Videospielkultur.de - Das Magazin für Videospielkultur

Das Magazin für Videospielkultur

Videospielkultur.de » Testberichte

10. 02. 2007

Testbericht: Ankh - Herz des Osiris

Vor gar nicht langer Zeit tappte ein tollpatschiger Ägypter über die Bildschirme der Adventure-Fans. Mit seinem Charme konnte er nicht nur ihre Herzen, sondern auch die der Fachpresse im Sturm erobern und es wurden Erinnerungen an glanzvolle Lucas Arts-Zeiten wach. Die Rede ist natürlich von Assil, dem Helden aus Ankh, einem Point-and-Click Adventure der alten Schule. Seit einiger Zeit ist nun der Nachfolger Ankh – Das Herz des Osiris erhältlich. Kann Herz des Osiris in die Fußstapfen des grandiosen Vorgängers treten oder war dieser doch nur ein Glücksgriff?

Mit schwerem Kopf wacht unser Held eines bitteren Morgens in der altertümlichen Gosse Kairos auf und muss mit Schrecken feststellen, dass etwas Essenzielles fehlt: Das Ankh, für das sie als Spieler viel Hirnschmalz geopfert und für welches sie gerade erst den Vorgänger vollendet haben, ist weg! Als wenn das nicht schon genug wäre, ist der Dieb kein geringerer als der Totengott Osiris selbst, der mit Hilfe des Ankh endlich wieder die Welt der Lebenden betreten will. Versteht sich von selbst, dass das nichts Gutes bedeutet. Also macht sich der unglückliche Held schwer verkatert auf den Weg, das göttliche Symbol wieder in seinen Besitz zu bringen.

Screenshot: Ankh - Herz des OsirisWas ist es denn nun? Ein eigenständiges Spiel oder nur ein Addon? Diese Frage stellten sich viele Fans bereits bei der Ankündigung von Herz des Osiris, und das zurecht. Das Spiel hat zwar eine völlig neue Story spendiert bekommen, die Schauplätze stammen jedoch knapp zur Hälfte aus dem Vorgänger. Sprich: Assil wandert während seines Abenteuers z.B. durch die bekannten Straßen Kairos, auch wenn diese nun im Mondlicht erstrahlen. Die Charaktere sind ebenfalls größtenteils aus „Ankh“ bekannt und dementsprechend gut oder schlecht auf Assil zu sprechen. Auch Grafik und Steuerung sind bekannt, sodass einige Fans oft von „Ankh 1.5“ sprechen. Generell empfiehlt es sich, den Vorgänger zu kennen, da Herz des Osiris randvoll ist mit Anspielungen und versteckten Gags, die sich auf das Original beziehen. Aber Eins nach dem Anderen.

Screenshot: Ankh - Herz des OsirisWie gesagt wurde die Steuerung beibehalten, Adventure-Veteranen werden sich daher auch bei Herz des Osiris schnell zurechtfinden. Mit der linken Maustaste scheucht man Assil durch die hübsch gestalteten Schauplätze, mit der rechten Taste führt man Aktionen wie Betrachten, Nehmen, Benutzen etc. aus. Auch das Inventar darf natürlich nicht fehlen, welches sich unauffällig am Bildschirmrand befindet. Hierhin wandert alles Mögliche, was Assil während seiner Reise so sammelt. Diese Dinge sind allerdings nicht immer sinnvoll, sondern teilweise einfach unterhaltsam oder schlicht überflüssig. Wer sich daran einmal gewöhnt hat, kommt damit aber schnell zurecht. Zum Lösen der zahlreichen Rätsel müssen diese Gegenstände natürlich sinnvoll kombiniert und eingesetzt werden. Zum Glück sind die meisten Kopfnüsse mit logischem Denken schnell zu knacken, kompliziertes Rätseln um mehrere Ecken ist nur selten gefordert. Einige Aufgaben sind allerdings so abgehoben und abstrakt, dass sie nur durch wildes Ausprobieren Erfolg haben werden. Beispiel: Sie benötigen eine Kiste, die auf dem Dach eines Marktstandes liegt. Um an den Gegenstand zu gelangen, müssen sie erst aus einem anderen Bildschirm einen Papageien im Käfig besorgen, den sie an den Marktstand hängen können. Haben sie das getan, stürzen sich die herumstreunenden Katzen auf den Käfig und nehmen ihn mitsamt des Marktstandes auseinander. Nicht nur Einsteiger werden mit dieser Form der Hirnakrobatik so manches Mal ihre liebe Not haben.

Die Story ist wieder sehr gelungen und weiß den Spieler über die zugegebenermaßen kurze Spieldauer von ca. acht Stunden hervorragend zu unterhalten. Den Witz und das häufige Augenzwinkern des Vorgängers kann Herz des Osiris gekonnt weiterführen. So gibt es in bester Lucas Arts-Manier immer wieder Anspielungen auf das reale Leben, andere Titel und das Spiel selbst. Adventures, die sich selbst nicht allzu ernst nehmen, sind halt immer noch die sympathischsten. Allerdings zeigt sich spätestens beim Humor, dass man für den vollen Spielgenuss den Vorgänger kennen sollte: Die vielen Anspielungen auf die Charaktere und Ereignisse aus „Ankh“ gehen sonst unter.

Die Grafik hat sich im direkten Vergleich zum Vorgänger noch etwas verbessert: Die Entwickler haben den Charakteren mehr Polygone spendiert und ihnen so etwas mehr Leben eingehaucht. Die nächtliche Atmosphäre der Schauplätze deckt sich besser mit der Vorstellung, die man vom verträumten, altertümlichen Ägypten hat. Wichtige Objekte sind immer sinnvoll in die Umgebung integriert, sodass die aus anderen Spielen bekannte Pixelsuche normalerweise nicht nötig ist. Auch der Sound ist durchweg auf hohem Niveau: Für die Hauptrollen wurden wieder bekannte Synchronsprecher von Hollywoodgrößen verpflichtet, dementsprechend wirken die witzigen Dialog immer glaubhaft und niemals langweilig oder abgelesen. Ein gelungener und stimmungsvoller Soundtrack mit Ohrwurmcharakter rundet das Gesamtbild ab.

Fazit

Ankh – Herz des Osiris ist ein absolutes Muss für Fans des Vorgängers, da das hohe Niveau des Originals nahtlos fortgesetzt wird. Trotz der teilweise wiederverwerteten Schauplätze wirkt das Spiel wie aus einem Guss und wirkt an keiner Stelle aufgewärmt. Sehr angenehm ist auch die Tatsache, dass die Rätsel im Vergleich zu anderen Genre-Kollegen wie Geheimakte Tunguska eher leicht ausgefallen und somit auch für Adventure-Neulinge geeignet sind. Allerdings sollten sich Einsteiger zuerst den ersten Teil zu Gemüte führen, da sie ansonsten vor allem zu Beginn nur schwer durch die Story blicken und viele Gags nicht verstehen. Simon Weiß

Kommentare

Kommentar verfassen:

Dein Name:   

Sicherheitscode:  


Bisherige Kommentare: