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13. 10. 2011

Testbericht: Driver - San Francisco

Der Spieletitel Driver ist durchaus bekannt, schließlich besteht er nun schon seit vielen Jahren und hat einige unterschiedliche Abenteuer in die Läden gebracht. Von konkurrenzfähigen Videospielen innerhalb der Reihe gab es in den letzten Jahren aber kaum noch etwas zu erspähen. Mit Driver: San Francisco soll sich dieser Zustand wieder ändern. Ob den Machern endlich wieder ein Glücksgriff gelungen ist, haben wir im Test geklärt.






Seit dem Erscheinen der ersten Titels im Jahre 1999 ist viel Zeit vergangen. In Driver: San Francisco schlüpft man aber ein weiteres Mal in die Rolle des verdeckten Ermittlers John Tanner. Die ewige Jagd nach dem Schurken Jericho war eigentlich abgeschlossen, zum Start des Titels sitzt der Erzfeind des Protagonisten in Haft. Böse Buben haben aber nun mal ebenso böse Pläne, weshalb Jericho kurzerhand aus dem Gefängnis entflieht und Tanner damit ein weiteres Mal das Leben schwer macht. Bei der Flucht und der anschließenden Verfolgungsjagd wird der Held jedoch in einen Unfall verwickelt, der schwerwiegende Folgen mit sich zieht. Krankenhaus und Koma sind hier die Pointe, was aber nicht gleichsam mit dem Tod endet. So erlebt Tanner das weitere Geschehen in seinen Gedanken, wo man also auch als Spieler selbst fortan sein Unwesen treibt.

 

Nun gilt es im komatösen Zustand herauszufinden, was Jericho eigentlich plant. Mit dem Ausbruch ist es für den Antagonisten nämlich noch lange nicht getan. Nach und nach wird nach Zeugen und Mittätern gesucht, womit man dem Schurken und seinem Masterplan endlich auf die Fährte kommt. Erzählt wird die Geschichte dabei mit Zwischensequenzen, die sowohl im Gedächtnis des Charakters als auch in der wirklichen Welt abspielen. Löblich zu erwähnen ist an dieser Stelle die Qualität der Cutscenes. Es wurde anscheinend viel Arbeit investiert, damit die Gesichter der Figuren möglichst realitätsnah aussehen. Dieses Unterfangen ist den Entwicklern wahrlich gelungen, sodass man sich stetig auf neue Sequenzen freut.

Insgesamt wurde die Story recht gelungen gestaltet. Die Idee hinter dem Plot mag zwar teilweise ein wenig weit hergeholt sein und manches Mal etwas merkwürdig anmuten, aber dafür wird immerhin wieder etwas Neues geboten und keine 0815-Geschichte präsentiert. Ganz ohne Klischees kommt zwar auch diese Erzählung nicht aus, bietet dafür aber jede Menge Humor und einen Hauch Selbstironie. Die Dialoge mit Tanner und seinem Partner und ebenso mit anderen Charakteren wirken oft äußerst lustig und haben nicht selten den einen oder anderen Lacher parat. Die hervorragende deutsche Synchronisation zeichnet sich unter anderem dafür verantwortlich, dass die Witze so gut funktionieren. Besonders bei den Hauptfiguren haben nämlich professionelle Sprecher Hand ans Mikrophon gelegt und den Charakteren bekannte Stimmen geliehen. Damit wird die Atmosphäre in jedem Fall deutlich aufgewertet.Die Stimmung wird aber auch durch die Kulisse angehoben. San Francisco ist der große Handlungsort des Titels und bietet allerhand netter Ecken. Im Verlauf der Geschichte schalten sich immer weitere Teile der Stadt frei, sodass es stets etwas Neues zu entdecken gibt. Flächenmäßig ist die Umgebung wirklich groß geraten. Abgesehen vom teils etwas störenden Kantenflimmern, wirkt die Optik auch recht hübsch. Was die Detailvielfalt angeht, darf man allerdings trotzdem kein Grand Theft Auto erwarten. Dieser Vergleich hinkt ohnehin mittlerweile. In den früheren Teilen hat Driver immer mehr Open-World-Elemente eingebaut. Man konnte sich als Spieler frei durch die Stadt bewegen und aus dem Fahrzeug aussteigen. Die Möglichkeit der freien Erkundung ist auch heute noch gegeben. Zu Fuß umherlaufen, mit dem Gewehr herumballern und ähnliche Attribute wurden allerdings aus dem Spielkonzept entfernt. Damit will Driver: San Francisco seinen Wurzeln wieder ein Stück näher kommen und sich mehr an den Rennspielelementen orientieren.

