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09. 03. 2011

Filmkritik: Tron Legacy

Fortsetzungen von Filmen sind immer wieder eine umstrittene Sache unter den Fanfraktionen. Häufig sehen die Macher nur das schnelle Geld und die Anhänger des Erstlings fürchten, dass das Antlitz ihres geliebten Streifens beschmutzt wird. Diese Angst stellt sich auch bei Tron Legacy ein.

Vom schnellen Geld kann bei Tron Legacy allerdings nicht die Rede sein, denn die Macher brauchten fast 20 Jahre um die Fortsetzung in die Kinos zu bringen. 1982 erschien der erste Tron mit Jeff Bridges (True Grit, The Big Lebowski) in der Hauptrolle. Als genialer Computerentwickler Kevin Flynn entdeckte er eine virtuelle Welt, die noch keiner vor ihm gesehen hat. Dort konnte man sich mit Programmen anfreunden und neue Dinge entstehen lassen. Kevin Flynn wollte die perfekte Umgebung kreieren, doch da er das nicht alleine bewältigen konnte, erschuf er sein Ebenbild. Clu ist sein Name und war eigentlich gedacht, um Kevin zu helfen. Beide hatten allerdings eine unterschiedliche Auffassung von Perfektion, weshalb Clu sein eigenes diktatorisches Imperium aufbaute und Kevin verdrängte.

Während in der wahren Welt viele Jahre verstrichen sind, stand die Zeit auch im Tron-Universum nicht still. Inzwischen ist die alte Firma von Kevin zu einem riesigen Konzern herangereift. Kevins Sohn Sam (Garrett Hedlund) könnte eigentlich die Fäden bei diesem Mammutprojekt ziehen, doch lieber spielt er dem Unternehmen Streiche und sabotiert sich damit selbst. Noch immer beschäftigt ihn das Verschwinden seines Vaters, das nie richtig aufgeklärt wurde. Als Kevins langjähriger Freund plötzlich eine mysteriöse Nachricht erhält und Sam davon in Kenntnis setzt, macht er sich auf zum alten Büro seines Vaters. Dort gerät er plötzlich selbst in die virtuelle Welt und trifft nach einer kurzen Odyssee endlich auf seinen verschollenen Erzeuger. Gemeinsam wollen sie die Terrorherrschaft von Clu beenden und zurück ich die Realität gelangen.

Die Geschichte ist leider ziemlich fade und eintönig ausgefallen. Wer spannende Wendungen oder findige Unterhaltungen erwartet, wird bei Tron Legacy leider kaum auf seine Kosten kommen. Das mäßige Drehbuch ist wohl auch eine Erklärung für das nur durchschnittliche Schauspiel, das durchaus hätte besser ausfallen können. Jeff Bridges kann dafür wieder überzeugen in seiner Doppelrolle als Kevin Flynn und Clu. Neben einigen neuen Gesichtern –wie beispielsweise Olivia Wilde als Quorra – wurden viele Teile des alten Teams wieder zusammengefügt. So war der Regisseur des Erstlings Steven Lisberger als Produzent tätig und werkelte auch am Drehbuch mit.

Tron und das Thema Videospiele sind seit dem Erscheinen des ersten Kinofilms eng miteinander verbunden, schließlich handelt der Streifen von virtuellen Welten. Mit Tron 2.0 erschien damals auch eine passende Videospielumsetzung, die für ein Lizenzspiel wirklich herausragend war. Die Darstellung der virtuellen Umgebungen ist in Tron Legacy abermals gelungen. Die knallige Neonwelt, die mit den dominierenden Farben blau und rot daherkommt, wirkt faszinierend und bedrohlich zugleich auf den Zuschauer und verfehlt damit keinesfalls seine Wirkung. Die Effekte sind alles in allem mehr als ordentlich ausgefallen. Beispielsweise sieht man der jungen Version von Jeff Bridges nur selten an, das sie mit dem Computer generiert wurde. Vor allem aber die Innen- und Außenareale wirken bildgewaltig und verwöhnen stets das Auge. Einzig der 3D-Effekt präsentiert sich etwas enttäuschend. Gerade Tron ist eigentlich prädestiniert dafür, in 3D dargestellt zu werden – wirkliches Staunen stellt sich allerdings nur selten ein.

Neben der zeitweise sehr guten Action kommt der Film nur ziemlich langsam in Fahrt und wirkt zum Teil sogar ein wenig langweilig. Was den Streifen aber trotzdem lohnenswert bzw. hörenswert macht, ist der fantastische Soundtrack, der in Zusammenarbeit mit namenhaften Musikern entstanden ist. Die Rede ist von Daft Punk, die mit ihren ungewöhnlichen Helmen bestens in den Kosmos von Tron passen. Einige Sequenzen leben einzig und allein von der Musik der französischen Houseformationen und hätten ohne diese Klänge ansonsten kaum ihre Wirkung entfaltet. Solch einen gelungenen Score wünscht man sich wohl für alle Filme und Videospiele.

Fazit:
Letztlich ist Tron Legacy ein eher solider Film, der nur bedingt die Faszination des ersten Teils aufgreifen kann. Disney versteht es zwar, Fantasiewelten toll zu gestalten, die Geschichte bleibt bei dieser Fortsetzung jedoch völlig auf der Strecke. Wer allerdings auf eine gute Story verzichten und auch weitere Abstriche in Kauf nehmen kann, wird auf optischer und besonders akustischer Ebene sehr gut unterhalten. - Daniel Dyba

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