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23. 11. 2006

Testbericht: Anno 1701

Mit Anno 1701 beschert Sunflowers allen Strategie-Fans ein vorgezogenes Weihnachten. Der zu den am meisten erwarteten Spielen 2006 gehörende Titel heimst momentan eine Auszeichnung nach der nächsten ein. Zu Recht?

Anno 1602 konnte seinerzeit mit einem für ein Aufbaustrategiespiel simplen Spielprinzip überzeugen. Produktionsketten und Handel waren zwar nichts wirklich Neues, konnten aber verteilt auf mehrere Inseln überzeugen, so dass Anno 1602 in Deutschland zu einem Riesenerfolg wurde. Der Nachfolger Anno 1503 behielt das grundlegende Spielprinzip bei, hatte aber mit zu hohen Erwartungen und dem Fehlen einer Mehrspieleroption zu kämpfen. Nun steht mit Anno 1701 der dritte Teil der Anno-Reihe in den Startlöchern, der allein wegen der farbenfrohen detailreichen 3D-Grafik bereits im Vorfeld für Furore sorgte, so dass die Erwartungshaltung der Fans kaum geringer ist als bei Anno 1503.

Screenshot: Anno 1701Auch Anno 1701 setzt auf das altbewährte Spielprinzip, wartet allerdings mit einigen innovativen, wenn auch im Detail versteckten Neuerungen auf und überzeugt durch perfekte Präsentation und Menüführung. Startet man das Spiel zum ersten Mal, dürfte die Komplexität dennoch für Verwirrung sorgen. Deshalb empfiehlt es sich, zunächst die vier Tutorial-Missionen zu spielen, in denen alle wesentlichen für den Einstieg notwendigen Elemente erklärt werden. Wie schon in den Vorgängern gilt es, Inseln zu besiedeln, Rohstoffe abzubauen und diese zu verarbeiten, um schließlich eine höhere Bevölkerungsstufe zu erreichen. Was sich einfach anhört ist es zunächst auch, kann aber je nach den Gegebenheiten der Spielwelt auch erfahrene Spieler vor anspruchsvolle Aufgaben stellen. Charaketeristisch für Spiele der Anno-Reihe ist, dass auf jeder Insel nur bestimmte Rohstoffe angebaut werden können. Oft sind das jedoch nicht diese, an denen es ihrer Bevölkerung mangelt, so dass sie die Waren entweder gegen Gold eintauschen können oder sich auf die Suche nach einer unbewohnten Insel machen müssen, die den Anbau der benötigten Rohstoffe zulässt.

Hat man sich in den Tutorials mit den grundlegenden Spielelementen vertraut gemacht, kann man anschließend entweder eines der 10 Szenarien bewältigen oder sich ins Endlosspiel begeben, das auch in Anno 1701 natürlich nicht fehlen darf. Die zur Verfügung stehenden Einstellungen sind sehr umfangreich, was aber angesichts der Tatsache, dass das Endlosspiel der Hauptteil des Spiels ist, nicht weiter verwundern dürfte. Kartengröße und -beschaffenheit können ebenso vom Spieler festgelegt werden wie Einstellungen zu den Computerspielern, Details der Spielwelt und die Siegbedingungen.

Auch wenn nicht nur das Spielprinzip, sondern ebenso viele Gebäude und Einheiten aus den Vorgängern übernommen wurden, hat Anno 1701 einige Neuigkeiten zu bieten, die nicht nur Anno-Fans, sondern auch Neulingen gefallen dürften. So gestaltet sich das Bevölkern neuer Inseln nun wesentlich einfacher, denn es reicht, ein Erkundungsschiff in die Nähe eines Strandabschnitts zu bringen, um dort ein Kontor zu errichten, das umständliche Auskundschaften mit einem Erkunder entfällt. Anno 1701 unterstützt endlich auch vollautomatische Handelsrouten, mit denen sich der Warentransport zwischen ihrer Hauptinsel und ihren Kolonien automatisieren lässt.

Screenshot: Anno 1701Eines der Highlights von Anno 1701 ist die bereits angesprochene 3D-Grafik. Diese erlaubt nicht nur ein beinahe unbeschränktes Navigieren durch die Spielwelt, sondern sieht auch -einen entsprechend leistungsstarken Rechner vorausgesetzt- richtig gut aus: Strände, Wälder und Meer erstrahlen in hellen Farbtönen, und sorgen damit für die typische Anno-Atmosphäre, den bereits Anno 1602 hinterließ einen bunten Eindruck. Weiterhin fällt positiv auf, dass die Spielwelt zahlreiche bewegliche Elemente enthält. Angefangen bei den Wolken im Himmel, die ab einer gewissen Höhe der Kamera sichtbar werden, über das Meer bis hin zu Tieren, Menschen oder Flaggen, die im Wind wehen, ist einfach überall Bewegung drinnen, was dem Spiel gut tut. Doch nicht nur offensichtliche Elemente wie das sehr schön dargestellte Wasser sorgen für die herausragende Grafik, sondern auch viele Details: Hierzu zählen Spielmannszüge die im Dorzentrum des Spielers auftreten ebenso wie Feuerwerke, die es nach dem erfolgreichen Abschluss einiger Szenarien zu sehen gibt.

