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12. 01. 2007

Nintendo Wii - Erster Eindruck

Mit der Next Generation Konsole Wii möchte Nintendo verlorenes Terrain dank einer revolutionären Steuerung zurück erobern. Die ersten Verkaufszahlen aus den USA und Deutschland zeigen, dass der Plan aufgehen könnte.

Wie bereits beim Gamecube wurde bei der Wii die Grafik-Power zugunsten eines günstigeren Preises runtergeschraubt. Im Gegensatz zur Xbox 360 und Sonys Playstation 3 ist die Wii daher nicht in der Lage, Bilder in HDTV-Auflösung dazustellen. Besitzer eines HDReady-tauglichen Bildschirmmonstrums profitieren aber immerhin von einem oft als "Low HD-TV" bezeichneten Modus.

Installation

Optisch weiß Nintendos neue Konsole auf jeden Fall zu gefallenDer Anschluss der Wii gestaltet sich vergleichsweise unkompliziert, wenngleich die neue Steuerungsmethode einen weiteren Installationsschritt erfodert: Damit die auch Wii-Fernbedienung genannten Controller mittels Infrarot als Maus- oder Pistolenersatz genutzt werden können, muss zunächst eine Infrarot-Leist über oder unter dem Bildschirm angebracht werden. Sollte die Wii nicht in der Nähe des Fernsehers aufgestellt werden, so ist dies überhaupt kein Problem, denn die Länge des Anschlusskabels der Infrarot-Leiste ist recht großzügig gewählt. Hat man das ebenfalls mitgelieferte Nintendo-typische Netzteil sowie RGB-Kabel angeschlossen, ist die Konsole auch schon startklar. Schließlich muss jedoch auch noch die Wii-Fernbedienung startbereit gemacht werden, was ebenfalls einige Zeit in Anspruch nimmt: Der Infrarot- und Bluetooth-fähige Controller wird mit zwei AA-Batterien betrieben und muss vor der ersten Benutzung mit einer Wii mit selbiger synchronisiert werden. Hierzu müssen zeitgleich ein im Batteriefach der Fernbedienung und ein an der Wii angebrachter Knopf betätigt werden.

Erste Schritte

Sind alle technischen Maßnahmen getroffen, kann die Wii endlich angeschaltet werden. Nach dem Starten der Konsole müssen zunächst einige Einstellungen wie das Datum oder die Position der Sensorleiste festgelegt werden. Anschließend findet man sich im Wii-Menü wieder, dass sich übrigens jederzeit durch Drücken der Home-Taste des Controllers erreichen lässt. Die zunächst im Wii-Menü zur Verfügung stehenden Auswahlmöglichkeiten sind der Spielkanal, der Mii-Kanal, der Foto-Kanal, der Shop-Kanal, der Wetter-Kanal und der Nachrichten-Kanal. Außerdem lassen sich die Einstellungen der Wii sowie Informationen zur verbrachten Spielzeit abrufen. Wer ausschließlich Spielen möchte, dem reicht jedoch der Spiel-Kanal, über den sich Wii- und Gamecube-Titel, die sich im Laufwerk der Konsole befinden, starten lassen.

Die Steuerung in der Praxis

Herzstück des neuen Spielkonzeptes ist die Wii Remote genannte SteuerungseinheitDie mitgelieferte Spielesammlung Wii Sports eignet sich hervorragend zum Sammeln erster Erfahrungen mit der neuen Steuerung. Beim Tennis ersetzt die Wii-Fernbedienung beispielsweise den Schläger und der Spieler muss möglichst realistische Bewegungen durchführen, um die Bälle über das Netz zu schlagen. Die im Controller enthaltenen Beschleunigungssensoren sorgen dabei für ein möglichst genaues Erkennen der durchgeführten Bewegungen, was jedoch nicht immer optimal funktioniert: Teilweise "erahnt" das Programm die durchgeführte Bewegung und die Spielfigur führt diese aus, bevor der Spieler die Bewegung beendet hat. Auch kommt es vor, dass extrem schnelle Schläge besonders langsam erfasst werden und besonders schwache Schläge im Spiel mit ungeheurer Wucht auftreten. Im Großen und Ganzen ist die Erkennung aber gut gelungen und solange man nicht zu faul ist, den Schläger zu bewegen stellt Tennis keine große Herausforderung dar, da die Figuren vom Programm bewegt werden und der Spieler nur für das Schlagen zuständig ist.

