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19. 03. 2008

Testbericht: Turok

Bereits elf Jahre ist es her seit Turok zum ersten Mal mit Pfeil und Bogen die Welt der Konsolen eroberte. Nach fünf Fortsetzungen meldete Entwickler Acclaim Konkurs an. Touchstone kaufte die Turok-Marke aus der Konkursmasse und setzt den Spielern nun einen Titel mit einem völlig anderem Spielprinzip und Story vor.

In den älteren Teilen der Reihe war ein Turok ein auserwählter Krieger eines Indianerstammes, der das Böse bekämpfen sollte. Im neuen Teil übernehmt ihr die Kontrolle über einen Soldaten, dessen Nachname Turok lautet. Dieser soll mit einem Trupp von Soldaten auf einem fremden Planeten ausgesetzt werden, um dort einer terroristischen Organisation namens „Wolfpack“ das Handwerk zu legen. Doch leider wird beim Anflug auf den Planeten das Schiff von einer Rakete getroffen und stürzt ab. Ihr wacht im Dschungel wieder auf und beginnt zunächst, eure anderen Teammitglieder zu suchen. Doch eure Kameraden sind natürlich nicht das einzige, was euch auf dem Planeten erwartet…

Screenshot: TurokSchnell lauft ihr in eine Horde kleiner Raptoren, die euch an den Kragen wollen. Allerdings sind die kleinen Biester zu schnell für eure Schusswaffen. Hier kommt mit dem Messer eine der mächtigsten Waffen zur Dinosaurierjagd ins Spiel: Drückt ihr rechtzeitig den Abzug, erscheint eine kleine Sequenz, in der Turok dem Dinosaurier zum Beispiel die Kehle durchschneidet, was zum sofortigen Tod führt. Wann der Abzug gedrückt werden muss, ist nicht ganz leicht abzuschätzen und erfordert am Anfang noch etwas Glück. Mit ein paar Stunden Übung kann aber jeder Spieler ganze Horden von Dinosauriern nur mit dem Messer töten. Seltsam ist hierbei, dass die Urzeit-Reptilien ganz im Gegensatz zu den menschlichen Gegnern ganze Fontänen bluten und von euren Waffen sichtbar verwundet werden. Bei den Söldnern von Wolfpack sprühen nur Funken und sie sehen auch nach Beschuss noch unversehrt aus. Dies ist aber laut Aussage eines Touchstone-Sprechers keine Jugendschutzmaßnahme für Deutschland. Jede Version wird so aussehen.

Screenshot: TurokUm den Söldnern Paroli bieten zu können habt ihr ein Arsenal zur Verfügung, das über zehn Waffen umfasst und von der Schrotflinte bis zur Minigun alles bietet. Allerdings können immer nur zwei Schusswaffen, der Bogen und das Messer gleichzeitig getragen werden. Kleine Schusswaffen können auch zusammen verwendet werden. Dies ist jedoch wenig empfehlenswert: Erstens könnt ihr nicht mehr heranzoomen, was in den meist weitläufigen Arealen ein großer Nachteil ist. Zweitens könnt ihr keine Granaten werfen, um die Gegner aus ihren Verstecken zu locken. Dies ist aufgrund der schwankenden Gegner-KI aber oft nicht nötig. Manchmal rennen die Söldner nämlich erst intelligent von Deckung zu Deckung nur um danach einfach stehen zu bleiben oder ohne Deckung auf euch zuzulaufen. Diese Schwäche der KI ist besonders ärgerlich, wenn es um die Stealth-Elemente des Spiels geht. Schon im Vorfeld wurde Turok als „leiser Tod“ angepriesen, der seine Gegner mit Messer und Bogen unerkannt ausschaltet. Allerdings können diese Funktionen vom Spieler nicht konsequent genutzt werden, da dieselben Gegner oft sehr unterschiedlich reagieren. Manchmal werdet ihr schon aus der Ferne erspäht und unter Beschuss genommen, in anderen Fällen könnt ihr vor dem Gegner stehen bleiben, ohne dass dieser euch bemerkt. Da ihr euch niemals sicher sein könnt, wie sich euer Gegenüber verhält, ist es meistens besser, die größte verfügbare Waffe zu nehmen und die Gegner wie in den meisten Shootern so schnell wie möglich zu erledigen. Schade, denn mit Pfeil und Bogen Gegner an die Wand zu nageln oder von hinten zu überraschen, macht wirklich Spaß.

Leider ist Turok manchmal sehr unübersichtlich. Ist man zu schwer verwundet, wird die komplette Umgebung unscharf. Dieser Effekt kann schnell nerven: Man sieht sekundenlang so gut wie nichts mehr und kann nur noch in Deckung gehen. Ist gerade keine Deckung verfügbar, ist man schon so gut wie tot. Auch die Steuerung ist etwas hakelig und erschwert das Zielen vor allem zu Beginn erheblich. Wenn man sich aber an die etwas hektische Abfrage der Sticks gewöhnt hat, kommt man - zumindest als geübter Spieler – gut durch das Spiel.

Screenshot: TurokTechnisch trumpft Turok auf. Die Umgebung wechselt fließend zwischen malerischen Schluchten im Dschungel, in denen gigantische Dinosaurier umherwandern, zu düsteren Höhlen und kalten Militärbasen. Die Charaktermodelle aller Figuren sind sehr detailliert ausgearbeitet und die Animationen der Dinosaurier sind fast ebenbürtig mit denen der Jurassic Park-Filme. Lediglich ein wenig Kantenflimmern und gelegentliche Zeilenverschiebungen trüben das Gesamtbild. Der Sound des Spiels trägt ebenfalls sehr gut zur Atmosphäre des Spiels bei und untermalt die schöne Grafik sehr gut. Allein die Waffeneffekte hätten etwas besser ausfallen können: Selbst mit einem Subwoofer sind die Geräusche der Waffen eher lasch. Bei den Zwischengegnerkämpfen trumpft die Grafik noch einmal richtig auf: Die riesigen Dinosaurier sind beeindruckend gestaltet und fordern eure Geschicklichkeit. Leider gibt es diese nicht sehr oft: Bis zum ersten Zwischengegner müsst ihr ungefähr fünf Stunden spielen.

Der Multiplayer Modus ist solide, wenn auch nicht im Geringsten innovativ: Es gibt einen Online-Koop-Modus, in dem ihr die Kampagne zu zweit durchspielen könnt. Außerdem könnt ihr euch mit anderen Spielern in den Standard-Multiplayer-Modi wie Deathmatch und Capture the Flag messen.

Fazit

Turok ist nicht ganz das geworden, was im Vorfeld angekündigt wurde, aber dennoch ein grundsolider Shooter. Jedoch wird jeder, der sich eine Fortsetzung zu den alten Teilen der Reihe gewünscht hat, enttäuscht sein. Der neue Turok hat mit dem alten nichts gemeinsam, weder was den Spielablauf noch die Story angeht. Wer allerdings einfach nur schießen will ohne Nachzudenken, wird mit dem Spiel seine Freude haben. Für Fans von Shootern, die sich an linearem Spielablauf nicht stören, ist Turok ein wirklich guter Zeitvertreib. Allen Nostalgikern und Fans von Shootern mit Tiefe ist vom Kauf allerdings abzuraten. Außerdem sollten sich Anfänger wegen des relativ hohen Schwierigkeitgrades erst an leichteren Spielen üben. Benjamin Dross

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