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22. 02. 2010

Testbericht: Stargate Resistance

Lizenz. Ein Wort, das eine große Bedeutung mit sich bringt. Eine Lizenz kann man zum Gelddrucken haben. Und das weiß natürlich auch die Spieleindustrie. Lizenzen sind weit verbreitet. Wirft man einen Blick auf das letzte Jahr, so muss man wohl oder übel feststellen, dass es immer mehr Lizenztitel gibt. Klar, in der Regel sind sie recht einfach zu produzieren und versprechen hohe Einnahme. Meist sind diese Umsetzungen aber eher durchwachsen, Titel wie Batman: Arkham Asylum bilden leider noch die Ausnahme.

Die Atmosphäre ist gut eingefangen, grafisch ist Stargate Resistance aber hinter der Zeit.Und es kann auch vorkommen, dass eine Lizenz zum Fluch wird. Nehmen wir zum Beispiel Avatar: Ubisoft konnte zwar zahlreiche Einheiten absetzen, doch tatsächlich verkaufte sich der Titel nicht gut genug, um weiterhin auf Lizenzen zu setzen. Wirft man den Blick noch weiter zurück, so mag man sich vielleicht noch an das offizielle Spiel zu E.T. erinnern. Das verkaufte sich seiner Zeit, trotz mächtiger Lizenz, so schlecht, dass noch heute irgendwo in der Wüste der USA zahlreiche Retail-Fassungen vergraben liegen, da Publisher Atari so immerhin noch steuerliche Einnahmen durch Müllentsorgung gelten machen konnte. Eine verfluchte Lizenz vielleicht? Schon möglich. Vielleicht ist ja auch die Stargate-Lizenz verflucht. Auf andere Art und Weise ist es kaum zu erklären, dass es bis heute noch kein richtiges Spiel zum Pilotfilm samt Serie gibt. Stargate SG1: The Alliance wurde eingestellt, doch zuvor wurden zahlreiche Fanprojekte, sprich Modifikationen, zu Gunsten des Spiels per Gerichtsbeschluss eingestampft. Zuletzt geriet dann auch noch das kommende MMOG Stargate Worlds in Schwierigkeiten finanzieller Art.

Aber Moment. Was hier geschrieben steht, das stimmt nicht so ganz. Jetzt gibt es nämlich ein Spiel. Einen Third-Person-Shooter. Und er stammt von den Machern des MMOGs, welche damit versuchen wollen, genug Geld für die Fertigstellung des Onlinespiels zu erlangen. Das Problem ist nur: So richtig toll ist Stargate Resistance leider nicht geworden, so viel wollen wir schon vorab verraten. Von taktischen Scharmützeln auf der Erde und auf fremden Planeten wurde gesprochen. Grafisch aufwendig sollte es werden und zu einem geringen Preis erscheinen. Zumindest das Versprechen des Preises konnten die Entwickler halten.

Für Sniper haben die drei Karten nur wenig zu bietenMan könnte sagen, Stargate Resistance ist ein direkter Konkurrent des Weltraum-Shooters Shattered Horizon. Beide wurden unabhängig entwickelt und beide sollen im Laufe der Zeit immer wieder erweitert werden. Die Konkurrenz war allerdings ein wenig umfangreicher: Gerade einmal drei Karten bringt der Titel mit sich. Drei Karten und drei Spielmodi. Nun gut, damit könnte man natürlich für einen geringen Preis schon mal eine menge Spaß haben. Das Dumme ist nur, dass die Spielmodi jeweils auf eine einzige Karte beschränkt sind. Capture the Flag (Heißt im Spiel zwar Capture the Data, ist jedoch identisch), Team Deathmatch und Domination (Stichwort: Battlefield) werden geboten. Wie gesagt: Jeweils nur auf einer Karte. Auf der Erde darf man Punkte einnehmen, in einem Tempel auf Amarna geht es lediglich um Abschüsse und in einem Gebäudekomplex mit Außenarealen darf man auf Piramess Daten stibitzen.

Dabei gibt es, so wie es sich gehört, zwei Parteien. Die Menschen auf der einen Seite und die System Lords auf der anderen Seite. Beiden Gruppierungen stehen, wie könnte es auch anders sein, drei verschiedene Klassen zur Verfügung. Allesamt verfügen sie über unterschiedliche Waffen und Ausrüstungsgegenstände. Auf Seiten der Menschen gibt es den handelsüblichen Soldaten, der mit einem Maschinengewehr, einer Rauchgranate und einem Granatwerfer ausgestattet ist. Der Scharfschütze findet auf Grund der geringen Größe der Karten kaum Verwendung. Da nutzt es auch nur wenig, dass er über Claymores verfügt, denn diese sind relativ leicht zu entdecken und zu zerstören. Sinnvoller ist da schon eine Art Biotechnikerin. Sie kann verwundete Kameraden heilen, doch liegt ihre Stärke in der Platzierung von Geschütztürmen, die in einem 360-Grad-Winkel schießen können. Und hier stellt man schnell fest: Diese Türme sind viel zu mächtig ausgefallen. Zwar sind sie leicht zu zerstören, doch sobald einige Soldaten im Raum sind, ist es für die System Lords nahezu unmöglich, eine Vorherrschaft zu erlangen.

