Videospielkultur.de - Das Magazin für Videospielkultur

Das Magazin für Videospielkultur

Videospielkultur.de » Testberichte

05. 07. 2010

Testbericht: SBK X - Superbike World Championship

Faszination Motorsport: Während sich der zweirädrige Motorsport größter Beliebtheit erfreut und zum Teil weit über 100.000 Menschen an die Rennstrecken dieser Welt lockt, fristet er auf virtueller Ebene noch immer eher ein Nischendasein. Digital regieren noch immer vier Räder in Form von Serien wie Forza oder Gran Turismo. Schade, denn auch virtuell kann Motorradsport begeistern, wie das neue Spiel zur laufenden Superbike-Weltmeisterschaft, SBK X – Superbike World Championship, deutlich unter Beweis stellt.

SBK X - Superbike World ChampionshipRennspielfreunde beglückt SBK X –Superbike World Championship mit einer Reihe von Spielmodi, wie man sie aus dem Genre kennt. Schnelle Rennen sind ebenso vertreten, wie Rennwochenenden, Meisterschaften und Zeitfahren. Zuvor müsst ihr euch jedoch für einen von zwei Spielstilen entscheiden. Da wären zum einen der Arcade- und zum anderen der Simulationsmodus. Im Grunde dient ersterer als nette Dreingabe für absolute Fahranfänger, liegt der Schwerpunkt doch eindeutig auf Simulation. Die Bikes fahren hier beinahe wie auf Schienen, rutschen nicht gefährlich weg, selbst wenn ihr aufs rutschige Grün kommt und das Herausbeschleunigen müsst ihr nicht feinfühlig dosieren, sondern könnt einfach Vollgas geben. Dem Arcademodus exklusiv vorbehalten ist der Story-Modus, in dem es unterschiedliche Herausforderungen zu bestehen gilt, etwa das Erreichen einer bestimmten Platzierung in der Schlussphase eines Rennens. Doch das Herzstück des Titels stellt ganz klar der Simulationsmodus dar. Eine Reihe von Einstellungsmöglichkeiten, wie beispielsweise den Grad der Simulation oder auch Bike-Konfigurationen, können hier nach euren Wünschen angepasst werden. Wer möglichst realistisch über die insgesamt 14 Strecken, darunter die „Kathedrale des Motorsports“ Assen und den Nürburgring, rasen will, sollte den höchstmöglichen Simulationsgrad einstellen. Beschleunigungsexzesse und viel zu spätes Anbremsen gehören von nun an der Vergangenheit an, denn sonst endet euer Rennen schneller, als euch lieb ist. Besonders spannend wird es nochmal wenn ihr den Reifenverschleiß einschaltet. Zu häufiges starkes Bremsen führt nun zu einer starken Belastung eurer Reifen, was euch gegen Rennende in ernsthafte Probleme bringen kann. Mit einem stark abgenutzten Reifen fährt es sich beinahe wie auf Schmierseife. Auf Wunsch können des Weiteren Verletzungen eures Fahrers und Schäden an eurem Motorrad eingeschaltet werden, wobei das Bike äußerlich, bis auf Dreck und Schrammen, keinerlei Schäden aufweist, sondern innerlich. Wenn etwa der Motor oder das Getriebe stark beschädigt sind, wirkt sich dies auch deutlich auf die Leistungsfähigkeit aus. Technische Totalausfälle, wie komplette Motorschäden, gibt es dagegen nicht.

