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12. 11. 2007

Testbericht: Die Simpsons - Das Spiel (Wii)

Nachdem bereits einige Versuche, die Simpsons auf dem PC oder Konsolen ebenfalls so erfolgreich zu machen wie auf der Leinwand gescheitert waren, glückte dieses Kunststück vor einigen Jahren erstmals mit dem Erscheinen von Hit & Run. Nun steht mit Die Simpsons - Das Spiel der nächste Versuch an, der mit Hit & Run gleichziehen, oder es sogar übertrumpfen möchte.

Während Hit & Run noch bei Sierra erschien, wird Die Simpsons - Das Spiel von Electronic Arts vertrieben und bereits beim Spielstart merkt man, mit welcher Sorgfalt die Entwickler sich an die Umsetzung der Lizenz gemacht haben: Intromusik und Soundeffekte dürften Simpson-Fans bestens vertraut sein und steigern die Vorfreude auf das Spiel, das unter anderem mit über 40 Minuten zusätzlichem Zeichentrickmaterial und einer Story aus den Federn der Serien-Autoren wirbt. Gleich zu Beginn gibt es dann auch schon eine längere Zwischensequenz, die sich wie alle anderen auf bestem Simpsons-Niveau befindet und von Ausschnitten der Serie kaum zu unterscheiden ist.

Screenshot: Die Simpsons - Das SpielÜber die Story wurden schon zahlreiche Details verraten, die auch größtenteils alle stimmen, dennoch wirkt die Handlung teilweise etwas chaotisch: Als die Simpsons rausfinden, dass sie Figuren in einem Videospiel sind, nutzt jedes Familienmitglied seine Superkräfte aus, um seine persönlichen Ziele zu erreichen: Homer und Bart verhindern einen Einbruch im Museum, Homer gewinnt einen Ess-Wettbewerb, Lisa hindert Mr. Burns am Abroden der Wälder von Springfield und Marge treibt einen wütenden Mob zusammen, um ein gewalttätiges Videospiel namens Grand Theft Scratchy verbieten zu lassen. Gerade als sich die Simpsons fragen, wozu ihre Superkräfte denn wirklich nützlich sein könnten, wird Springfield von Aliens, Delfinen und dem Kennern der Serie bestens bekannten Donut-Jungen angegriffen. Die Rettung Springfields stellt daher den nächsten Teil der Handlung dar, mit der das Spiel jedoch noch nicht zu Ende ist.

Aber nicht nur die mit Bezügen zur Serie vollgepackte Story samt authentischer Zwischensequenzen dürften Simpson-Fans begeistern, sondern auch die technische Umsetzung: Die Simpsons - Das Spiel setzt auf die Cell Shader Technologie, die schon bei XIII zum Einsatz kam und trotz oder gerade wegen des Verzichtes auf hochwertige Texturen die Realisierung von Spielen in "Zeichentrick-Grafik" ermöglicht. Ob es die Technik alleine oder die absolute Detailverliebheit der Entwickler war, lässt sich leider nicht sagen, fest steht allerdings, dass die Grafik nicht besser hätte sein können: In den ersten Spielszenen kommt man ob der beinahe vorhandenen Identität von Spielgrafik und Seriendarstellung aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dass die Szenen, die sich auf dem Bildschirm abspielen keine neue Episode sind, merkt man oft erst beim zweiten Hinschauen.

Screenshot: Die Simpsons - Das SpielEng verwandt mit der tollen Grafik ist aber auch das größte Manko des Spiels: Die Kamerasteuerung ist den Entwicklern leider größtenteils misslungen und ist der größte Auslöser für Frustmomente. Zwar lässt sich die Kamera auf der Wii mittels eines Steuerkreuzes bewegen, lässt sich aber nicht durch Objekte und Wände hindurch bewegen. Dies dient wohl der Vermeidung von Clipping-Fehlern, aber da sich die meisten Jump & Run Einlagen des Spiels in der Nähe von Wänden abspielen, findet man sich gerade dort häufig in unübersichtlichen Situationen wieder. Dass die Steuerung sich an die Kameraposition anpasst ist zwar eigentlich praktisch (so ist es theoretisch möglich, die Spielfigur trotz ständigen Geradeauslaufens zu lenken, indem einfach die Kamera rotiert wird), sorgt aber an den Stellen, an denen die Kamera aus welchen Gründen auch immer plötzlich die Richtung wechselt, für Probleme.

