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10. 05. 2010

Testbericht: Super Street Fighter IV

Wenn ein super Spiel ein super Update bekommt, dann kann das doch eigentlich nur das Eine bedeuten: Es muss ein super Teil sein. Doch die Spielebranche erbrachte schon oft genug den Gegenbeweis. Da wurden Dinge, die als Update super gewesen wären, für teuer Geld verkauft. Stellt sich die Frage, ob Capcom das jetzt auch bei Super Street Fighter IV versucht hat. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht.

Super Street Fighter IVDie Neuerungen hören sich auf den ersten Lausch leider gar nicht so besonders toll an: Einige neue Kämpfer und der ein oder andere neue Spielmodus. Und schon ist das Paket fertig verschnürt und zum Versand bereit. Doch Fans der Reihe wissen, dass die Super-Ableger gerade für Profis immer wieder verstecke Verbesserungen bereithielten. Bei der Neuauflage von Street Fighter IV ist das nicht viel anders. Die Entwickler haben sich das Feedback von zahlreichen Profispielern zu Herzen genommen und sich genau daran orientiert.

Der Normalspieler wird viele der Änderungen gar nicht bemerken, denn sie verstecken sich, wie bereits gesagt, ganz und gar im Detail. Hier und da wurden einige Angriffe stärker gemacht, einige abgeschwächt und wieder welche lassen sich nun einen Hauch schneller ausführen. Die Folge: Schon bald dürfte es im Onlinebereich vorbei mit immer gleichen Kontrahenten sein. Bei der ursprünglichen Version war es nämlich oft so, dass bei hoch dotierten Turnieren stets nur zwei Charaktere wirklich zum Einsatz kamen: Ryu und Sagat. Der Grund: Sie waren anderen Charakteren leicht überlegen.

Super Street Fighter IVNeben geringfügigen Anpassungen bei den alten Figuren haben sich auch zehn weitere Kämpfer einen Platz im Spiel ergattern können. Neben alten Bekannten wie Cody und Guy haben sich die Macher auch zwei neue Kämpfer erdacht. Juri und Hakan fügen sich nahtlos in die Welt der Prügelreihe ein. Auch ihre Spezialattacken können sich sehen lassen. Genau bei diesen Attacken gibt es auch eine Neuerung – und die dürfte nicht nur Profis ins Auge fallen: Jeder Charakter verfügt jetzt über zwei Superattacken. Diese sind jeweils für verschiedene Spielweisen gedacht. So gibt es Angriffe, die für Offensivkämpfer gedacht sind, doch auch Konterspieler können nun besonders mächtige Angriffe ausführen.

Dass all diese Sonderangriffe natürlich besonders schwer auszuführen sind, das muss wohl kaum weiter erwähnt sein. Hier bleibt Super Street Fighter IV der Reihe und damit seinen Wurzeln treu: Nur wer sich wirklich reinhängt und alles gibt und bereit ist, Schweiß und Tränen zu investieren, nur der hat auch eine reelle Chance. Genau das ist es aber auch, was Fans seit jeher fasziniert, was die Serie aus der Masse hervorhebt und warum das Konzept nach wie vor ohne dritte Dimension auskommt: Bei Street Fighter kommt es auf Können an, nicht darum möglichst viele Tasten zu drücken. Wer den Gegner gut einschätzen kann und vorausschauend seine Angriffe plant, dem stehen alle Schlag- und Trittkombinationen offen.

Super Street Fighter IVWie bei den Kämpfern hat sich Capcom auch bei den neuen Spielmodi auf das Feedback der Spieler besinnt. So gibt es nun einen Team-Kampf-Modus, bei dem man mit drei Freunden gemeinsam gegen ein anderes Team, bestehend aus ebenfalls vier Streitern, antreten darf. Es wird der Reihe nach gekämpft. Der Spieler, der gewinnt, darf gegen den nächsten Gegner antreten, bis ein Team gänzlich aufgerieben wurde. Im Endloskampf wird der Spieler dagegen in eine Schleife geworfen, bei der ein einziger Mitkämpfer so lange in den Ring steigen darf, bis er verliert – der Gewinner übernimmt fortan seinen Platz und darf erneut so lange Schläge kassieren, bis auch er besiegt wurde.

Im Replay-Channel kann man sich dagegen aufgezeichnete Kämpfe ansehen. Gerade für jene Prügelfans ist das interessant, die noch ein wenig von den beinharten Profis lernen wollen. Alternativ kann man dort auch selbst seine Aufzeichnungen veröffentlichen. Etwas enttäuschend ist dagegen der Umstand, dass der Turnier-Modus noch nicht beiliegt. Auch über die Änderungen hüllen sich die Entwickler noch in einen Mantel des Schweigens. Klar ist nur: Er wird kommen. Im Juni. Und er wird einige Änderungen mitbringen. Problem: Man muss sich eben so lange gedulden.

Super Street Fighter IVÄrgerlich ist dies besonders im Hinblick auf die Tatsache, dass neue Charaktere in Super Street Fighter IV nicht mehr freigeschaltet werden müssen. Alle Prügelknaben und -weibchen stehen von Anfang an zur Auswahl. Das hat natürlich den Vorteil, dass man sich sofort ans Training machen kann, zugleich bringt es aber den Nachteil mit, dass es eigentlich keinen handfesten Grund gibt, sich intensiv mit dem Solopart zu befassen. Höchstens die Rückkehr der Bonus-Stages verleitet dazu: Endlich darf man wieder Autos zu Klump schlagen.

Technisch hat sich natürlich nicht viel getan. Nach wie vor wird eine äußerst schicke Comicoptik geboten, welche butterweiche Animationen für den Zuschauer bereithält. Die neuen Superattacken sind eine Augenweide und auch die Tatsache, dass durch geschickte Kameratricks und Fahrten kein Schlag verpasst wird, sprechen eindeutig für das Spiel. Die neuen Arenen wurden derweil auch mit viel Liebe zum Detail entworfen. Über den Announcer braucht man eigentlich kaum ein Wort zu verlieren: Sobald er die Stimme hebt, ist es um Fans bereits geschehen. Bei den Effekten und der musikalischen Untermalung sieht es – oder besser gesagt „hört es“ - ähnlich aus.

Fazit:

Für Super Street Fighter IV gilt noch viel mehr, was schon für das Ursprungsspiel an sich galt: Anfänger werden es schwer haben, Fans werden die brachialen Schlagabtäusche lieben. Und sie werden sich gedulden können, bis der Turnier-Modus nachgereicht wird, denn auch so ist das verbesserte Onlinespiel, welches nun zugänglicher, umfangreicher und durchdachter auftritt, ein Segen für eben jene Spielergattung. Will heißen: Der Titel ist eine konsequente Weiterentwicklung in die richtige Richtung, die in erster Linie für die Kenner der Reihe gemacht wurde. Kenner, die den Solopart eher belächeln und wissen, dass es hier um den Kampf im Internet, um Ruhm und um Ehre geht. Wer mit anderen Erwartungen herangeht, der dürfte stark enttäuscht werden. Zum Glück erging uns das nicht so. Michael Hoss


Wertung: 9/10

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