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06. 12. 2007

Testbericht: World in Conflict

Der zweite Weltkrieg wurde bereits über alle Maßen strapaziert, Laserwaffen in der fernen Zukunft gab es auch schon zu genüge, und Fantasy-Schlachten im Mittelalter sind vielen zu albern. Was also soll man als waschechter Stratege noch in sein Laufwerk schieben? Ein Spiel mit modernen Waffen in einer alternativen Gegenwart klingt spannend, oder? Ist es auch. World in Conflict zeigt auf, welchen Verlauf der kalte Krieg auch hätte nehmen können. Wenn die Russen auf einmal beschlossen hätten, das kalte Waffen langweilig sind. Und wenn die sowjetische Armee stattdessen in Amerika einmarschiert wäre.

Screenshot: World in ConflictNatürlich wird bereits in der Intro symbolträchtig die Freiheitsstatue in Stücke geschossen, und plötzlich kommt der Krieg in die gepflegten Gärten der Vorstadtbewohner. Die amerikanische Armee ist völlig überfordert und kann sich den feindlichen Invasoren mehr schlecht als recht erwehren. Hier kommt ihr ins Spiel: Als Kommandant der „Guten“ müsst ihr die Sowjets schnell davon überzeugen, dass Mütterchen Russland viel schöner ist zum Verweilen als amerikanisches Territorium. Euer Arsenal: Alles, was kurz vor den 70er Jahren so modern war. Also dürft ihr nicht nur mit den obligatorischen Panzern und Infanteristen gegen die Rote Armee zu Felde ziehen, sondern zur Not auch auf Napalm und die damals – und heute – so gefürchtete Atombombe zurückgreifen. World in Conflict setzt dabei nicht auf Basenbau und riesige Massenschlachten, sondern flechtet eine beklemmende Atmosphäre durch viele kleine Scharmützel, in denen Nachschub rar ist und die Stimmung verzweifelt. Das soll nicht heißen World in Conflict wäre unfair oder frustrierend: Im Gegenteil haben es die Entwickler geschafft, durch eine gelungene Erzählweise und ein ausgeklügeltes Gameplay und Balancing für echte Dauermotivation zu sorgen.

Screenshot: World in ConflictIhr spielt Leutnant Parker, der unter dem Kommando von Colonel Sawyer steht. Dieser gibt euch in jeder Mission verschiedene Primär- und Sekundärziele, die sich während des laufenden Spiels öfters ändern können. Meistens seid ihr damit beschäftigt, wichtige strategische Ziele zu erobern und zu sichern, oder eben diese von den Russen zurückzuerobern. Wie bereits erwähnt gibt es keinen Basenbau: Alle Nachschubeinheiten werden per Flugzeug über einer von euch bestimmten Landezone abgeworfen. Je mehr Boden ihr gut macht, desto näher dürft ihr diese Zone an die Front verschieben. Um neue Panzer, Infanteristen und Transporter zu ordern, braucht ihr Verstärkungspunkte. In einem komfortablen Menü wählt ihr dann die gewünschten Einheiten aus und klickt auf den „Abwurf“-Button. 20 Sekunden später seht ihr die Fallschirme langsam zu Boden gleiten. Aber Vorsicht: Die Punkte sind in jeder Mission begrenzt. Einmal ausgegeben erhaltet ihr sie nur zurück, wenn eure eigenen Einheiten das Zeitliche segnen. Dann werden die Kosten eurem Konto langsam wieder gutgeschrieben, sodass ihr nach einiger Wartezeit neue Einheiten ordern dürft. Durch dieses System passt man automatisch besser auf seine Truppen auf, wildes Verheizen führt zu einer sicheren Niederlage. In der anderen Bildschirmecke ist das Unterstützungsmenü zu finden, das nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert. Hier kann man seine Punkte für Artillerieschläge oder Luftangriffe ausgeben, die für den Verlauf einer Schlacht entscheidend sein können. Für jede Taktik ist etwas dabei: Wird man z.B. aus dem Wald heraus ständig von Panzerfaustschützen geärgert, brennt man ihn einfach kurzerhand per Luftunterstützung mit Napalm nieder. Das verschafft nicht nur Ruhe, sondern auch einen Ausblick auf eventuelle andere Einheiten, die sich hinter dem Wald versteckt gehalten haben. Ebenso einfach zu bedienen ist auch der Rest des Spiels: Mit einem Klick lassen sich die Spezialfähigkeiten der Einheiten einsetzen – Panzer haben gegen besonders hartnäckige Gegner zum Beispiel Boden-Boden Raketen mit an Bord, Infanteristen sprinten auf Befehl zu ihrem Ziel und sind so schwerer zu treffen. Dezimierte Infanterieeinheiten können auf Knopfdruck wieder auf die volle Stärker aufgestockt werden und so weiter. Alles passiert völlig intuitiv, ohne zahlreiche Untermenüs und lästiges Suchen.