Driver: San Francisco lässt sich aber trotzdem nicht ganz mit einem klassischen Rennspiel vergleichen. Es werden zwar auch einige Herausforderungen geboten, in denen es darum geht, als erstes ins Ziel zu kommen, aber solche Elemente sind fast schon zweitrangig. Ebenso gibt es auch keine Rundkurse oder Rundenzeiten. Vielmehr dreht sich halt alles auf den Straßen der Megametropole ab. Hier werden zahlreiche Aufträge geboten, die es zu erledigen gilt, damit sich neue Hauptmissionen freischalten. Häufig geht es darum, Verbrecher dingfest zu machen. Das geschieht meist mit schlagkräftigen Argumenten in Form von waghalsigen Rammattacken. Teilweise muss aber auch ein Stunt vollführt oder eine Schutzperson über Nebenstraßen eskortiert werden. Alles in allem wirken die Aufträge ausgewogen und bereiten vor allem auch wegen der erwähnten Dialoge viel Freude.

Die Macher haben aber nicht nur das Konzept zusammengeschrumpft und sich auf die wesentlichen Elemente beschränkt, sondern auch einige neue Features ins Spielgeschehen eingebettet. Die wichtigste Neuerung ist an dieser Stelle die Shift-Funktion, mit der man auf Knopfdruck in die Körper anderer Personen schlüpfen kann. Diese übersinnliche Kraft hat der Hauptcharakter im Koma erlangt und nutzt sie natürlich  so gut es geht aus, um Bösewichte einzulochen. Der Spieler schaut beim Shiften auf eine Karte und sieht dabei alle Fahrzeuge, die sich in der Stadt bewegen. Ein Knopfdruck reicht schon aus und man landet im Geist einer anderen Figur und hat damit die Kontrolle über den Wagen. Damit lassen sich viele Aufträge aufwerten. Zwei Bomben an unterschiedlichen Stadtenden entschärfen? Dank dieser Funktion alles kein Problem. Spannend wird es auch, wenn man in einem Rennen die Kontrahenten ausschalten möchte. Da genügt es schon, sich in den Gegenverkehr zu beamen und einen Unfall zu provozieren.

Tolle Idee, die sich auf vielfältige Weisen ausnutzen lässt. Zudem wird dieses übersinnliche Feature im Verlauf immer mal wieder verbessert. So kann man später noch weiter aus der Karte herauszoomen, um schneller an den gewünschten Ort zu kommen. Außerdem schalten sich noch Funktionen wie das Rammen frei. So kann man eine Attacke aufladen und den Widersacher noch besser von der Fahrbahn bringen. Mit all diesen Möglichkeiten wird das Renngeschehen wirklich alles andere als langweilig. Wer abseits des Einzelspielerparts allerdings doch noch ein wenig die Zeit vertreiben möchte, kann auch einen Blick zum Onlinepart werfen. Hier dürfen acht Personen unterschiedliche Auseinandersetzungen bestreiten.

Das Spielprinzip von Driver: San Francisco macht sicherlich klar, dass keine Simulation geboten wird. Daher kommt die Fahrweise sehr arcadelastig daher, was allerdings keineswegs als Kritik zu verstehen ist. Überaus positiv fällt zudem auf, dass der Titel zahlreiche reale Automarken zu bieten hat. Der Spieler schlüpft also unter anderem in die Fahrzeuge der Hersteller Chevrolet, Dodge und VW.

 

Fazit:

Ich hätte nicht gedacht, dass mir Driver: San Francisco doch so viel Spaß bereiten könnte. Nachdem die letzten Teile der Reihe eher mittelmäßige Abenteuer waren, haben die Macher endlich die Notbremse gezogen, um wieder zu den elementaren Wurzeln zurückzukehren. Und eben dieses Unterfangen ist Ubisoft an dieser Stelle wirklich gelungen. Der Titel bietet Humor, hat neue Features und erfreut sich einer riesigen Spielwelt. Wer mit diesem Genre also etwas anfangen kann, wird mit Driver: San Francisco sein Geld keinesfalls verschwenden. – Daniel Dyba


Wertung: 8 / 10


 

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