Auch die anderen Sportarten wie Baseball oder Golf erfordern vom Spieler das möglichst authentische Durchführen der jeweiligen Bewegung. Beim Bowling ist dies zwar auch erforderlich, bis auf den Drall der Kugel und die Stärke des Wurfes werden aber alle weiteren Einstellungen (Abwurfwinkel, Richtung) mittels des Steuerkreuzes des Controllers festgelegt.

Beim Boxen kommt dann endlich auch der Nunchuk zum Einsatz: Dieser wird über ein etwa 1 Meter langes Kabel an die Wii-Remote angeschlossen und verfügt ebenfalls über Beschleunigungssensoren. Mit diesen wird die Bewegung der zweiten Hand erfasst. Außerdem befinden sich noch zwei weitere Tasten und ein analoger Joystick auf dem Nunchuk, der bei der eigentlichen Wii-Fernbedienung fehlt - auf dieser befindet sich lediglich ein Steuerkreuz. Beim Boxen kommt es natürlich auf das Austeilen mit der linken und der rechten Hand an, was vom Controller gut erfasst wird und mitunter sehr anstrengend ist. Auch wenn sogar auf die Höhe der Fäuste Einfluss genommen werden kann, gilt auch bei diesem "Minispiel", dass es mehr um den Spaß geht, als um eine möglichst präzise Steuerung.

Weitere Funktionen

Der Nunchuck erweitert die Wii Remote und ermöglicht eine beidhändige SteuerungAls Next-Generation-Konsole kann die Wii natürlich mehr, als nur durch dass Spielen zu unterhalten: Dank eingebautem Wireless LAN oder optionalem LAN-Adapter lässt sich innerhalb einiger Minuten eine Internet-Verbindung herstellen. Im Gegensatz zum Nintendo DS, der nur WEP-Verschlüsselung beherrschte, lässt sich die Wii auch mit über das wesentlich sichere WPA verschlüsselten Funknetzwerken betreiben. Störend bei der dank der Nutzung der Wii-Remote als Cursor recht flotten Installation ist eigentlich nur, dass das Passwort nicht durch Sterne verdeckt wird, sondern für jeden sichtbar ist, was bei dem ein oder anderen Besitzer eines Großbildfernsehers evt. für Probleme sorgen kann. Dieses Manko tritt übrigens nicht nur bei der Konfiguration der Internet-Verbindung, sondern bei allen Eingabefeldern auf, die ein Passwort enthalten.

Sobald die Verbindung zum Internet hergestellt wurde, lädt das Gerät automatisch einige Updates runter, nach denen die Konsole jeweils neu gestartet werden muss. Will man die von Nintendo angebotenen Online-Services nutzen, muss man sich zunächst durch einen längeren Vertrag lesen und diesen akzeptieren. Mittels diesem möchte Nintendo den Handel von Accounts unterbinden.

Der erste Nutzen aus der Internet-Verbindung ist der Wetter-Kanal, über den sich nicht nur die Wetterdaten der nächstgrößeren Stadt, sondern gleichzeitig auch aller wichtigen Städte weltweit abfragen lassen. Ein hübscher 3D-Globus erlaubt das Drehen und Zoomen der Ansicht, aktuellere Wetterdaten, die nicht mehrere Stunden alt sind, wären allerdings sinnvoller gewesen.

