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31. 03. 2016

Klassiker: Z

1996. Das Genre der Echtzeitstrategiespiele boomt und wird nicht zuletzt dank der alles überragenden Command & Conquer Reihe von Basenbau und Resourcenmanagement dominiert. Just in dieser Zeit erscheint mit Z ein Genre-Vertreter, der auf eben diese Spielelemente verzichtet. Auch wenn der ganz große Erfolg ausblieb setzte das Spiel in punkto Schwierigkeitsgrad, Geschwindigkeit und zynischem Humor neue Maßstäbe.

Dass der Bau von Gebäuden und das Sammeln von Resourcen nicht Teil des Spielinhaltes von Z ist, wird erst auf den zweiten Blick klar. Denn auf den in Comic-Grafik aus der Vogelperspektive präsentierten 2D-Karten finden sich zahlreiche bekannte Gebäudetypen, die genretypische Aufgaben übernehmen. Fabriken, die Soldaten oder Fahrzeuge bauen sind ebenso vorhanden wie Radarstationen.

Die Farbe der Fahne signalisiert, welches Team den jeweiligen Sektor kontrolliert (Screenshot: Zod)Der Unterschied zur Genre-Konkurrenz wird bei einem Blick auf die Minimap ersichtlich: Das Spielfeld von Z ist in Sektoren unterteilt, die von den sich gegenüber stehenden Armeen erobert werden können, indem diese mit einer Einheit eine im jeweiligen Sektor platzierte Fahne berühren. Über die Einnahme von Sektoren lässt sich die Kontrolle über die Gebäude des jeweiligen Sektors erlangen. Je mehr Sektoren man also kontrolliert, umso mehr Fabriken stehen (je nach Verteilung der Fabriken auf die Sektoren) zur Verfügung und desto mehr Kampfeinheiten können gleichzeitig produziert werden. Zu allem Überfluss steigt die Produktionsgeschwindigkeit aller eigenen Fabriken mit jedem zusätzlichen Sektor, der sich unter eigener Kontrolle befindet an. Auch Sektoren ohne Fabrik können also spielentscheidend sein und dem Einnehmen und Verteidigen von Sektoren fällt dementsprechend eine Schlüsselrolle in Z zu.

Ein weiterer Aspekt, bei dem sich das von den Bitmap Brothers entwickelte Spiel erfrischend vom Genre-Standard abhebt sind die Kämpfe. Während es in anderen Spielen je nach zahlenmäßiger Überlegenheit oder beteiligten Einheitentypen meist im Vorfeld relativ einfach ist den Sieger eines Gefechts zu ermitteln, hat das Handeln des Spielers zumindest bei nicht völlig ungleichen Ausgangssituationen einen nennenswerten Einfluss auf den Ausgang eines Kampfes. Durch geschicktes Bewegen von Einheiten auf der Karte lässt sich in Einzelfällen gegnerischen Projektilen ausweichen. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, dass Fahrzeuge wie Panzer oder Jeeps nicht vernichtet werden, sondern nur die darin befindlichen Fahrer eliminiert werden. Das schnelle Besetzen leer stehender Fahrzeuge und Geschütze kann in derartigen Fällen ausschlaggebend für den Ausgang eines Gefechtes sein.

Die Kombination aus dem Kampf um Sektoren und der Notwendigkeit, viele Kämpfe bis ins Detail zu planen, sorgt für ein schnelles, teilweise hektisches Gameplay. Da jedes verlorene Scharmützel einen verlorenen Sektor zur Folge haben kann, was zu längeren Produktionsdauern oder im Extremfall zum Verlust von Fabriken, die kurz vor Fertigstellung einer Einheit stehen, führen kann, werden selbst kleinste Nachlässigkeiten oftmals bestraft. Es ist daher typisch für Z, dass die zahlreichen Brennpunkte, die sich im Verlauf einer Spielrunde auf der Karte ergeben allesamt zeitnah vom Spieler koordiniert werden müssen. Hierdurch entsteht im Kampf gegen die KI ein nahezu durchgehend hoher Schwierigkeitsgrad, der zum Glück aber für mehr Sucht- als für Frust-Momente sorgt. Das Besiegen des Gegners durch Eroberung seines Forts oder Zerstörung aller seiner Einheiten ist zwar in nahezu jeder Mission ein schwieriges Unterfangen (das oftmals nicht beim ersten Versuch gelingt), da Z aber zu keinem Zeitpunkt wirklich unfair erscheint kommt es eher selten vor, dass man ein Level genervt abbricht.

