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26. 08. 2008

Testbericht: Soul Calibur IV

Soul Blade für die erste Playstation war das erste Beat ’em Up, in dem jeder Kämpfer eine Waffe verwendete. Durch tolle Spielbarkeit und einen spannenden Geschichtsmodus gewann das Spiel sofort die Herzen der Spieler, worauf Entwickler Namco anfing, an Teil zwei der Serie zu arbeiten: mit Soul Calibur für Segas Dreamcast wurden zumindest grafisch neue Maßstäbe gesetzt. Leider konnten geübte Spieler leicht von Anfängern besiegt werden, die lediglich wahllos auf die Knöpfe drückten. Da dies in den Teilen zwei und drei nicht verbessert wurde, ließen viele professionelle Beat ’em Up-Spieler die Soul Calibur-Reihe links liegen, um sich ernsthafteren Prügeleien wie Virtua Fighter zuzuwenden. Kann der kürzlich erschienene vierte Teil die Core-Gamer wieder für sich gewinnen?

Screenshot: Soul Calibur IVDie Rahmenhandlung ist – wie typisch für Beat ’em Ups – nicht sonderlich ausgereift: Es gibt ein von guter Macht beseeltes Schwert, welches den Namen Soul Calibur trägt. Der Gegenpol dazu ist das Soul Edge, welches das Böse in sich trägt und Schrecken und Chaos über die Welt bringen kann, wenn es in die falschen Hände gerät. Krieger aus aller Herren Länder ziehen los, um eines der Schwerter zu erlangen. Natürlich wird dieser Weg von zahlreichen Kämpfen begleitet, auch bekannt als der Kern der Soul Calibur-Spiele. Die Steuerung hat sich dem ersten Teil der Serie kaum geändert: Horizontale und vertikale Schläge sowie Tritte sind möglich. Kombiniert mit einer Richtung kann man diese Bewegungen variieren, bei Druck auf zwei Knöpfe gleichzeitig können Spezialattacken ausgeführt werden. Neu dabei sind die Critical Moves: Wenn der Gegner zu viele eurer Schläge blockt, befindet er sich irgendwann im Zustand des „Seelenausfalls“. Nun müsst ihr schnell alle Tasten drücken, worauf eine Cutscene beginnt, in der eurem Gegner auf beeindruckende Art und Weise der Rest gegeben wird. Der Kampf ist danach sofort gewonnen. Leider ist euer Gegenüber meist schon besiegt, bevor ihr zu dieser verheerenden Attacke kommt. Eine weitere Neuerung, die aber weit mehr ins Gewicht fällt, ist die zerstörbare Rüstung. Wenn viele Treffer auf dieselbe Stelle treffen, zerspringt die Rüstung. Nun machen Schläge auf diesen Bereich deutlich mehr Schaden.

Screenshot: Soul Calibur IVKennern der ersten Teile wird sofort auffallen, dass neue Spielmodi enthalten sind. So könnt ihr euch durch den „Schicksalsturm“ kämpfen, in dem auf jeder Ebene ein bis vier Gegner warten. Ihr habt in diesem Modus ebenfalls mehrere Kämpfer gleichzeitig und könnt diese per Knopfdruck durchwechseln. Auf jeder Etage gibt es mehrere Schätze zu finden. Diese findet ihr allerdings nur, wenn ihr bestimmte Anforderungen erfüllt, die zu Beginn des Kampfes angezeigt werden. Wird diese Anforderung, zum Beispiel den Gegner wiederholt aus dem Ring zu werfen, erfüllt, kommt am Ende des Kampfes die Meldung: „Eine Schatztruhe wurde geöffnet“. Nun kann im Charaktereditor, welcher später noch genauer beschrieben wird, die neue Ausrüstung gekauft werden. Hat man sich im Schicksalsturm nach oben vorgekämpft, muss man sich wieder an den Abstieg machen, bei dem die Gegner deutlich stärker werden. Außerdem enthält das Spiel den Geschichtsmodus, in dem ihr mehr über die Hintergründe der Charaktere erfahrt und nach fünf Kämpfen sogar einen in Spielgrafik gehaltenen Abspann zu sehen bekommt. Die Standard-Modi wie Arcade-Mode und Training sind natürlich auch enthalten, eine besondere Erwähnung verdient allerdings der Online-Modus: Zum ersten Mal in der Geschichte der Reihe geht Soul Calibur online und hat sich gleich nach dem Start zu einem der beliebtesten Xbox Live- bzw. PSN-Spielen gemausert. Dies liegt nicht zuletzt an dem gelungenen Level-System: Für jeden gewonnen Ranglisten-Kampf bekommt ihr Erfahrungspunkte. Je höher man im Level steigt, umso mehr Erfahrungspunkte werden für den nächsten Level benötigt. So kann man sich schnell in der internationalen Rangliste nach vorne kämpfen, was unheimlich motivierend ist. Leider laufen die Matches ohne eine schnelle DSL-Leitung nicht immer flüssig: Manchmal müsst ihr während einem Kampf mehrere Sekunden warten, bis das Spiel fortgesetzt wird. Dies kommt aber glücklicherweise nicht allzu oft vor.

