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28. 05. 2008

Testbericht: Rainbow Six Vegas 2

Team Rainbow ist wieder da: Die schillernde Metropole Las Vegas ist zum zweiten Mal Schauplatz eines Kampfes der Guten gegen eine Hand voll Terroristen. Nachdem das Elite-Team im ersten Teil seinen Auftrag nicht abschließen konnte, war eine Rückkehr in die Stadt der Sünde unvermeidlich. Ist Rainbow Six Vegas 2 also nur eine späte Verlängerung des ersten Teils?

Screenshot: Rainbow Six Vegas 2Die Rainbow-Reihe ist schon immer ohne eine echte Story ausgekommen, und so ist es auch diesmal: Irgendein fieser Oberschurke hat sich mit Geiseln irgendwo in Las Vegas verschanzt und droht damit, die halbe Stadt in die Luft zu sprengen, falls die Regierung seine Forderungen nicht erfüllt. Die denkt aber gar nicht daran und holt lieber einen Polizeiveteran namens Bishop aus dem verdienten Ruhestand, damit dieser mit einer Spezial-Eingreiftruppe wieder alles ins Lot bringt. Natürlich übernehmt ihr die Rolle des alten Haudegens, und so kommt es, dass ihr euch nach einer kurzen Mission in den Pyrenäen in der glitzernden Stadt der Sünde wiederfindet. Die Story ist dabei nicht gänzlich neu oder führt die ursprüngliche fort, sondern erzählt die des ersten Teils lediglich aus einem anderen Blickwinkel.

Screenshot: Rainbow Six Vegas 2Auch beim Gameplay muss man die Neuerungen mit der Lupe suchen: Euer dreiköpfiges Team lässt sich fast genau so steuern wie im ersten Teil. Auf Tastendruck scheucht ihr eure Untergebenen von einem Ziel zum nächsten oder weist sie an, euren Gegnern Granaten entgegen zu schleudern. Dabei hat Ubisoft wieder viel Wert auf Realismus gelegt: Nur vorsichtiges Vorgehen führt zum Ziel, schon eine eingefangene Kugel kann euer virtuelles Leben beenden. Deshalb ist der Spielablauf eher gemächlich: Bevor ihr einen Raum stürmt, solltet ihr diesen mit der „Snake-Cam“ untersuchen. Die dort ahnungslos wartenden Feinde könnt ihr so für den Sturm markieren. Auf Befehl öffnen eure Kameraden dann die Tür und eliminieren blitzschnell jeglichen Widerstand in der von euch festgelegten Reihenfolge. Besonders auf den unteren Schwierigkeitsgraden lässt es sich aber prima ohne Taktik vorgehen, womit Vegas 2 auf Wunsch zum 08/15-Shooter verkommt. Auch die KI trägt ihren Teil dazu bei: Leider scheinen die Aussetzer im Vergleich zum Vorgänger eher noch zugelegt zu haben. Oft passiert es, dass sich eure Teamkameraden einfach ohne ersichtlichem Grund den Befehlen widersetzen oder beim Vorrücken an harmlosen Hindernissen hängen bleiben. Auch die Gegner scheinen zwischendurch ins Wachkoma zu fallen und lassen sich oft bereitwillig ohne Gegenwehr ins Jenseits befördern. Hier hätten die Entwickler eigentlich aus dem ersten Teil lernen sollen.

Screenshot: Rainbow Six Vegas 2Generell gilt aber: Trotz der Aussetzer sind die Gegner kein Pappenstiel. Wie bereits erwähnt braucht es nicht viel, um euch zu Fall zu bringen. Tauchen die Widersacher dann noch schwer gepanzert und in Massen auf, kommt auch der abgebrühteste Taktiker ins Schwitzen. Dank des weiterhin hervorragenden Deckungssystems seid ihr aber alles andere als machtlos: So hechtet ihr von einer Deckung zur nächsten und nehmt die Gegner gut geschützt unter Feuer. Die einprägsame Steuerung kommt euch dabei zugute. So könnt ihr während der Gefechte mit wenigen Knopfdrücken eure Teammitglieder durch die Gegend scheuchen, Deckung nehmen oder Granaten werfen lassen. In diesen Momenten strotzt Vegas 2 vor Dynamik und lässt das Herz jedes Fans von realistischen Shootern aufgehen.

