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22. 05. 2011

Testbericht: Virtua Tennis 4

Ganz großes Tennis! Genau dieses Motto wird im Jahre 2011 wieder einmal großgeschrieben, denn mit Top Spin 4 und Virtua Tennis 4 kämpfen die beiden großen Konkurrenten mit einem nur geringen Zeitunterschied gegeneinander. Kann das arcadelastige Virtua Tennis aus dem Hause Sega den Genrethron erklimmen?

Screenshot: Virtua Tennis 4Roger Federer, Rafael Nadal, Tommy Haas – das sind Namen, die vermutlich fast jeder schon einmal aufgegriffen oder im Fernsehen gehört hat. Diese drei Herren sind nur einige der vielen Tennis-Profis, die bei den Turnieren dieser Welt ihr Können unter Beweis stellen und zahlreiche Siege nach Hause bringen. Zugegeben – der Tennissport gehört sicherlich nicht zu den beliebtesten Sportarten, doch trotzdem zeigt eine beachtliche Fangemeinde, dass diese Art der körperlichen Bewegung nicht zu unterschätzen ist. Daher ist es auch kaum erstaunlich, dass schon seit vielen Jahren Tennis-Titel für die Videospielwelt entwickelt werden. Die Virtua Tennis-Reihe aus dem Hause Sega wurde am Arcade-Automaten geboren und fand schnell seinen Weg in die Konsolenriege. Inzwischen sind viele Jahre ins Land gezogen und der bereits vierte Teil der Serie wurde jüngst veröffentlicht.

Die bereits erwähnten Profi-Spieler sind nur eine kleine Auswahl derer, die auch in Virtua Tennis 4 einen festen Platz im Spielerregiment besitzen. Wer will, kann gewohntermaßen einen der Herren oder eine der Damen nutzen, um ein schnelles Spiel zu beginnen. Bis zu vier menschliche Teilnehmer können an einer Konsole mit in die Herausforderung einsteigen. Mit der Maximalanzahl wird dann einfach ein Doppel gestartet, das viel Spaß mit sich bringt, da dank der guten Übersicht ein gelungenes Erlebnis geschaffen wird. Online geht es ebenso zur Sache – auch hier dürfen bis zu vier Spieler gegeneinander in einem Match antreten. Die Performance der Server zeigt sich dabei fast tadellos, sodass Ruckler nur selten angetroffen werden. Wer jedoch nur wenig Erfahrung vorweisen kann, sollte den Übungsmodus den anderen Alternativen zu Beginn vorziehen. An dieser Stelle werden genügend Möglichkeiten geboten, damit Neulinge einen schnellen Einstieg erreichen können.

Screenshot: Virtua Tennis 4Der Einstieg und die Eingewöhnung verlaufen beide aber ohnehin ziemlich flott ab. Grund hierfür ist die simple Steuerungsmechanik, die eine gute Tastenverteilung mit sich bringt. Es stellt sich jedoch leider schnell heraus, dass die einzelnen Schläge nur wenig unterschiedlich daherkommen. Sie ähneln sich zu sehr, was im Klartext bedeutet, dass es schon fast egal ist, welche Variante man benutzt. Arcade hin oder her, aber hier wäre mehr Realismus keine schlechte Investition gewesen. Selbiges gilt für die Schlagabtausche selbst auch. Der Ballwechsel präsentiert sich teils sehr träge, weshalb nur wenige spannende Situationen zu Stande kommen. Dynamik ist das Stichwort, was an dieser Stelle leider in keinem positiven Zusammenhang verwendet werden kann. Der Spieler muss während einer Auseinandersetzung lediglich darauf achten, wie seine Position zum ankommenden Filzball ist. So entscheidet sich nämlich, ob die Vor- oder Rückhand benutzt wird. Einzig der Spezialschlag, der durch eine Leiste aufgeladen wird, kann etwas mehr spielerische Tiefe bieten. Der Spieler hat im Verlauf von Virtua Tennis 4 die Möglichkeit, sich einen Stil zu erarbeiten. Danach richtet sich dann auch der Spezialschlag, der besonders stark ausfällt, aber nicht unbedingt einen siegreifen Treffer vollführen muss.