SBK X - Superbike World ChampionshipDas Fahrverhalten hängt unweigerlich auch vom Zustand der Strecke ab. Während die Piste zu Beginn eines Rennwochenendes kaum Grip, also Haftung, aufweist, wird dieser im Laufe des Events deutlich besser. Es bilden sich schwarze Flecken und Streifen vom Gummi der Reifen, auf denen nun besonders viel Grip und damit höhere Geschwindigkeiten und ein stabileres Fahrverhalten möglich sind. Wichtig ist, auch tatsächlich immer auf der Strecke zu bleiben, denn in asphaltierten Auslaufzonen ist die Haftung deutlich geringer. Auch die Temperaturen spielen eine Rolle. Bei heißem Wetter ist der Abrieb deutlich höher als bei gemäßigten Temperaturen. Eine besondere Herausforderung stellt der Regen dar. Bei dauerhaftem Regenfall bleibt die Strecke ebenso dauerhaft nass, doch ist die Strecke noch immer feucht und es regnet nicht, trocknet sie allmählich auf und es bildet sich auf der Ideallinie eine deutlich besser zu fahrende Spur. Dann spielt auch die Reifenwahl eine wichtige Rolle. Mit Regenreifen werdet ihr zwar zu Beginn deutlich im Vorteil sein, habt aber später Schwierigkeiten auf der trockenen Spur. Schade: Ein dynamischer Wetterwechsel findet leider nicht statt. Dies hätte den Rennen den letzten Kick Dramatik gegeben.

Auf dem Weg zu den Superbikes

SBK X - Superbike World ChampionshipDas Herzstück der Simulation ist der Karrieremodus. Bevor ihr euch an eure virtuelle Rennkarriere macht, will ein Fahrer erstellt werden. Zwar sind die Individualisierungsmöglichkeiten stark eingeschränkt, doch erfüllen sie allemal ihren Zweck. Neue Helme und weitere Extras, wie Bilder, lassen sich im Laufe des Spiels freischalten. Habt ihr euch euer virtuelles Ego zusammengebastelt entscheidet ihr euch zunächst zwischen drei Angeboten, die ihr von verschiedenen Herstellern und Teams erhaltet. Euer Weg beginnt jedoch nicht sofort bei den ganz Großen. Zwar stehen die Superbikes im Mittelpunkt, doch startet ihr zunächst in der Superstock-Klasse mit deutlich leistungsschwächeren Motorrädern. Danach geht es zu den Supersportlern und schließlich in die höchste Klasse, den Superbikes. Anfangs wird es des Öfteren schwer fallen, ganz vorne mitzuhalten, denn euer Bike ist denen eurer Konkurrenten weit unterlegen. Es rutscht leicht, erreicht vergleichsweise geringe Topspeed-Werte und ist weitaus weniger wendig. Um die Motivationskurve dennoch aufrecht zu erhalten, sind die Ziele zu Beginn realistisch gehalten. So ist ein Platz um Position 20 euer vorläufiges Ziel. Zudem gibt es immer einen Fahrer, den es zu schlagen gilt. Dieser ändert sich je nach Ausgang des Rennens. Unrealistisch entwickeln sich die Erwartungen eures Teams, wenn trotz des schwachen Bikes ein Sieg oder eine anderen Topposition herausspringt. Dann plötzlich liegt der Fokus beispielsweise auf einen der Topfahrer. Auch die Hinweise, die euch während der Sessions in eurer Box immer wieder eingeblendet werden, spiegeln nicht immer die Realität wider. Um irgendwann regelmäßig um vordere Positionen zu kämpfen, führt ihr immer wieder Tests durch. Dabei müsst ihr einfach einige Runden möglichst fehlerfrei absolvieren, damit eure Ingenieure ausreichend Daten sammeln können, um eine Modifikation in eine der vier Bereiche, wie Motor und Rahmen, einzubauen. Euer Ingenieur sorgt auch dafür, dass ihr stets mit dem besten Motorrad-Setup unterwegs seid. Eine Einstellung für die Qualifikation ist beispielsweise eine deutlich andere als die eines Rennens. Entweder ihr schraubt selbst am Bike herum oder lasst euren Mechaniker ran, der dafür eine bestimmte Zeit benötigt, die von der Session-Zeit abgezogen wird. Für hilfreiche Hinweise und Tipps ist er auch immer gut.