Screenshot: Soul Calibur IVDie Kämpferriege hat ebenfalls Zuwachs bekommen: Der Geisterpirat Cervantes wird als oberster Bösewicht von Algol, dem „Hero King“, abgelöst. Dieser führt gleichzeitig Soul Edge und Soul Blade und ist trotz etwas behäbiger Bewegungen ein sehr starker Charakter. Sehr viel erwähnenswerter ist allerdings das im Vorfeld bereits hochgelobte Auftauchen einiger Star Wars-Charaktere: Auf der Xbox 360 tritt Jedi-Meister Joda auf, in der PS3-Version ist Jodas Gegenspieler, Sith-Lord Darth Vader, spielbar. Außerdem kann „der Schüler“ freigeschaltet werden. Dieser ist der Hauptcharakter des kommenden Spiels Star Wars: The Force Unleashed und Schüler von Darth Vader. Letzterer bewegt sich langsam, seine Schläge sind aber sehr effektiv. Der Schüler ist extrem schnell und kann sich genau wie sein Meister die Kräfte der dunklen Seite der Macht zunutze machen. So können Blitze verschossen oder Feinde von weitem gewürgt werden. Yoda nimmt etwas von der Spielbalance aus der 360-Version. Man braucht völlig neue Taktiken gegen den kleinen, grünen Kobold, da dieser nur etwa halb so groß ist wie der Rest des Soul Calibur IV-Kaders. So können weder horizontale Schläge noch Griffe angewandt werden und man muss oft auf die langsamen Angriffe in geduckter Haltung zurückgreifen. Yoda hüpft währenddessen wie ein Flummi durch den Level und ist seinem Gegner schon allein durch seine Körpergröße überlegen. Alle liebgewonnenen Charaktere aus den Vorgängern sind natürlich auch dabei, sodass ihr nicht auf eure Lieblinge wie Maxi, Kilik oder Siegfried verzichten müsst.

Screenshot: Soul Calibur IVUnter dem Menüpunkt „Figur erstellen“ könnt ihr mit dem Gold, welches ihr für beinahe jeden gewonnenen Kampf erhaltet, Charaktere freischalten und diese optisch und kämpferisch verändern. Die Schätze, die beispielsweise im Schicksalsturm freigeschaltet wurden, können hier gekauft und angelegt werden. Diese haben aber nicht nur einen optischen Nutzen: Sie verbessern die Fähigkeiten der Figur. So steigt zum Beispiel die Angriffskraft eures Recken oder er kann sich besser verteidigen. Die Kombinationsmöglichkeiten sind beinahe unendlich, weshalb man Online immer wieder auf Nachbildungen von anderen Spielcharakteren trifft. So trug beim Online-Test zum Beispiel ein Charakter mit weißer Kapuze den Namen des Assassin’s Creed-Hauptcharakters Altair. Selbst vor Ganzkörper-Katzenkostümen haben die Entwickler keinen halt gemacht. So sind eurer Fantasie keinerlei Grenzen gesetzt. Von der grafischen Seite her ist Soul Calibur IV eine echte Augenweide: Die Charaktere wurden sehr detailliert gestaltet, die Animationen sind sehr beeindruckend. Die Bewegungen der Figuren gehen flüssig ineinander über. Die Arenen, in denen ihr kämpft, sind ebenfalls optisch gelungen. Vor allem die verwendete Havok-Engine wurde gelungen eingesetzt: Bei jedem Niederstrecken des Gegners zersplittert die Arena. Dies sieht imposant aus, hat spielerisch aber keinerlei Nutzen. Allein die Clipping-Fehler fallen negativ auf, da manchmal das Bein eines Charakters im Boden stecken bleibt oder Rüstungsteile ineinander verschwinden. Der Sound ist ebenfalls sehr gelungen und besticht mit schönen Melodien und authentischen Kampfgeräuschen.

Fazit

Soul Calibur IV ist für mich ein zweischneidiges Schwert: einerseits bin ich schon seit Jahren Fan der Serie und habe mich gleich mit dem neuen Teil der Serie wohl gefühlt. Andererseits wurden auch kaum Fehler der ersten Teile ausgemerzt: Immer noch ärgert man sich über Clipping-Fehler, immer noch kommen Anfänger mit sinnlosem Knöpfchen-Gedrücke gegen geübte Profis an. Vor allem an letzterem Punkt hätten die Entwickler arbeiten müssen. So wird vermutlich Virtua Fighter 5 seinen Platz als beliebtestes Beat ’em Up behalten, zumindest bei den Core-Gamern. Trotz der vermeintlichen Verbesserungen in der Spielmechanik wie dem Critical Finish oder der zerstörbaren Rüstung ist dieses Spiel Soul Calibur wie eh und je und bringt alle Stärken aber leider auch alle Schwächen der Vorgänger mit. Benjamin Dross

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