Screenshot: World in ConflictDie zahlreichen Vergleiche mit Battlefield 2 kommen nicht von ungefähr: Die Steuerung ist für ein Strategiespiel nämlich höchst ungewöhnlich. Zum Navigieren über das Schlachtfeld benutzt man die aus Shootern bekannten WASD-Tasten, die Maus dient lediglich zum Schwenken und Neigen der Kamera – und natürlich zum Erteilen von Befehlen. Besonders deutlich wird die Nähe zu Actiontiteln im Multiplayer. Zahlreiche Modi sorgen seit dem Erscheinen für eine wachsende Online-Community, die sich über den gelungenen Genre-Mix freut. Auch hier wurde wert auf Taktik gelegt: In „Vorherrschaft“ müsst ihr beispielsweise die Kontrolle über Kommandoposten erlangen, die auf der Karte verteilt sind. Haltet ihr mehr als der Gegner, verrückt der Zeiger auf der Vorherrschaftsleiste zu euren Gunsten. „Tauziehen“ spielt sich ähnlich, jedoch gilt es hier, die Kontrolle über die Frontlinie zu halten, um euren Gegner zurückzudrängen. Der Kampf konzentriert sich so immer an vorderster Front und wird nicht langweilig. Jeder Modus hat seine taktischen Pflichten, stumpfes „zerstöre alle Einheiten des Gegners“ ist nicht zu finden.

Screenshot: World in ConflictDie Präsentation ist – gerade für einen Strategietitel – über alle Zweifel erhaben. Die Explosionen und Rauchschwaden sind einfach atemberaubend, und wenn eine Atombombe mit all ihrer Gewalt explodiert, fängt wahrscheinlich auch die Grafikkarte an zu glühen. Perfekt passende, dramatische Musik und eine tadellose deutsche Synchronisation tragen ihren Teil zu dem hervorragenden Eindruck bei. Wenn euch euer hasenfüßiger Kollege Bannon mal wieder hängen lässt und sich dafür Schelte von Colonel Sawyer einfängt, fühlt man sich schnell als echter Teil der Truppe. Die Zwischensequenzen treiben die Geschichte gekonnt voran, nicht zuletzt aufgrund der sehenswerten Grafik, die es locker mit qualitativ hochwertigen Shootern aufnehmen kann. Die Liebe zum Detail schlägt sich auch in der Umgebung nieder. Wenn man beispielsweise einen Supermarkt oder eine Tankstelle in einer Kleinstadt halten muss merkt man, wie bedrückend real die nukleare Bedrohung damals doch war. Krieg geht bei World in Conflict nicht nur die Militärs etwas an, sondern zeigt erschreckend realistisch, wie zerbrechlich die heile Alltagswelt doch sein kann.

Fazit:

So viel Lob, gibt es denn keine Schattenseiten? Kaum, eigentlich hätte nur das Missionsdesign etwas abwechslungsreicher ausfallen dürfen. In all der Hektik und wuchtigen Explosionen ist das Spiel aber an mir vorbeigeflogen und ich habe mich keine Minute gelangweilt. Die dichte Atmosphäre und die spannende Geschichte lassen den Spieler nicht mehr los, bis er auch die letzte Mission hinter sich gebracht hat. Danach hält der absolut geniale Multiplayer-Part weiterhin bei Laune. So viel Kurzweil für sein Geld bekommt man wirklich selten. Statt stundelangem Basenbau und einem Rush nach dem anderen gibt es hier taktische Tiefe und trotzdem nonstop Action. Bleibt nur eins: Unbedingt selbst ausprobieren und diesem hervorragenden Titel verfallen! Simon Weiß

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