Im Verlauf des Spiels verschlägt es die Roboter auch auf klirrend kalte Eisplaneten (Screenshot: Zod)Storytechnisch ist Z ein zweischneidiges Schwert: Die Singleplayer-Kampagne verzichtet auf jedweden Spannungsbogen und enthält auch ansonsten nahezu keine unvorhersehbaren Entwicklungen. Trotzdem glänzt das Spiel mit zahlreichen humorvoll bis zynischen Auftritten der beteiligten Roboter, die sowohl in den Videosequenzen zwischen den einzelnen Missionen als auch im laufenden Spiel durch bissige Kommentare auffallen. Gerade während der Missionen schaffen es die situationsabhängigen Spracheinlagen immer wieder dem Spieler selbst im Angesicht einer Niederlage noch ein Lächeln abzuringen. Die Tatsache, dass das Spiel Roboter statt Menschen gegeneinander antreten lässt, stellt sich im Fall von Z keinesfalls als negativ heraus. Die in Comic-Grafik daher kommenden Robotor integrieren sich nicht nur stimmig in die bunten 2D-Welten, sondern sorgen auch für eine Entschärfung des kriegerisch beeinflussten Spielprinzips. Die Jugendschutz-Thematik spielt daher anders als beispielsweise bei Command & Conquer, das in Deutschland durch den Austausch von Soldaten durch Robotern entschärft werden musste, keine Rolle. Da sich zudem ein Teil des Humors erst durch die Präsenz der Roboter in vollem Umfang entfalten kann und das Auftreten der Blechkameraden dem Spiel letzten Endes seinen Charme verleiht, schlägt Z was diese Punkt betrifft gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Während die Singleplayer-Kampagne nach 20 Missionen auf fünf verschiedenen Planeten, die sich vor allem optisch unterscheiden zu Ende ist, sind weiteren Spielrunden gegen menschliche Spieler dank des integrierten Mehrspielermodus prinzipiell keine Grenzen gesetzt. Weitere Einzelspieler-Missionen sind Bestandteil des sogenannten Z Expansion Kit, das das Spiel um weitere 11 Karten und einen Editor erweitert. Zudem kann im Z Expansion Kit erstmals der Schwierigkeitsgrad festgelegt werden.

Anhand der Minimap lässt sich sofort erkennen, welches Team welche Sektoren kontrolliert (Screenshot: Zod)Nach der Missions-CD folgte in 2001 mit Z Steel Soldiers ein Nachfolger, der auf das bewährte Spielprinzip und 3D-Grafiken setzte. Sowohl die Übersichtlichkeit als auch der Charme, der durch die Comic-Grafiken vermittelt wurde litten aber unter der 3D-Darstellung, so dass der Nachfolger nicht an den Erfolg des Originals anknüpfen konnte. Das ursprüngliche Z wurde 2011 von Kavcom für iOS-Geräte neu aufgelegt. Auch wenn die mobile Version sich optisch und spielerisch nahezu nicht vom Original unterschied sorgte die Touchscreen-Steuerung dafür, dass sich das Gameplay wesentlich hektischer darstellte. Nachdem in 2012 eine Android-Version erschien, veröffentlichte das Entwickler-Studio TickTock Games 2014 unter dem Namen Z: The Game ein Remake des Spiels für aktuelle Windows-Versionen. Viele Fans des Originals konnte die Portierung allerdings nicht überzeugen. So wurde unter anderem kritisiert, dass sowohl die KI der Gegner als auch die Steuerung des Spiels deutlich vom Original abweicht.

Neben dem Remake, das unter anderem auf Gog.com erworben werden kann stehen Fans weitere Möglichkeiten offen um das Original oder eine Portierung hiervon auf aktuellen Betriebssystemen spielen zu können. Wer das Original-Spiel besitzt kann die Dos-Version mittels des Dos-Emulators DOSBox starten. Die Windows-Version kann unter Linux auch mittels der Wine-Laufzeitumgebung zum Laufen gebracht werden. Eine weitere Möglichkeit für Besitzer der Original-Version stellt der Rückgriff auf die Zod-Endinge dar. Hierbei handelt es sich um ein Open Source Remake, das dem Originalspiel sehr nah kommt und auch auf die Original-Grafiken zurück greift. Neben dem typischen Z-Gameplay erwartet Fans als weiteres Highlight ein Internet-Modus, der sogar Spielersuche über Masterserver unterstützt. Herauszuheben ist außerdem die völlige Freiheit, die sich bei der Konfiguration von Spielrunden bietet: je Team können menschliche Spieler und KI-Spieler zugeschaltet werden, so dass beispielsweise auch das gemeinsame Spielen gegen den Computer mittels einer einzigen Fraktion möglich ist. 20 Jahre nach dem Erscheinen des Originals dürfen sich Fans von Z also immer noch auf spannende Gefechte freuen. Mario Siewert

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