Die virtuelle Konsole

Der separat erhältliche Classic Controller kann an die Wii Remote angeschlossen werdenEin weiterer Schwerpunkt der Internet-Funktion liegt neben dem noch nicht verfügbaren Nachrichtenkanal, der irgendwann per Update nachgerüstet wird auf dem Online-Shop, in dem sich Klassiker der Videospielgeschichte gegen Wii Points abrufen lassen. Wii Points gibt es in Form von Wii Points Card genannten Prepaid-Karten, 1 Point entspricht in Deutschland etwa einem Euro-Cent. Der in die Wii eingebaute Konsolen-Emulator namens Virtual Console erlaubt das Laden von Spielen für die Spielsysteme Nintendo Entertainment System (NES), Super Nintendo Entertainment System (SNES), Nintendo 64, Sega Mega Drive und die TurboGrafx-16 Konsole von NEC aus dem Jahre 1987. Leider ist das Spiele-Angebot bisher noch recht überschaubar: 2 Wochen nach Erscheinen der Konsole warteten nur etwa 20 Titel auf den kostenpflichtigen Download, mittlerweile sind nur wenige dazu gekommen. Auch die im Vergleich zu den USA geradezu horrenden Preise sind ärgerlich, schlägt ein Nintendo 64 Titel wie Super Mario 64 doch mit 1.000 Points (ca. 10 Euro) zu Buche und SNES-Titel wie Sim City oder F-Zero kosten immerhin noch 800 Points (ca. 8 Euro).

Neben Spielen für die virtuelle Konsole können im Shop-Kanal auch Software-Erweiterungen für die Wii erworben werden. Als erste Erweiterung lässt sich mittlerweile ein Internet-Browser kostenlos herunterladen, der auf de Opera-Technologie basiert. Auch wenn es sich bisher nur um eine Beta-Version handelt, soll der Browser für alle Nutzer auch in Zukunft kostenlos bleiben, falls diese sich die Beta-Version herunter geladen haben.

Surfen mit der Wii

Die Funktionen des Browsers sind -berücksichtigt man die niedrige Qualität des Fernsehbildschirms- vollkommen in Ordnung. Beim Aufrufen einer Webseite versucht das Programm zunächst, diese in voller Breite darzustellen, so dass der Nutzer bei gedrückter Auswahltaste nur noch vertikal mit der Wii-Remote scrollen muss. Um Texte zu lesen muss das Bild bei normaler Schriftgröße heran gezoomt werden, was im ersten Moment einen ausgesprochen guten Eindruck macht. Nach kurzer Zeit merkt man jedoch, dass die scheinbar kontinuierliche Zoom-Funktion nur zwei Stufen besitzt. Je nach Größe des Bildschirms kann es also passieren, dass die optimale Bilddarstellung (noch) nicht von der Software unterstützt wird. Dennoch lässt sich der Browser besser als erwartet bedienen, was durch nicht wenige Forenbeiträge von Wii-Benutzern in diversen Internetforen untermauert wird, welche die Beiträge bei der Nutzung des Internet-Kanals der Wii verfassten.

Fazit

Der Hype um Nintendos neue Konsole ist durchaus berechtigt, denn die Fülle innovativer Features sorgt dafür, dass es sich bei der Wii tatsächlich um eine neue Konsolengeneration handelt: Nicht nur bei der Steuerung läutet die Wii ein neues Zeitalter ein, sondern auch bei den Zusatz-Features, die nicht zum eigentlichen Spielen gehören: Die Wii-Remote ist dank der IR-Empfangsleiste ein idealer Ersatz zur Computermaus und erlaubt eine schnelle Navigation durch die Menüs und beim Surfen im Internet.

Natürlich hat auch die Wii ihre Schattenseiten. Hier sind beispielsweise die relativ hohen Kosten zu nennen, die beim Kauf von Spielen für die virtuelle Konsole entstehen. Dennoch handelt es sich bei den meisten Kritikpunkten wie dem etwas umständlichen Zoomen im Internet-Browser um Sachen, die sich per Update leicht beheben lassen und auch beim Download-Preis kann sich ja einiges tun.

Größter Kritikpunkt ist sicherlich die etwas magere Grafikleistung, gerade im Vergleich mit der Xbox 360 und Sonys bald erscheinender Playstation 3. Doch während der Gamecube es noch nicht schaffte, allein aufgrund witziger Spielideen zu überzeugen, könnte dies bei der Wii dank der wirklich innovativen Steuerung durchaus der Fall sein. Denn schaut man jemandem bei Wii Sports zu, wie er den virtuellen Tennisschläger schwingt, wird schnell klar, dass die Zukunft des Videospielens eigentlich bereits begonnen hat. Mario Siewert

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