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31. 05. 2010

Testbericht: Split/Second - Velocity

Wenn ein erfahrener Spieler die Stichworte Rennspiel, Action und spektakuläre Unfälle hört, kommt ihm wohl nur eines in den Sinn: Burnout. Viele Spiele haben vergeblich versucht, in dieselbe Schneise zu schlagen, allerdings ist es keinem gelungen, an die große Rennspielserie heranzukommen. Nun schickt sich ein weiteres Spiel an, genau dies zu tun: Split/Second: Velocity von den Pure-Entwicklern Black Rock soll noch schneller und spektakulärer werden als das große Vorbild.

Screenshot: Split/Second - VelocityIn der Welt der Videospiele wird das Fernsehen immer brutaler. Die letzte virtuelle Show war die Comic-Metzelei Madworld für Nintendos Wii, in der es galt, die Gegner auf möglichst brutale Weise um die Ecke zu bringen, um die Folge zu überleben und möglichst viele Punkte einzuheimsen. Auch Split/Second: Velocity ist eine virtuelle TV-Show der ganz besonderen Art: Jede Folge treten acht Fahrer in verschiedenen Modi gegeneinander an, um auf den ersten Platz zu kommen. Bis hierher ist das nichts ungewöhnliches, allerdings lassen die Fahrer in diesem Arcade Racer keinen Stein auf dem anderen und haben vom Begriff des „Fair Play“ wohl noch nichts gehört. Es geht nämlich darum, die Kontrahenten auf möglichst spektakuläre Weise in Unfälle zu verwickeln.

Screenshot: Split/Second - VelocityIm Tutorial wird schnell klar, was man tun muss, um in den Rennen Erster zu werden: Durch Drifts, Sprünge oder Drafts (im Windschatten der Gegner fahren) füllt sich eine Anzeige, die in drei Abschnitte aufgeteilt ist. Ist einer davon gefüllt, erscheint an bestimmten Stellen der Stecke ein Symbol über den Gegnern. Wird zu dieser Zeit eine Taste gedrückt, wird ein sogenanntes Powerplay ausgelöst. Mit diesen können die Gegner in Unfälle verwickelt werden: Ein Teil der Strecke explodiert vor ihnen, Geröll schießt durch die Luft oder eine Abrissbirne wischt einmal über die Straße, um die Autos von der Straße zu holen. Wenn alle drei Abschnitte der Anzeige gefüllt sind, können noch spektakulärere Aktionen ausgeführt werden. So sprengt man zum Beispiel einen Fernsehturm, der dann krachend einstürzt und den Verlauf der Strecke ändert. Die Entwickler waren wirklich sehr kreativ, was die Zerstörung der Strecken angeht. Selbst nach ein paar Stunden Spielzeit werdet ihr immer noch überrascht sein, auf welche Arten ihr eure Konkurrenten ausschalten könnt. Eine weitere Möglichkeit eure Anzeige zu nutzen, liegt darin, Abkürzungen freizuschalten. So öffnet sich zum Beispiel auf Knopfdruck für euch ein Rolltor, das den Weg auf eine alternative, kürzere Route freigibt.



Screenshot: Split/Second - VelocitySplit/Second: Velocity besteht aus einer Staffel der Serie, die 12 Folgen umfasst. In jeder Folge müssen mehrere Events bestritten werden, an deren Ende das große Finale steht, in dem ihr gut abschneiden solltet, um am Ende der große Split/Second: Velocity-Champion zu sein. Neben den Standard-Modi „Rennen“ und „Time Attack“ gibt es natürlich auch andere Modi: In Detonator läuft ein Timer ab. Ist dieser bei Null angelangt, scheidet der Fahrer auf dem letzten Platz aus. Dies geschieht so lange, bis nur noch ein Fahrer übrig ist, der dann natürlich diesen Durchlauf gewonnen hat. Wo man so etwas schon des Öfteren gesehen hat, trumpft Split/Second: Velocity mit seinen eher ungewöhnlichen Modi auf: So beschießt euch ein Kampfhubschrauber mit Raketen, denen ihr ausweichen müsst, um Punkte zu sammeln. Gelingt es euch mehrmals, allen Raketen auszuweichen, wird eure Punktzahl nach jeder „perfekten Welle“ multipliziert. Wer mit den drei Leben, die zur Verfügung stehen, die meisten Punkte macht, gewinnt. Im zweiten ungewöhnlichen Modus gilt es, so viele Trucks wie möglich zu überholen. Was sich einfach anhört, wird durch den Umstand erschwert, dass diese explosive Fässer von der Ladefläche fallen lassen. Auch hier gilt es, die höchste Punktzahl zu erreichen, um auf dem ersten Platz zu landen.

Was im Singleplayer schon viel Spaß macht, wird im Online-Modus zu einem wahren Nervenspiel: Wenn ihr gegen andere menschliche Spieler antretet, bleibt sprichwörtlich kein Stein auf dem anderen. Wo sich die Computergegner mit dem zünden von Powerplays eher zurückhalten, weiß man online oft nicht, wo einem der Kopf steht. Die Rennen sind spannend bis zum Ende und kein Spieler kann sich des Sieges sicher sein, bevor er nicht die Ziellinie überquert hat.

Screenshot: Split/Second - VelocityTechnisch gibt es an Split/Second: Velocity so gut wie nichts auszusetzen: Die Strecken sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet und durch die schönen Effekte macht es wirklich Spaß, die Gegner in Fallen zu locken. Hin und wieder tauchen etwas matschige Texturen auf, die aber in der Hitze des Gefechts nicht auffallen. Die treibende Hintergrundmusik unterstützt das Spielgeschehen hervorragend, die Motorengeräusche und alle anderen Effekte hören sich sehr sauber an. Um Split/Second: Velocity richtig genießen zu können, solltet ihr laut aufdrehen und im Idealfall eine gute Anlage besitzen. Allein der Kommentator ist in der deutschen Tonspur etwas nervig: Dieser moderiert aber zum Glück nur die einzelnen Episoden an und ist still, während die Rennen laufen.

Fazit:

Split/Second: Velocity macht vieles richtig: Das Geschwindigkeitsgefühl ist Spitze, die Optik schön und die Action auf der Strecke wird euch nicht nur einmal den Atem stocken lassen. Wenn ihr von der Druckwelle einer Explosion fast von der Strecke gedrückt werdet, nur um danach den Einzelteilen eines einstürzenden Hochhauses auszuweichen, schießt euch das Adrenalin garantiert durch den Körper. Genau dieser Umstand ist es aber auch, der das Spiel manchmal unübersichtlich werden lässt. So schön die Explosionen auch sind, so sehr überfordert das Spiel den Spieler in manchen Situationen. Ihr werdet an einigen Stellen das Gefühl haben, nichts gegen euer Schicksal unternehmen zu können. Auch der Umfang ist etwas spärlich ausgefallen: Mit zwölf Strecken und dreißig Autos steht Black Rocks Machwerk anderen Rennspielen nach. Ansonsten ist Split/Second: Velocity aber endlich wieder ein actionreiches Rennspiel, das alle Spieler, die auf Realismus verzichten können, garantiert zufrieden stellen wird. Benjamin Dross

Wertung: 8/10

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