Das Gameplay von Die Simpsons - Das Spiel lässt sich als Jump & Run mit Rätsel- und Action-Einlagen beschreiben. Grundsätzlich gilt, dass sie die einzelnen Episoden jeweils mit zwei fest vorgegebenen Familienmitgliedern bestreiten und ständig zwischen diesen beiden wechseln können. Da jede Spielfigur über spezielle Fähigkeiten verfügt, müssen sie so situationsabhängig erkennen, wer zur Lösung eines Problems beitragen könnte: Während Bart mit seiner Schleuder nicht nur Gegner, sondern auch Schalter aus der Ferne treffen kann, wird Homer per Knopfdruck zu einer riesigen Kampfkugel, die Gegner und Hindernisse überrollt, wenn er vorher nur genügend Essen aufgesammelt hat. Abgründe lassen sich mit ihm überwinden, wenn sich in der Nähe eine Heliumflasche findet, während Bart mit seinem Cape auf Luftschübe angewiesen ist. Lisa wiederum kann nicht nur Gegner mit ihrem Saxophon aufeinander lostreiben, sondern wird auch für zahlreiche Rätsel benötigt, da sie ihre spirituellen Fähigkeiten an den zahlreichen im Spiel platzierten Buddha-Statuen nutzen kann, um größere Gegenstände zu verschieben. Marge wiederum kann wütende Pöbel zusammenrufen und auf Gegner oder Objekte hetzen. Außerdem kann sie Maggie an Lüftungsschächten aussetzen. Anschließend dürfen sie Maggie übrigens selbst spielen und durch die Lüftungsschächte lenken.

Screenshot: Die Simpsons - Das SpielWährend sich die Rätsel und Hüpfeinlagen auf einem durchschnittlichen Niveau befinden und die Kämpfe eher wenig herausfordernd sind, lebt das Spiel natürlich von seiner Atmosphäre und den zahlreichen Gimmicks. So können sie neben Bonus-Items in den Leveln auch Videospiel-Klischees sammeln, die an Punkten wie Schaltern oder Abgründen versteckt sind und typisch für ein Videospiel sind. Springen sie beispielsweise an einem scheinbar aussichtslosen Punkt ins Wasser, in der Hoffnung dort einen Weg zu finden, erklärt ihnen der Verkäufer des Comicladens, dass man in den meisten Videospielen erst in der Fortsetzung das Schwimmen lernt. Auch sonst ist Die Simpsons - Das Spiel eine wirklich gelungene Videospiel-Parodie. Etwa in der Mitte des Spiels verschlägt es sie beispielsweise in eine Videospielfabrik, in der die einzelnen Räume nicht nur durch Röhren verbunden sind, die bei Benutzung den typischen "Super Mario"-Sound erklingen lassen, sondern auch die Gegnertypen allesamt aus Videospielen stammen. Endgegner ist hier zum Beispiel ein mit Fässern werfender Affe, der nur aus Lizenzgründen nicht Donkey Kong heißen dürfte. Auch die Story ist gespickt mit zahlreichen Verweisen auf die Welt der Computerspiele: Als beispielsweise der Streber Martin nach dem Konsum von Grand Theft Scratchy ein Auto anhält und Ned aus dem Wagen zerrt, ist dies Grund genug für Marge das Spiel zu verbieten. Mit dem korrupten EA-Manager, der gemeinsame Sache mit dem bestechlichen Bürgermeister Quimby macht, nimmt sich Publisher Electronic Arts schließlich selbst auf die Schippe.

