falls man einmal ins virtuelle Jenseits befördert wird, ist das alles Andere als motivierend. Ich bin kein Freund von Schnellspeicherfunktionen, aber fairere Rücksetzpunkte wären deutlich angenehmer gewesen.

Wie so viele Titel heutzutage, beinhaltet auch dieser einen Mehrspielermodus in Form eines Zwei-Spieler-Koop-Modus, der euch allerdings nicht die Kampagne gemeinsam bestreiten lässt, sondern in eigens erstellten Level gegen die Horden der Dunkelheit antreten lässt. Spielerische Abwechslung sucht man allerdings auch hier vergebens und so artet das Spieldesign auch hier zu lahmer Monotonie aus. Zwar gibt es verschiedene Modi, etwa "Survival", bei dem ihr einfach nur überleben müsst oder "Escort", in dem es an euch liegt, eine Gruppe Zivilisten zu einem sicheren Plätzchen zu geleiten, doch der Weg dahin führt stets über denselben Gameplaypfad.

Technik von vorgestern

Ninety Nine Nights 2So lahm das Gameplay, so lahm die Technik. So kann man die technische Seite von Ninety Nine Nights 2 beschreiben. Vor allem die Umgebungen wirken oft sehr, sehr trist und tot. Wenn ihr etwa durch eine Burg stürmt, diese jedoch überhaupt kein Leben aufweist, kann man sich schon fragen, warum sie denn überhaupt erobert werden muss, denn dort ist niemand, der sie bewohnt oder für taktische Dinge nutzt. Hier zerstört die Technik also zum Teil sogar die Glaubwürdigkeit der Abschnitte. Das Geschehen wirkt insgesamt sehr veraltet: matschige Texturen, eintöniges Charakterdesign und zum Teil üble Einbrüche der Framerate. Zwar war der Vorgänger auch keine Schönheit, wirkte alles in allem aber sauberer und runder. Vor allem die Spezialattacken wirkten deutlich brachialer, als jene im Nachfolger, die bestenfalls als "nett" bezeichnet werden können. Schade. Auch der Sound kann keinerlei Akzente setzen. Im Hintergrund dudelt euch belanglose Musik ohne Leitthema um die Ohren und das Gefühl, mittendrin in einer Schlacht zu sein, kommt nicht auf. Die englische Sprachausgabe ist dabei ebenso auswechselbar und lässt keinerlei echte Emotionen erkennen.

Fazit

Monotonie scheint bei einigen Entwicklern hoch im Kurs zu stehen. Nachdem bereits Kane and Lynch 2: Dog Days an seiner schlecht ausgearbeiteten Geschichte und einem immergleichen Gameplay scheiterte, trifft dieses Schicksal nun auch Ninety Nine Nights 2. Es kann einfach nicht der Ernst sein, dass man von Spielern verlangt, sich durch Unmengen von Gegnermassen zu kloppen und dabei keinerlei motivierende Erlebnisse und Features vorzufinden sind. Stattdessen trifft man auf verblödete Gegner, einem stets gleich ablaufenden Gameplay, einer Technik, die selbst eine Playstation 2 noch locker gepackt hätte und eine Geschichte, die dermaßen langweilig und ideenlos ist und dabei noch vollkommen öde inszeniert und erzählt wird, dass man sich wirklich die Frage stellen muss, wem man das andrehen will. Bestenfalls kommen Freunde von Dynasty Warriors und Co. auf ihre Kosten, die immerhin bei maximal dreißig Euro liegen, doch alle anderen sollten dieses seelenlose, auf dem Markt geworfene Machwerk, im Regal verstauben lassen. Hack'n'Slay muss nicht zwangsläufig eintönig sein. Hier jedoch schon. Alexander Börste

Wertung: 2/10


Wertung: 2/10

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