SBK X - Superbike World ChampionshipRealistisch geht es nicht nur auf der Strecke zu. Auch das System der Superbike-Weltmeisterschaft wurde exakt umgesetzt. In der Superstock- und Supersportklasse absolviert ihr an einem Wochenende jeweils nur ein Rennen, bei den Superbikes sind es zwei, wobei im zweiten Rennen die ersten acht Fahrer in umgekehrter Startreihenfolge starten. Mit dabei ist auch die Superpole, die während drei Qualifikationssessions ermittelt wird, wobei am Ende der ersten beiden zu langsame Fahrer ausscheiden. Es gibt auch ein Strafensystem, das euch bei unfairem Fahrverhalten mit Zeitstrafen ermahnt oder, wenn ihr es zu bunt treibt, aus dem Rennen ausschließt. Einen wirklich konsequenten Eindruck macht es allerdings nicht. Wenn ihr etwa einen Konkurrenten von der Strecke befördert, habt ihr keinerlei Folgen zu befürchten. Die KI selbst macht übrigens einen zwiespältigen Eindruck. In einigen Abschnitten kann sie ziemlich fordernd sein, um gleich darauf viel zu langsam zu agieren. Besonders ärgerlich kann es während Trainings- und Qualifikationssitzungen werden. Zwar blicken die Fahrer aufmerksam nach hinten und machen durchaus etwas Platz, damit ihr an ihnen vorbeifahren könnt, doch zu oft gurken sie langsam auf der Ideallinie herum, wodurch eure Rundenzeit zerstört wird. Wahrlich komische Fehler haben sich auch ins Spiel eingeschlichen. So stürzen eure KI-Kollegen beispielsweise auf einer Strecke stets, wenn sie im Nassen aus der Box auf die Strecke fahren wollen. Insgesamt hinterlässt die KI aber einen ordentlichen Eindruck, indem auch sie menschliche Fehler zeigt, wie Verbremser, Rutscher und Stürze.

Volles Lizenzpaket mit Fehlern

SBK X - Superbike World ChampionshipSBK X – Superbike World Championship wartet mit allen Lizenzen, sowohl aus der titelgebenden Serie, als auch der anderen beiden Klasse, Superstock und Supersport, auf. Kurioserweise haben sich allerdings auch hier Fehler eingeschlichen. So fahrt ihr mit den Superbikes nicht etwa auf 13 Strecken, wie in dieser Saison, sondern noch auf 14. Die Strecke Losail in Katar ist im virtuellen Kalender noch enthalten. Über diesen Fauxpas ist aber hinwegzusehen, denn die Strecken wurden ihren realen Vorbildern allesamt sehr gut nachempfunden. Dies bezieht sich nicht nur auf ihre äußere Darstellung, sondern auch auf ihre Charakteristika. So entscheiden sich viele Kurse etwa in ihrem Gripniveau. So lassen sich Strecken, wie jene in Assen und Misano deutlich besser fahren, als beispielsweise der Kurs in Valencia. Auch weitere Details, wie Bodenwellen, wurden beachtet. Eine alte britische Traditionsstrecke, wie in Donington, kommt spürbar „holpriger“ daher, als modernere Kurse.

Weiter sind alle aktuellen Fahrer der verschiedenen Rennklassen mit an Bord. Ob Max Biaggi, Noriyuki Haga oder James Toseland. Das gesamte Fahrerfeld ist vertreten, wodurch auf der Strecke einiges los ist. Mit beinahe 30 Fahrern ist spannende Rennaction auf jeden Fall garantiert und es benötigt schon eine gehörige Portion Konzentration, um im dicht gedrängten Fahrerfeld souverän mitfahren zu können.

Technisches Spektakel?

