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13. 07. 2010

Testbericht: Singularity

Einst, da stand der Name Raven für Qualität. Für ein Studio, welches hochwertige Titel produzieren konnte. Doch in letzter Zeit kamen eher durchwachsene Spiele unter dieser Flagge auf den Markt. Zuletzt das enttäuschende neue Wolfenstein, welches sich die Kritik gefallen lassen musste, ein Shooter vom Band zu sein. Ob das jetzt bei Singularity anders ist?

SingularityZumindest die Geschichte lässt auf eine Priese frischen Wind hoffen: Statt zweitem Weltkrieg spielt Singularity in der Neuzeit. Auf einer Insel, welche auf den Namen Katorga-12 hört und ein neues chemisches Element bereithält: E99. Die Russen entdeckten die Insel schon früh und begannen wilde Experimente mit dem neuen Stoff. Zur Zeit des kalten Krieges wollten sie mächtige Bomben damit bauen, doch irgendwas ging schief und die Insel wurde unter Quarantäne gestellt, die Existenz geleugnet. Der Spieler schlüpft in die Rolle von Nathaniel Renko, einem US-Soldaten, welcher mit bei einer Erkundungsmission der Insel dabei ist – und prompt wird mal eben die komplette Weltgeschichte umgeschrieben, denn E99 beinhaltet so viel Energie, dass auch die Zeit aus den Fugen gerät, wenn es zum Einsatz kommt.

Soweit, so ungewöhnlich. Doch Singularity beginnt wie jeder andere Shooter. Nämliche ohne Bewaffnung. Der Erkundungstrupp wird, auf Grund eines Helikopterabsturzes, versprengt. Nach und nach greift sich der Spieler sein Waffenarsenal zusammen und begegnet immer mehr Gegnern. Auf dem Weg gibt es immer wieder zeitliche Differenzen, ausgelöst durch das seltsame neue Element. Hier laufen dann 1950 und die Gegenwart zusammen. Hin und wieder passiert es auch, dass eine große blaue Welle vorbeikommt und man unbeabsichtigt in die Vergangenheit (Oder Zukunft) katapultiert wird. Dann räumt man auch dort ordentlich auf. Die Zeitlichen Verschiebungen haben auch dazu geführt, dass die Menschen mutiert sind und jetzt als Zombies durch die Gegend wandeln.Einige von ihnen sind hirnlos, Andere dagegen springen hier und da ein wenig durch die Zeit und sind nur schwer zu treffen.

SingularityIm späteren Spielverlauf bekommt der Spieler dann auch noch einen Handschuh überreicht, das ZMG. Wer jetzt irgendeinen kreativen Namen erwartet, der wird enttäuscht. Die Buchstaben stehen in der Tat für „Zeit Manipulations Gerät“. Und genau das tut das Teil dann auch. Damit kann man Gegner, Kisten und Treppen altern lassen. Gegenstände darf man aber auch verjüngen. Oder man löst Mutationen bei Menschen aus, hebt schwere Gegenstände an oder öffnet Zeitrisse und schleudert Raketen zurück. Das ZMG ist quasi so eine Art von Allzweckgerät, welches frischen Wind in das sonst doch recht lineare und gewöhnliche Geschehen bringen soll.

Da gibt es aber ein kleines Problem: Der frische Wind wird schnell zu einem lauen Lüftchen. Das liegt an der eben erst erwähnten Linearität. Das ZMG mag als Waffe zwar ganz nett sein, doch die groß angepriesene Manipulation der Zeit ist nichts weiter, als das dröge Abhandeln von vorbestimmten Sequenzen, welche die Entwickler für die Spieler vorgesehen haben. Toll, dass man hin und wieder Deckung altern lassen darf, blöd, dass das nur dann möglich ist, wenn es eine ganz bestimmte Art von Deckung ist. Toll, dass man Brücken altern oder verjüngen darf, blöd nur, dass das so oder so geschehen muss. Die gute Idee verkommt so auf kurz oder lang zu einer Angelegenheit, die weder fordernd noch lästig, sondern vielmehr unbedeutend ist, da man keinerlei Entscheidungsfreiheit darüber besitzt.

Neben dem ZMG ist das Waffenrepertoir aus anderen Shootern hinlänglich bekannt. Maschinengewehr, Minigun, Schrotflinte. Hier und da noch eine E99-Waffe, die eine sofortige Tötung zur Folge hat oder aber ein Explosivgeschoss abfeuert, welches zeitlich verzögert zündet. Manchmal darf man auch eine Kugel ins Ziel führen. Aber wirklich überraschende Momente oder Waffen bietet Singularity auch hier nicht. Es mag an den Schlauchleveln oder aber an der minderbemittelten künstlichen Intelligenz liegen: So wirklich Spannung kommt einfach nicht auf. Dazu gesellt sich die anfangs nett entwickelnde Geschichte, welche schon recht früh durchschaubar ist und somit an Reiz verliert.

SingularityTechnisch ist leider auch nicht alles glatt gelaufen. Zwar haben die Jungs von Raven die mächtige Unreal Engine genutzt, doch bis in das letzte Detail haben sie den Grafikmotor aus dem Hause Epic ganz offensichtlich nicht verstanden. Das alte Problem mit der durchwachsenen Beleuchtung findet sich auch in Singularity. Im Volksmund äußert sich das hierbei gerne in Grau und Brauntönen. Hinzu kommen massive Probleme beim Textur-Streaming. Ärgerlich, zumal gerade die Effekte sich sehen lassen können. Eine Katastrophe ist dagegen jedoch die Klangkulisse. Die Waffen haben keinerlei Bass, klingen, wie wenn man Pappe aufeinander schlagen würde. Der russische Akzent der bösen Buben ist zudem dermaßen übertrieben, dass er auf Dauer nur das Eine schafft: Des Spielers Ohren zu foltern. Und redet dann doch einmal jemand Russisch, so können sich sprachkundige nur an den Kopf fassen: So viel falsche Grammatik und unpassendere Kommentare fanden sich schon lange nicht mehr in einem Spiel.

Fazit

Raven wollte es wissen. Nach dem durchwachsenen Wolfenstein wollte man mit Singularity einen Shooter mit eigenen Ideen und einem kreativen Ansatz bieten. Gelungen ist das Vorhaben aber nicht. Fast möchte man sogar von einem Scheitern reden. Zu viel liegt hier in den Argen. Das technische Grundgerüst mag im Ansatz stimmen, ist jedoch beim Klang voll in die Hose gegangen. Die Story mag zu Beginn des Spiels fesseln, verkommt nach kurzer Zeit aber zu einer vorausschaubaren „Amerika ist gut und Ivan ist böse“-Story, welche immerhin drei unterschiedliche Enden mit sich bringt. Die Manipulation der Zeit mag anfänglich begeistern und dem Spieler wie eine Innovation vorkommen, doch schon bald merkt er, dass auch dieses Feature nur dann zum Einsatz kommen darf, wenn es die Entwickler auch gestatten. Was bleibt ist ein einfacher Shooter, der nur in zwei Endkämpfen wirklich fordern kann und ansonsten nahezu gesichtslos bleibt. Schade, denn hier wäre mehr drin gewesen. Michael Hoss

Wertung: 6 / 10

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