Wenn es um die Steuerung geht, liegt bei einem Tennisspiel die Implementierung einer Bewegungssteuerung wohl kaum fern. Genau dieses Element hat einen Weg in den neuesten Ableger der Reihe gefunden, wenn auch nur in einem abgeteilten Modus. Alle anderen Parts werden ganz normal weiterhin mit dem Controller vollzogen. Das ist aber noch lange kein Grund zur Trauer. Eher im Gegenteil, die Bewegungssteuerung wurde nämlich kaum sinnvoll eingesetzt. Der Bildschirm ist sehr unübersichtlich gehalten und die Eingaben werden zu spät erkannt. Frust ist in diesem Part der herrschende Aspekt, denn wirklich Spaß macht das Ganze nicht. Wenn man die Steuerung aber als nette Dreingabe betrachtet, kann dies durchaus verkraftet werden.

Screenshot: Virtua Tennis 4Der Dreh- und Angelpunkt von Virtua Tennis 4 ist die Karriere, in der sich alles um Ruhm und Anerkennung dreht. Wer Monopoly zu schätzen weiß, wird auch hier möglicherweise seine Freude haben. Was zunächst merkwürdig klingt, macht durchaus Sinn, denn die Spielkarte macht schnell den Eindruck eines großen Spielbretts. Dabei verfügt man über Tickets, mit denen der Spieler Felder vorrücken kann. Es stehen immer unterschiedliche Tickets mit verschiedenen Zahlenangaben bereit – je nachdem welche Wahl getroffen wurde, landet man auf einem entsprechenden Feld. Hier können unterschiedliche Herausforderungen auf einen warten. So werden unter anderem kurze Show-Kämpfe, große Tennis-Turniere oder Verletzungsfelder geboten, die dann die Saison zeitlich verkürzen. In den meisten Fällen muss man sich jedoch mit Trainingsherausforderungen abmühen. Sie kommen in Form von zahlreichen Minispielen daher. Was zu Anfang noch Freude bringt, artet nach einiger Zeit des Spielens in wahre Arbeit aus. Abwechslung ist gut, aber ein Minispiel nach dem anderen ist keine Lösung, um die Langzeitmotivation aufrecht zu erhalten.

Immerhin bekommt der Charakter, der übrigens zum Start der Karriere selbst gestaltet werden muss, nach jeder erfolgreichen Herausforderung Ruhmespunkte. Das Ziel ist natürlich, möglichst viele davon zu sammeln, damit der Spieler die Rangleiter empor klettern kann. Die erwähnten Minispiele, in denen man zum Beispiel Fußbälle in ein Tor schlägt, sorgen zudem für einen Anstieg der Ausdauer. Der Charakter verliert nach jeder Auseinandersetzung Teile seiner Kondition, was im schlimmsten Fall wieder zu Verletzungen und damit zu Beeinträchtigungen im Spielverhalten führen kann. Dieser Aspekt gefällt, da man so auch ein wenig auf das Drumherum der Figur achtet. Weniger gelungen präsentiert sich dagegen das Drumherum der Umgebungen. Das bezieht sich vor allem auf die Zuschauer, die starrer kaum hätten sein können. Abgesehen von den hölzernen Animationen, kann die Grafik aber auch einige nette Bilder liefern.

Fazit:
Die Karriere bietet viele Stunden vor der heimischen Konsole, was dem großen Umfang an dieser Stelle zu verdanken ist. Ebenso bringt es Freude, mit menschlichen Kontrahenten ein Match zu beginnen, aber diese Aspekte sind leider noch nicht alles, um ein ordentliches Produkt abzuliefern. Dynamik und Abwechslung fehlen einfach zu sehr, was schon nach einiger Zeit des Spielens immer wieder störend auffällt. Gerade die Minispiele, die gezwungenermaßen absolviert werden müssen, haben mit einem Tennisspiel kaum noch etwas gemeinsam. Da bietet der Genrerivale von allem einfach etwas mehr. Eine grausige Leistung liefert Sega hier zwar nicht unbedingt ab, meine Erwartungen wurden jedoch bei Weitem nicht erfüllt. – Daniel Dyba

Gesamtwertung: 7 / 10

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