SBK X - Superbike World ChampionshipDas spielerische Erlebnis ist über alle Zweifel erhaben. Die technische Seite präsentiert sich dagegen zweigeteilt. Grafische Wunder dürft ihr nicht erwarten. Insgesamt präsentiert sich das Geschehen recht detailarm, doch dafür gerät das Spiel selbst bei hohem Fahreraufkommen nie ins Stocken. Und überhaupt: Die Entwickler haben sich das Ziel gesetzt, ein möglichst realistisches Spielerlebnis zu gewährleisten, wozu sie sich extra Fahrer zu Rate gezogen haben. Und dieses Ziel haben sie deutlich erfüllt. Ein großer Schwerpunkt auf die Grafik hätte dem Spiel sicherlich nicht allzu gut getan, schließlich soll man sich an intensiven Rennen und nicht an Polygone Texturen ergötzen. Richtig gut umgesetzt wurde außerdem der Sound der einzelnen Maschinen. Eine Ducati hört sich so deutlich „tiefer“ an, als eine „kreischende“ Honda. Hier muss man den Entwicklern, die zig Aufnahmen echter Maschinen gemacht haben, ein deutliches Lob aussprechen. Der Sound ist auch wichtig für die Kontrolle über die die PS-Monster. So sind schon leichte Rutscher zu hören, was euch alarmieren sollte, denn wenn ihr den Gashebel noch weiter aufdreht….Nun ja, probiert´s einfach mal aus.

Vergebene Online-Chancen

Wie es sich für ein ordentliches Rennspiel gehört, beinhaltet auch dieses einen Online-Modus, in dem insgesamt 16 Fahrer um Topplatzierungen heizen können. Die Einstellungsmöglichkeiten sind vielfältig. Klassenauswahl, Simulationsstufe, Reifenabnutzung, Strafen, KI, Kollisionen. Ihr könnt alles frei nach euren Wünschen erstellen. Die Rennen laufen außerdem angenehm flüssig. Größere Lags habe ich noch keine festgestellt. Selbst mit 16 Fahrern ist ein butterweiches Spielerlebnis gewährleistet.

Das Fundament des Online-Parts stimmt also, doch leider hakt es ein wenig im Detail. Zwar sind alle wichtigen Modi, wie Schnelles Rennen, komplette Rennwochenenden und selbst ganze Meisterschaften möglich, doch an letzterem ist ein deutlicher Haken festzustellen. Es fehlt eine Speicherfunktion! Wer also beispielsweise alle Rennen in realistischer Länge inklusive aller vorausgehenden Sessions absolvieren will, sollte sich auf einen sehr, sehr langen Tag einstellen. Es bleibt zu hoffen, dass die Entwickler hier noch einen Patch nachliefern.

Fazit

Leider fristet der virtuelle Zweiradsport, im Gegensatz zum realen, noch immer ein Nischendasein. Während große Namen, wie Forza und Gran Turismo noch immer im Mittelpunkt stehen, versinken Titel, wie SBK X – Superbike World Championship leider etwas. Dabei hat eben jener Titel so viel zu bieten. Vor allem das Wichtigste, was ein gutes Rennspiel bieten muss: spannende Rennaction mit überzeugendem Fahrverhalten. Wen interessiert denn bitteschön High End-Grafik, während man hochkonzentriert damit beschäftigt ist, mit Schweißperlen auf der Stirn, sein Motorrad sicher über die lizenzierten Strecken zu jagen? Genau, niemanden. Bei SBK X – Superbike World Championship haben sich die Entwickler auf das Wesentliche konzentriert: das Rennerlebnis. Herausgekommen ist ein spannendes, realistisches und forderndes Rennspiel, das die Faszination Motorradsport auf aufregende Weise einfängt und sich dabei auf die Tugenden eines sehr guten Rennspiels konzentriert. Schnörkellos, ohne viel Brimborium. Für Simulationsfreaks bedenkenlos zu empfehlen. Alexander Börste

Wertung: 9/10

Kommentare

Kommentar verfassen:

Dein Name:   

Sicherheitscode:  


Bisherige Kommentare: