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13. 03. 2015

Angespielt: Tesseract

Dass sich auch auf Open Source Basis anspruchsvolle Ego-Shooter entwickeln lassen ist nicht erst seit Cube 2: Sauerbraten oder Warsow bekannt. Tesseract möchte sich in die Reihe dieser prominenten Titel einreihen und setzt dabei auf die Engine von Cube 2: Sauerbraten, die allerdings in vielen Aspekten verbessert und erweitert wurde. Bereits seit 2014 ist eine spielbare Version verfügbar, die wir für euch unter die Lupe genommen haben.

Der Fokus bei Tesseract liegt auf Instagib-Spielen. In diesem Spielmodus, der für Online- und Netzwerk-Spiele ausgelegt ist, besitzen alle Spieler nur eine einzige Waffe, die eine relativ lange Nachladezeit aufweist und nur einen Treffer benötigt, um einen Gegner auszuschalten. Aufgrund dieses Schwerpunkts sucht man eine Single-Player Kampagne in der von uns getesteten derzeit aktuellen "First Edition" des Spiels vergeblich. Immerhin lassen sich im Spiel relativ einfach Bots hinzufügen. Dies ist allerdings auch notwendig, da auf der überschaubaren Anzahl von Servern meist Flaute herrscht.

Ein weiterer Fokus des Spiels liegt auf dem In-Game Editing. Hierdurch lassen sich im laufenden Spielbetrieb neue Level bauen oder bestehende verändern. Anders als bei Ego-Shootern sonst üblich ist im Prinzip also kein umständlicher Level-Editor mit zumeist mehreren Darstellungsansichten notwendig, um ausgefallene 3D-Welten zu entwerfen. Der Editor ist dabei wie die diversen anderen Spielmodi bei der Erstellung einer Spielrunde als eigener Spielmodus wählbar. Da Tesseract im Kern ein Mehrspieler-Titel ist, lässt sich auch der In-Game Editor mit mehreren Spielern gleichzeitig nutzen. In der Praxis scheitert das Ganze dann aber leider an der relativ komplizierten Umsetzung: Bestehende Strukturen in einem Level lassen sich zwar relativ einfach verändern, entfernen oder duplizieren, die Erstellung eines komplett neuen Levels mit individuellen Details dürfte sich jedoch als äußerst zeitaufwendig erweisen. Da die 3D-Levels eines Ego-Shooters durchaus komplexe Gebilde darstellen ist das Ganze auch nicht weiter verwunderlich und den Entwicklern insofern kein Vorwurf zu machen. Trotzdem bleibt abzuwarten, ob sich das In-Game Editing in der Praxis durchsetzt, wenn die Komplexität der Bedienung einem klassischen Editor in nahezu nichts nachsteht.

Etwas enttäuschend ist die Tatsache, dass Tesseract in der "First Edition" mit nur zwei vollständig spielbaren Leveln daher kommt. Alle weiteren Level sind eher als Ausgangspunkt für eigene Entwürfe zu sehen oder weisen noch keine Wegpunkte für Bots auf. Neben Instagib in seinen verschiedensten Ausprägungen (Deathmatch, Team Deathmatch und Capture the Flag) stehen die selben Spielmodi auch im sogenannten Pulse-Rifle Modus zur Verfügung. In diesem wird die Rail Gun aus dem Instagib-Modus durch eine sogenannte Pulse-Rifle ersetzt, die wesentlich langsamere Projektile verschießt. Dies erfordert ein voraus schauenderes Spielen und erinnert an die Kämpfe mit dem Disc Launcher aus Starsiege Tribes. Insgesamt lässt sich sagen, dass das Gameplay zwar makellos ist, im Vergleich zu Open Arena aber dennoch den kürzeren zieht. In diese Bewertung fließen sicher auch einige subjektive Aspekte ein, da die Aufmachung der Menüs und auch die Spielwelten zwar technisch hervorragend ist, die Atmosphäre allerdings etwas kühl wirkt. Selbst bei objektiver Betrachtung wirkt das Gameplay allerdings langsamer und weniger stimmig als in der Genre-Referenz.

Technisch weiß Tesseract durchaus zu überzeugen, was insbesondere an der bereits angesprochenen von Grund aus überarbeiteten Engine liegt. Nicht nur die Lichteffekte inklusive Schattenwurf machen eine gute Figur, sondern auch die Texturen hinterlassen einen positiven Eindruck. Anders als die Sound-Effekte, die eher durchschnittlich daher kommen sammelt Tesseract bezüglich der Systemanforderungen deutlich Pluspunkte: Die Betriebssystem-Unterstützung (Windows, Mac OS, Linux) ist ideal und das Spiel läuft auch auf gestandenen Rechner-Konfigurationen noch recht flott. Zudem stehen in den Menüs zahlreiche Stellhebel zur Verfügung, um sowohl das optische Erlebnis als auch die Steuerung an die eigenene Bedürfnisse anzupassen.

Fazit

Mit der "First Edition" haben die Entwickler bereits einen großen Schritt getan, um in Zukunft mit Tesseract ein echte Alternative zu gestandenen Open Source Shootern wie Open Arena zu bieten. Die technische Umsetzung ist dabei makellos und durchaus ansprechend. Der Umfang ist derzeit zwar noch etwas beschränkt, was im Fall einer "First Edition" aber nicht unbedingt als Kritikpunkt ausgelegt werden sollte. Diesbezüglich fällt nur das Gameplay ins Gewicht, das gerade im Vergleich zu Open Arena etwas weniger stimmig und kühl wirkt. Mario Siewert

Screenshots:

Die Beleuchtungs-Effekte inklusive der von den Dachträgern geworfenen Schatten können sich durchaus sehen lassen.Trotz eines geringen Umfangs bieten die vorhandenen Level bereits Einblick in die Möglichkeiten der Engine des Spiels - hier in Bezug auf den Schattenwurf.Die in der First Edition enthaltenen Spielwelten wirken teilweise noch etwas karg.Im In-Game Editor lassen sich einzelne Blöcke des Levels hinzufügen oder entfernen.Neben menschlichen Spielern lässt sich Tesseract auch mit und gegen computergesteuerte Bots spielen.Obwohl Tesseract im Großen und Ganzen nicht sehr brutal ist gibt es immer wieder Spielszenen, die durch genretypische Pixelblut-Darstellungen auffallen.Die Railgun zeichnet sich wie beim Großen Vorbild durch einen einfachen gerade verlaufenden Strahl aus.Hier wurde eine Säule im In-Game Editor dupliziert und der Bereich zwischen den beiden Säulen markiert.Die Darstellung der Texturen und Lichtquellen braucht sich vor anderen Genre-Vertretern nicht zu verstecken.Die Animationen der Spielfiguren können sich durchaus sehen lassen.Nicht alle Karten des Spiels überzeugen durch optisch abwechslungsreiche Texturen.Die Minimap am oberen rechten Bildschirmrand ist gerade bei Capture the Flag Runden hilfreich.Die Game-Engine von Tesseract kommt auch mit mehreren Lichtquellen gut klar.Eine der unbeliebtesten Spielsituationen im Instagib-Modus: Der Gegner befindet sich in optimaler Entfernung, aber die Railgun muss nachgeladen werden.In einer solchen Situation sollte man nicht lange zögern, da man ansonsten selbst das Zeitliche segnet.Im Pulse Rifle Match sind die Projektile wesentlich länger unterwegs als im Instagib-Modus.

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