Neben diesen für Computerspieler sicherlich amüsanten Details, kommen natürlich vor allen Dingen Simpson-Fans voll auf ihre Kosten. Hierfür sorgt unter anderem die perfekte Synchronisation, die auch diesmal auf die Originalstimmen aus der Serie zurückgreift. Zahlreiche humorvolle Kommentare von den üblichen Verdächtigen wie Ned Flanders, Polizeichef Wiggum oder Homer höchstpersönlich runden das Spielgeschehen ebenso ab wie extravagante Spielelemente. Hierzu gehört zweifelsohne das bereits angesprochene Herumkommandieren aufgebrachter Pöbel als Marge.

Screenshot: Die Simpsons - Das SpielBei einem unterdurchschnittlichen Preis (die Wii-Version kostet nur etwa 33 Euro) besteht natürlich zunächst die Sorge, dass sich der Umfang des Spiels in Grenzen hält. Dies ist zum Glück nicht der Fall, denn Die Simpsons - Das Spiel wartet mit 16 Episoden auf, was zwar immer noch lange nicht für eine zweistellige Stundenzahl an Spielspaß sorgt, aber wer sich durch alle Episoden spielt, bekommt nicht nur jede Menge des bereits angesprochenen exklusiven Videomaterials zu sehen, sondern durchlebt auch nahezu alle denkbaren Szenarien und Spieltypen, die vom Einsatz in der Normandie bei einer "Medal of Homer" genannten Episode über einen Fantasyausflug bei "Neverquest" bis hin zu einem Minispiel gegen Gott im Himmel reichen. Ein zusätzlicher Wiederspielwert ergibt sich durch versteckte Bonus-Items und vorgegebene Zeiten der einzelnen Missionen, die von ihnen unterboten werden müssen. Auch der Mehrspielermodus dürfte zumindest auf der Wii eine wirkliche Bereicherung darstellen. Da das Spiel wie bereits angesprochen eigentlich immer mit zwei Charakteren gespielt wird, erhält im Mehrspielermodus einfach ein menschlicher Mitspieler die Kontrolle über den zweiten Charakter.

Fazit

Bis auf die Kameraführung liefert Electronic Arts mit Die Simpsons - Das Spiel ein fast perfektes Simpsons-Spiel ab. Nie war die Authentizität eines Simpsons-Titels höher, was vor allen Dingen an den im Vergleich zur Serie nahezu identischen Grafiken und der wieder mal sehr guten Synchronisation liegt. Die Zwischensequenzen in TV-Qualität und die zahlreichen Kommentare und Gimmicks sorgen nicht nur für ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, sondern machen das Spiel auch zu einem Pflichtkauf für alle Simpsons-Fans. Dass das Spiel trotz der teilweise wirklich nervicen Kameraführung auch einem Großteil aller anderen Videospieler empfohlen werden kann und mit einer ausgezeichneten Wertung davon kommt, liegt einfach daran, dass es sonst keine Mankos gibt und zudem nahezu alle Facetten der Videospielkultur auf die ein oder andere Weise aufgegriffen oder parodiert werden. Wer sich mit Spielen auskennt, dürfte daher nicht nur einen Lachkrampf beim Spielen von Die Simpsons - Das Spiel bekommen. Warum es dann doch nicht zu einer 90er-Wertung reicht, liegt vor allen Dingen an den letztlich doch nicht allzu motivierenden Hüpf- und Action-Einlagen - hier konnte Hit & Run zu seiner Zeit mit spaßigen Verfolgungsjagden glänzen. Wem die Rätsel bei Die Simpsons - Das Spiel übrigens zu schwer sind, für den dürfte unsere Komplettlösung genau das richtige sein, um die abgefahrene Endsequenz zu Gesicht zu bekommen. Mario Siewert

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