Wie die Grafik kann auch der Sound von Anno 1701 überzeugen. Das liegt nicht nur daran, dass er jetzt in 5.1 Qualität aus den Lautsprechern ertönt, sondern vor allen Dingen am grandiosen Soundtrack. Dieser konnte bereits beim Eröffnungskonzert der diesjährigen Games Convention überzeugen und war nicht nur dort eines der Highlights: Nur wenige Spiele bieten so vielfältige, ausgewogene und ergreifende Orchesterklänge wie Anno 1701. Auch die Soundeffekte können sich sehen lassen und sorgen teilweise auch für zusätzliche Abwechslung während des Spielgeschehens. So unterhalten sich Siedler beispielsweise nach der Kirche über die Predigt oder lassen Kommentare über ihr Wohlbefinden ab.

Screenshot: Anno 1701Bei der Mehrspielertauglichkeit haben die Entwickler aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und einen Mehrspielermodus entwickelt, der seinem Namen alle Ehre macht: Sowohl über das lokale Netzwerk, als auch über das Internet können sich bis zu 4 Spieler gemeinsam in die Welt von Anno 1701 begeben. Neben speziellen Karten, zu denen sicher bald Nachschub geliefert werden wird, lassen sich zufällig erstellte Karten spielen. In diesem Modus stehen alle aus dem Endlosspiel des Einzelspielermodus bekannten Spieleinstellungen zur Verfügung. Beim Spielen über das Internet kann wahlweise eine Direktverbindung verwendet werden, wesentlich komfortabler ist allerdings das Spielen über Gamespy. Die Teilnahme an einem Internet-Spiel erwies sich im Praxistest als relativ einfach, so dass Anno-Freunde für die nächste Zeit genug Beschäftigung haben sollten. Erfreulich ist auch, dass der Internet-Modus von vielen Spielern genutzt wird, um im friedlichen Miteinander Inseln zu erobern und Handel zu betreiben. Pazifisten brauchen sich also nicht auf den Einzelspielermodus zu beschränken.

Screenshot: Anno 1701Zu guter letzt seien noch ein paar Bonusfeatures erwähnt, an denen vor allen Dingen Hardcore-Fans gefallen finden werden. So verleiht das Spiel für alle möglichen Leistungen wie das Absolvieren aller Szenarien oder das Überschreiten von 100 Stunden Spielzeit Medaillen, die dann im Mehrspielermodus von den Gegenspielern betrachtet werden können. Weiterhin können die im "Anno 1701"-Handyspiel errungenen Erfolge in Form von Bonus-Talern auf die PC-Version transferiert werden. Wem das noch nicht genug ist, der kann für 90 Euro die auf 17.001 Stück beschränkte Limited Edition von Anno 1701 erstehen und erhält neben einer schmucken Holzkiste samt eingravierter Nummer das Spiel, den Orignal-Soundtrack, einen Hardcover-Bildband, einen Messing-Schlüsselanhänger, eine limitierte Passepartout-Zeichnung und ein Poster, auf dem die Produktionsketten dargestellt sind. Die Verarbeitung der limitierten Edition kann sich wirklich sehen lassen, negativ fällt nur auf, dass der im 5.1 Surround-Format vorliegende Soundtrack nur auf einer DVD geliefert wird und sich somit nicht in einem gewöhnlichen CD-Spieler abspielen lässt, was sich jedoch mit dem verwendeten Surround-Format erklären lässt.

Fazit

Anno 1701 wird den hohen Erwartungen gerecht und könnte sich -zumindest in Deutschland- zum absoluten Bestseller 2006 entwickeln. Die Entwickler haben es geschafft, dem Spiel mehr Abwechslung und ein spannenderes Gameplay als den Vorgängern zu verpassen und gleichzeitig die Steuerung vereinfacht und die Menüführung übersichtlicher gemacht. Die farbenfrohe Grafik und der geniale Soundtrack tun ihr übriges, um Anno 1701 zu einem mehr als heißen Kandidaten für das Spiel des Jahres zu machen. Mario Siewert

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