Screenshot: Rainbow Six Vegas 2Die größte Neuerung ist jedoch das so genannte „A.C.E.S.“-System, das eure Spielweise entweder belohnt oder abstraft. Dazu erhaltet ihr zum Beispiel Erfahrungspunkte für taktisches Vorgehen, Kopftreffer und andere schwierige Manöver. Fangt ihr euch hingegen aus reiner Unvorsichtigkeit eine Kugel ein, werden euch wieder Punkte abgezogen. So steigt ihr nach und nach in eurem Rang auf und schaltet neue Waffen oder Ausrüstungsgegenstände frei. Zudem wurde dieses Rangsystem auch noch mit dem hervorragenden Multiplayer gekoppelt, sodass ihr einen gemeinsamen Rang für beide Modi erreichen könnt. Das „A.C.E.S.“-System ist ein ungeheures Plus für die Motivation und hebt Vegas 2 von seinem Vorgänger deutlich ab. Das Problem an der Sache: Spieler für das Töten zu belohnen bereitet der deutschen USK seit jeher Kopfschmerzen. Das Resultat ist, dass Ubisoft nach langer Verschiebung gezwungen war, das „A.C.E.S.“-System vollständig aus der deutschen Version zu entfernen, um überhaupt eine Freigabe zu erhalten. So steigt man zwar immer noch im Rang auf, erhält aber nur noch ein paar neue Ausrüstungsgegenstände. Echte Boni und Mali sind in dem verstümmelten deutschen System nicht mehr vorhanden, auch die Belohnungen wurden fast vollständig entfernt. Volljährige Spieler sollten daher lieber den Import-Händler ihres Vertrauens aufsuchen, wenn sie in den Genuss des „richtigen“ Spiels kommen wollen. Denn auch Multiplayer-Fans kommen in Deutschland nicht mehr auf ihre Kosten: Besitzer der geschnittenen Fassung können auch nur gegen andere Spieler mit derselben Version online antreten. Das Resultat: Gähnende Leere auf den hiesigen Servern.

Screenshot: Rainbow Six Vegas 2Das ist ein echtes Ärgernis, da Ubisoft dem Multiplayer-Part besondere Aufmerksamkeit geschenkt hat. Bis zu 16 Spieler tummeln sich online und offline auf insgesamt zwölf Karten. Neben den bekannten Modi sind auch zwei echte Dauerbrenner hinzugekommen: Zunächst wäre da „Angriff und Verteidigung“, was sich grob mit dem Online-Hit Counterstrike vergleichen lässt. Hier muss beispielsweise ein Team eine Bombe legen, die die gegnerische Mannschaft möglichst schnell entschärfen sollte, um die Runde für sich zu entscheiden. Deutlich kreativer waren die Entwickler bei „Teamanführer“: Hier muss ein zufällig zum Anführer gewählter Spieler von seinen Kameraden zum Zielpunkt eskortiert werden. Das andere Team hat einen eigenen Anführer und die gleiche Aufgabe. Es gilt also, den eigenen Anführer zu beschützen und gleichzeitig den gegnerischen auszuschalten. Das besondere: Solange der eigene Anführer lebt, können gefallene Mitspieler nach einem Abschuss wieder ins Spiel einsteigen. Sind beide Anführer tot, kommt es zum klassischen Showdown zwischen den Überlebenden. In diesem Modus ist Teamwork absolut notwendig, eine willkommene Abwechslung vom häufigen Deathmatch-Einerlei der Konkurrenz.

Screenshot: Rainbow Six Vegas 2Absolut ärgerlich ist hingegen, dass die Entwickler nicht genau so viel Engagement bei der technischen Umsetzung gezeigt haben. Vegas 2 ist nämlich immer noch auf dem alten Stand der Technik und somit besonders im Vergleich mit anderen aktuellen Titeln einfach hässlich. Schlichte, eintönige Texturen und kaum bemerkenswerte Effekte oder Lichtspielereien nehmen dem Spiel viel von seiner Atmosphäre. Zu allem Überfluss kommt es auch noch regelmäßig zu Slowdowns. Auch die Wahl der Schauplätze ist eher suboptimal ausgefallen: Statt euch in pompösen Casinos mit blinkenden Lichtern und imposanter Architektur die blauen Bohnen um die Ohren zu jagen, hetzt ihr meistens durch langweilige Bürogebäude, eine Bibliothek oder schlichte Wüstenabschnitte. Somit hat man als Spieler nicht wirklich das Gefühl, in Las Vegas unterwegs zu sein, das Setting ist absolut austauschbar. Auch die Soundkulisse ist eher unterdurchschnittlich geraten: Während die Effekte und Waffengeräusche noch recht hörenswert sind, ist besonders die Sprachausgabe ziemlich hölzern ausgefallen. Die Abmischung ist ebenfalls stets unpassend, viele Gespräche gehen in der viel zu lauten Umgebung einfach unter. Kennern des Vorgängers dürfte zudem auffallen, dass der komplette Soundtrack bereits im ersten Teil zu hören war.

Fazit

Etwas mehr Mühe beim nächsten Mal bitte, liebe Entwickler bei Ubisoft: Für Vegas 2 wurde eindeutig zu viel vom Vorgänger recycelt. Besonders der Wegfall des „A.C.E.S.“-Systems deklassiert zumindest die deutsche Version zum schnöden Addon, hier solltet ihr nochmals sechs Prozentpunkte von der Wertung abziehen. Fans des Vorgängers können einen Blick auf die internationale Version riskieren, sollten dabei aber unempfindlich gegen die immer noch zahlreichen technischen Mängel sein. Immerhin: Unter der Tristesse verbirgt dich damals wie heute ein gelungenes Spielprinzip, das immer noch Spaß macht. Wer allerdings nicht allzu sehr auf den Polizeiaspekt versteift ist, sollte sich vielleicht lieber bei der Ghost Recon-Reihe aus dem gleichen Hause umschauen. Die Kollegen vom Militär machen nämlich aktuell eine deutlich bessere Figur. Simon Weiß

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