Taktisches Vorgehen ist auf den Servern eher die AusnahmeDie Klassen der System Lords sind ebenfalls recht einfach aufgebaut. Auch hier gibt es einen Krieger, der mit seiner Stabwaffe ordentlich Schaden anrichten kann. Zumindest wenn die Entfernung zum Feind nicht allzu groß ist, denn aus der Ferne sind die Energiekugeln nur schwer zielsicher zu platzieren. Auch die Ash'rak (Eine schleichende Assassine, die sich tarnen kann und bei Stillstand nahezu unsichtbar wird) ist eher auf den Nahkampf ausgelegt, genau wie der Goa'uld, der einen Schutzschild um sich herum aufbauen und Feinde im Nahkampf mit einem Energieschock zu Grunde richten kann (der Handschuh sollte aus der Serie hinlänglich bekannt sein).

Ähnlich wie bei den Karten stellt sich auch hier bald ein Mangel an Abwechslung ein: Nach wenigen Runden kennt man die Klassen, sowie ihre Stärken und Schwächen in- und auswendig. Herausforderungen gibt es dann keine mehr. Traurig: Auch in Sachen Optik gibt es bei den Klassen keine großen Unterschiede: Per kostenpflichtigem DLC kann man sich immerhin einige neue Skins zulegen. Einen Nutzen zieht man daraus zwar nicht, kann aber immerhin einige Euros zum Fenster hinauswerfen. Da stellt sich natürlich die Frage, ob zukünftige Updates ebenfalls kosten werden.

Das Stargate spielt leider nur eine NebenrolleDavon ab: Insgesamt verläuft so eine Partie relativ ungestüm. Von Taktik merkt man in den Onlinegefechten nur wenig. Die Entscheidung, einen Shooter aus der dritten Person zu machen, ist grundsätzlich nicht verwerflich, die Umsetzung ist es dann aber an mancher Stelle doch: Viele Objekte verfügen nur über unzureichende Kollisionsabfrage, weshalb es schnell passieren kann, dass man selbst durch Tische hindurch schreiten kann. Auch die Tatsache, dass es kein vernünftiges Deckungssystem gibt, spricht nicht unbedingt für Stargate Resistance. Meist läuft es darauf hinaus, dass man nur hin- und herläuft und versucht, auf Gutdünken einen der Gegner zu treffen. Dazu gesellen sich dann auch noch Verbindungsprobleme, da sämtliche Spielserver in den USA und nicht in Europa stehen, eigene kann man gleich gar nicht aufsetzen. Seltsam, zumal die Unreal Engine 3.0 eigentlich über einen durchaus brauchbaren Netzcode verfügt.

Was uns sogleich auch zur Optik bringt: Die ist jetzt nicht sonderlich schlecht geworden. Aber eben auch nicht besonders hübsch. Die Animationen wirken holprig, viele Modelle reichlich klobig. Wenigstens das Stargate selbst ist richtig schick geworden. Leider dürfen nur die System Lords das Schlachtfeld durch sie betreten. Atmosphärisch stimmt die Grafik hingegen, anders sieht es beim Sound aus: Die Musik langweilt auf Dauer und die Effekte sind ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Zumindest ist die Steuerung zugänglich und übersichtlich geraten.

Fazit:

Jetzt haben wir den Salat. Wir haben tatsächlich ein Spiel zu Stargate bekommen. Aber Stargate Resistance ist in seiner aktuellen Fassung leider kein gutes Spiel. Es hätte gut und gerne noch einen weiteren Monat gebraucht, um fertig zu wirken. Der mangelnde Umfang ist dabei nicht einmal das größte Problem, denn wenn die Entwickler das Produkt (kostenlos) pflegen, so wäre es nicht weiter schlimm. Das größte Problem ist die Tatsache, dass alles so austauschbar daherkommt, dass man sich schnell fragt, warum hier eine teure Lizenz verwurstet wurde. Zudem ist die Taktik auf der Strecke geblieben und so bleibt nur die Atmosphäre, die den Titel retten kann. Die hält aber auch nur für einige wenige Runden bei Laune. Hoffen wir, dass sich in Zukunft etwas tut – aktuell jedenfalls können wir den Titel nicht empfehlen. Michael Hoss

Wertung: 4 / 10

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