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05. 08. 2011

Vorschau: Deus Ex - Human Revolution

In vielen Branchen gibt es vor allem in den warmen Monaten des Jahres ein äußerst bekanntes Phänomen. Die Rede ist vom so genannten Sommerloch. Auch Videospieler haben in dieser Zeit recht wenig zu tun und können sich an nur dürftigen Neuerscheinungen erfreuen. Mit Deus Ex: Human Revolution steht jedoch ein potenzieller Top-Titel vor der Tür.

Bereits vor über zehn Jahren kam der erste Teil zu Deus Ex in die Händlerregale und revolutionierte seinerzeit den Bereich der Videospiele. Der Grund dafür war klar: Eine Mischung aus verschiedenen Genres, die bestens miteinander verschmolzen waren, ohne sich gegenseitig im Weg zu stehen. Besonders die Ausrichtung auf moralische Entscheidungen und die entsprechenden Konsequenzen war neu und inspirierte damit maßgeblich viele später erschienene Videospiele. Der zweite Teil kam einige Jahre später auf den Markt und spaltete wegen vieler Veränderungen im Vergleich zum Erstling die Spielerschaft. Die Fangemeinde hinter der Marke ist aber immer noch recht groß, weshalb auch die Vorfreude auf den nun bald kommenden dritten Ableger riesig ist.

Damit bekommt nun die aktuelle Generation der Konsolen seinen ersten Teil der Serie spendiert, wobei die Geschichte aber nicht ohne Weiteres an die Vorgänger anknüpft. Wer also eine Weitererzählung erwartet hat, wird wohl enttäuscht werden, denn Deus Ex: Human Revolution dreht sich um die Geschehnisse, die vor dem ersten Teil abliefen. Während im filmischen Bereich Prequels immer beliebter werden, bekommen jetzt also auch die Videospieler genau ein solches vorgesetzt.

In Deus Ex: Human Revolution wird man in eine nicht allzu ferne Zukunft befördert und schlüpft in den Körper von Adam Jenson, der bei einer Firma für Biotechnologie arbeitet. Die Welt befindet sich derzeit im Wandel. Während solche Konzerne immer größer werden und stetig neue Bioimplantate zur Verbesserung des Menschen entwickeln, ruft dieser Prozess eine kontinuierlich steigende Anzahl an Gegnern hervor. Sie wehren sich mit aller Gewalt gegen diese Evolution, was zu zunehmenden Ausschreitungen zwischen Befürwortern und Gegnern führt. Adam arbeitet zwar für solch einen Konzern, aber seinen eigenen Körper wollte er nie aufwerten. Ein grausamer Unfall bringt den Protagonisten jedoch fast ins Grab. Nur durch die Bioimplantate konnte er vor dem eigentlich sicheren Tod gerettet werden. Adam hatte keine Wahl und steht nun zwischen den Fronten. Einerseits selbst eine halbe Maschine und andererseits deckt er zunehmend Ungereimtheiten auf, die mit der Firma in Verbindung stehen. Das klingt doch gewaltig nach Verschwörung. Es liegt derweil am Spieler selbst, die Möglichkeiten des neuen Körpers zu nutzen und damit den Machenschaften ein Ende zu setzen.

Eine dichte und atmosphärische Story gehört zu der Reihe einfach dazu, was sich auch beim neuesten Ableger nicht ändern soll. Man kann den Plot aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachten, weshalb viel Raum für Interpretationen bleibt. Sei es der Gedankengang in Richtung Evolution oder einfach nur der rassistische Aspekt, der vor allem Adam betrifft. Er hat sich sein Schicksal schließlich nicht ausgesucht und wird trotzdem von den Gegnern der Bioimplantate verteufelt. Um den Plot muss man sich also keine Sorgen machen, da hier wieder einmal viel Arbeit seitens der Entwickler reingesteckt wurde. Das Genre des Cyberpunks erlebt also endlich mal wieder eine würdige Auferstehung.

Das wichtigste Spielelement von Deus Ex: Human Revolution besteht in der Freiheit, die dem Spieler gelassen wird. Zwar wird ein roter Faden verfolgt, doch jede Aufgabe im Spiel kann auf unterschiedliche Arten gelöst werden. Dazu gibt es drei wichtige Varianten: Schleichen, Ballern und Technik. Bei der ersten Alternative wird ein langsames Vorgehen erfordert. Wer sich auffällig verhält oder Leichen einfach herumliegen lässt, verrät sich schnell, womit diese Taktik flott hinfällig wird. Drückt man den Charakter an eine Wand, wird zu einer Third-Person-Ansicht gewechselt, um das Geschehen besser überblicken zu können. Das mag zu Beginn zwar ein wenig ungewohnt wirken, geht aber schnell in Fleisch und Blut über und erinnert häufig an die Schleicheinlagen von Metal Gear Solid. Insgesamt braucht es für diese Variante unglaublich viel Geduld. Wer diese nicht besitzt, schießt sich eben durch die Umgebungen. Leicht ist das allerdings nicht, denn mit Deus Ex: Human Revolution erwartet einen kein simpler Shooter. Mit Waffengewalt mag man vielleicht stark sein, aber die Feinde sind nicht gerade hirnlos und machen einem nur zu gerne das Leben schwer. Besonders die Tatsache, dass fast alle Tätigkeiten wie beispielsweise die Ausführung eines Nahkampfangriffs Energie benötigen, regt zu Nachdenken an. Daher muss in jeder Situation abgewogen werden, welche Alternative die beste ist.

Wer mit Technik voran geht, muss sich ebenfalls konzentrieren. Beim Hacken von Türen oder Computern kann bereits ein einziger Fehler die Gegnerscharen anziehen. Gelungene Aktionen werden jedoch mit Erfahrungspunkten belohnt, die zur Verbesserung des eigenen Körpers dienen. Hier hat aber wie fast alles im Spiel Konsequenzen. Man muss sich also genau überlegen, wie man den Titel bewältigen will. Entscheidet sich der Spieler zum Beispiel dafür, die Technik aufzuwerten, wird man mit dem Hacken von Türen besser vorankommen. Es wird aber nicht möglich sein, alle Attribute voll aufzuleveln, weshalb gerade die Entscheidung der Spezialisierung sehr wichtig ist.

Das Spielprinzip von Deus Ex: Human Revolution ist bestens durchdacht und das Gameplay zeigt sich mitsamt der Story äußerst stimmig. Schade, dass das nicht für den technischen Part gilt. Die Optik betreffend ist dieses Videospiel leider kein besonderer Vorzeigetitel. Die Umgebungen sind zwar nett gestaltet, wirken im großen und ganzen jedoch ein wenig karg. Das gilt auch für die Gestaltung der Figuren. Dieser Aspekt ist bei solch einem umfangreichen Titel zwar kaum maßgebend, doch trotzdem hätte man sich hier durchaus mehr erwarten können.

Ersteindruck:
Deus Ex: Human Revolution scheint auch ohne das Zutun von Warren Spector ein echter Top-Titel zu werden. Die Mischung aus den unterschiedlichen Genrebereichen geht voll auf und kann sich mithilfe des ausgeklügelten Gameplays entfalten. Sicherlich mag die Optik veraltet wirken, aber das tut der Freude an dieser Stelle keinen Abklang. Mit Deus Ex: Human Revolution steht alles andere als ein simpler Shooter ins Haus, der mit Tiefgründigkeit und Freiheiten nicht zu geizen scheint. Wer genau solche Elemente zu schätzen weiß, sollte am Ende des Monats schleunigst zum Händler des Vertrauens gehen. – Daniel Dyba

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