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10. 03. 2010

Testbericht: Silent Hill - Shattered Memories

Die Angst kehrt zurück: Mit Silent Hill: Shattered Memories ermöglicht Konami es allen Silent Hill-Fans, die verzweifelte Suche Harry Masons nach seiner Tochter Cheryl erneut zu erleben - diesmal jedoch aus einer anderen Perspektive. Ist Shattered Memories nur ein einfallsloses Remake des Originals oder können die Innovationen des neuen Teils überzeugen?

Als der nur mäßig talentierte Autor Harry Mason bei dichtem Schneegestöber in der Nähe des kleinen Ortes Silent Hill von der Straße abkommt, ahnt er noch nicht, dass sein Maleur der Beginn eines schrecklichen Albtraums ist. Zwar übersteht er den Unfall ohne größere Blessuren, seine Tochter Cheryl, die sich auf dem Beifahrersitz befand, ist jedoch spurlos verschwunden. Was wie eine 1:1 Kopie des Plots des ersten Teils klingt, ist der Auftakt zu Silent Hill: Shattered Memories, bei dem der Spieler sich gemeinsam mit Harry Mason an die Ereignisse, die in Silent Hill passierten, erinnert.

Screenshot: Silent Hill: Shattered MemoriesGrund für Auffrischung der Gedanken ist Masons Besuch beim Psychologen, der ihn nicht nur darum bittet zu erzählen, was in Silent Hill geschehen ist, sondern auch sonst einige Dinge über seine Persönlichkeit wissen möchte. An diesem Punkt kommt dann auch gleich die erste Neuerung von Shattered Memories ins Spiel: Das Spiel analysiert die Antworten, die der Spieler zu vorgegebenen Fragen gibt, um daraus ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen, anhand dessen sich der Spielverlauf ändert. Auf diese Weise lassen sich Orte und Geschehnisse passiv beeinflussen, was der Spielwelt zu einem authentischen Eindruck verhilft und gleichzeitig den Wiederspielwert steigert. Allerdings sollte nicht verschwiegen werden, dass der Einfluss der Psychoanalyse auf die Handlung nur begrenzt ist und nur einigermaßen aufmerksamen Spielern beim erneuten Durchspielen auffallen dürfte.

Screenshot: Silent Hill: Shattered MemoriesDie eigentliche Handlung spielt sich während der Therapiesitzungen ab - also in den Erinnerungen der Hauptfigur. Zunächst kann Shattered Memories hier mit den für die Reihe typischen Eigenschaften wie einer packenden Atmosphäre und gelungenen Schock-Momenten punkten. Im Vergleich zum Original wurden zwar einige Details geändert - das Funkgerät wurde beispielsweise durch ein Mobiltelefon mit Kamera und GPS-Empfang ersetzt -, im Prinzip hat sich auf den ersten Blick jedoch nichts geändert: Als Harry Mason erkundet ihr die verlassen wirkenden Straßen in und um Silent Hill und trefft dabei immer wieder auf Orte und Gegenstände, die etwas Licht in die dunkle Story bringen und die Szenerie gleichzeitig noch unheimlicher erscheinen lassen.

Screenshot: Silent Hill: Shattered MemoriesGegner gibt es in Silent Hill: Shattered Memories zwar auch, auf diese trefft ihr jedoch nur in den wenigen Phasen, in denen sich die Erinnerungen Harry Masons in einen Albtraum verwandeln. In diesem Spielmodus wirkt die Spielwelt noch düsterer und geradezu surreal, denn der Weg aus dem Albtraum wird euch einzig und allein durch blaue Markierungen angezeigt. Da Shattered Memories auf Waffen verzichtet, lautet die einzige Devise im Albtraum-Modus, den Ausgang des jeweiligen Spielabschnitts so schnell wie möglich zu finden, ohne dabei von einem der Gegner erwischt zu werden. Sollte eines der Monster euch dennoch zu fassen kriegen, hilft in den meisten Fällen noch das möglichst rasche Drücken eingeblendeter Tasten, um den Gegner abzuschütteln und die Flucht fortzusetzen.

Der Verzicht auf die Benutzung von Waffen stellt zwar eine Abkehr vom bisherigen Silent Hill-Gameplay dar, ist aber an sich erstmal kein Problem. Störend wirkt eher die strikte Trennung zwischen der realen Welt und den Albträumen, denn schon nach kurzer Zeit bemerkt man, dass einem in ersterer keine Gefahr droht und kann die Spielwelt wesentlich entspanner erkunden. In den Albträumen wimmelt es dagegen nur so von Monstern, was schnell in Hektik ausartet, aber nicht immer die gewünschten Angstzustände zur Folge hat.

Screenshot: Silent Hill: Shattered MemoriesWährend echte Gefahren für die Spielfigur also nur in den Albträumen lauern, spielt Shattered Memories in der realen Welt vor allen Dingen mit der Psyche des Spielers: In regelmäßigen Abständen trefft ihr auf Gegenstände oder Orte, an denen ein Rauschen in eurem Handy von paranormalen Aktivitäten kündet. Oft lohnt es sich an diesen Punkten ein Foto mit der Handy-Kamera zu machen. Auf den Bildern taucht dann meist mehr auf, als in der realen Welt zu sehen ist. Untermauert wird der Spuk durch passende Horror-Klänge und eine SMS, die zusätzliche Informationen zur aktuellen Szenerie enthält. Rätsel gibt es in Silent Hill: Shattered Memories zwar ebenfalls, diese beschränken sich aber zumeist auf das Suchen eines Schlüssels, der zudem in den meisten Fällen noch nicht einmal besonders gut versteckt ist.

Technisch vermag Shattered Memories zu überzeugen, wenngleich neue Maßstäbe allerdings nicht gesetzt werden. Besonders auffällig wirkt auf den ersten Blick das Schneetreiben, das den aus dem Original bekannten Nebel ersetzt. Ansonsten bleibt vor allen Dingen festzuhalten, dass die düstere Spielwelt in Kombination mit der Taschenlampe, die sich bei Harry Mason im Dauereinsatz befindet, durchaus für eine angemessene Atmosphäre beim Spielen sorgt. Ebenfalls als gelungen kann der Sound bezeichnet werden: Sowohl die Soundeffekte als auch die Hintergrundmusik können sich hören lassen und tragen ihren Teil zur gruseligen Stimmung bei.

Fazit

Shattered Memories ist ein zweischneidiges Schwert: Lässt man sich auf das Spielgeschehen ein, kann es packend und angsteinflößend sein und mit einigen Schockeffeckten aufwarten. Nüchtern betrachtet fällt jedoch insbesondere die strikte Trennung zwischen der realen Welt und den Albträumen negativ auf. Hat man erst einmal erkannt, dass echte Gefahren für die Spielfigur nur in den Albträumen lauern, spielen sich die restlichen Passagen wesentlich entspannter, als man es von einem Silent Hill Spiel erwarten darf. Die Einbettung der Handlung in einen Besuch beim Psychologen ist zwar eine nette Idee, die letzten Endes aber nicht konsequent genug umgesetzt wurde. Mario Siewert

Wertung: 7/10

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